Sonntag, 19. Mai 2013

04. Februar 2012 10:00 Uhr

Augsburg

Bäckerei Müller: Das Brot bleibt liegen

Mäuisedreck und Ungeziefer - die Müller-Brot sorgt für Schlagzeilen. Eine Bäckerei-Verkäuferin in Augsburg berichtet von den Kundenreaktionen. Von Julia Nimführ und Monika Schmich

Hygienemängel bei der Bäckerei Müller.

Das Blech mit den Krapfen ist noch voll, die Körbe mit den Semmeln quellen fast über. Auch viele Brotlaibe sind liegen geblieben. Kein gewöhnlicher Anblick in einer Bäckerei an einem Freitagnachmittag. Doch dieser Freitag ist anders in der Augsburger Müller-Brot-Filiale von Simone F. (Name geändert).

Hygienemängel bei Müller-Brot

Es ist der Tag, nachdem die Hygienemängel in der Produktionsstätte der Bäckerei für Schlagzeilen sorgten. „Die Kunden sind verunsichert“, sagt Simone F. Ihr Umsatz sei erheblich eingebrochen, um fast 20 Prozent, berichtet sie. Das Unternehmen Müller-Brot, das seinen Sitz in Neufahrn hat, beliefert viele Händler in Augsburg und ist mit mehreren Filialen und Supermarkt-Verkaufsstellen vertreten. In vielen blieben gestern die Kunden aus. „Es ist sehr, sehr ruhig“, berichtete die Verkäuferin einer der Filialen. „Und die Leute, die kommen, trinken lieber nur Kaffee.“

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Dabei stammten die meisten Produkte in den Auslagen der Filialen gar nicht mehr aus der vermeintlich verunreinigten Produktionsstätte, betonten die Mitarbeiter. Müller-Brot beliefert seine Filialen jetzt mit Waren von Partnerunternehmen. „Von welchen, wissen wir nicht“, sagt Simone F. Den wenigen Kunden, die kamen, hat sie freimütig Auskunft gegeben. Auch Sylvia Rosenthal wollte es genau wissen. Sie ist seit Jahren Kundin bei Müller-Brot und holte sich gestern eine Apfeltasche. „Da fragt man lieber nach“, sagte sie.

Eine 80-jährige Kundin in einem Augsburger Supermarkt dagegen wollte nicht leichtfertig ins Regal greifen. Freitagnachmittag um 13 Uhr lagen dort noch immer fertig abgepackte Produkte der Bäckerei Müller: Das Roggenbrot für 1,49 Euro neben dem Isarbrot-Aufschnitt.

Eigentlich sei man von der Zentrale angewiesen worden, die Waren auszusortieren, berichtete die stellvertretende Filialleiterin. „Aber ich bin noch nicht dazu gekommen.“ Das holte sich kurz darauf nach. Die 80-jährige Frau hatte da aber schon längst zum Brot der Konkurrenz gegriffen. „Ich bin schockiert“, sagt sie. „Ich hab’ doch so oft bei Müller-Brot gekauft.“

Erschrocken sind auch die Geschäftsführer anderer Bäckereien in Augsburg – vor allem der kleinen. „Für uns wäre ein solcher Skandal das Aus“, heißt es dort. Die Bäcker sehen Probleme in der Dauerproduktion in den Großbäckereien. „Wenn die Maschinen 24 Stunden laufen, wann wird gereinigt?“

Andere Bäcker: Sauberkeit ist Chefsache

Auch Alfred Huber-Degle hat eine kleine Bäckerei mit Laden. Er weiß: „In Backstuben ist es feucht, warm und es gibt Ritzen für Staub oder Brösel. Ideale Bedingungen für Schädlinge.“ Er nehme es daher sehr genau. „Hygiene sollte in unserer Branche selbstverständlich sein.“ Auch in der Bäckerei Wolf nimmt man das Thema ernst: „Bei uns laufen die Maschinen nachts, bis 12 Uhr sind die Teige fertig, die Reinigung beginnt“, erklärt Geschäftsführer Stefan Wolf. Die Bäckerei arbeite seit Jahren mit einem Institut zusammen, das ein Hygiene-Konzept eingeführt habe und dies regelmäßig überprüfe. „Bei einer Größe wie bei uns hat man nur damit eine sichere Kontrolle.“ Bei Balletshofer haben die Geschäftsführer persönlich einen Blick auf Sauberkeit, Hygienepläne dokumentieren jeden Vorgang, so Christian Balletshofer.

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