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Ausstellung: Baumeister des Bildraums

Ausstellung

Baumeister des Bildraums

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    Der 1952 in Füssen geborene und im Allgäu aufgewachsene Günther Förg ist zweifellos der international bekannteste und erfolgreichste zeitgenössische bildende Künstler aus Schwaben. Seine Werke – Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Plastiken – findet man in den großen Sammlungen und Museen der Welt.

    Die Galerie Noah im Glaspalast zeigt nun eine Auswahl von 50 Arbeiten auf Papier, die zwischen 1989 und 2009 entstanden sind – darunter auch Großformate. Es sind Aquarelle, Ölkreiden, Radierungen und Monotypien, die in ihrer Mehrzahl abstrakt sind, jedoch „Brücken“ in die Gegenständlichkeit schlagen. Preise reichen von 1600 Euro für eine Farbradierung bis zu 65000 Euro.

    Immer wieder Vertikale und Horizontale

    Von einem Schlaganfall im Jahr 2010 noch nicht vollständig genesen, kam Günther Förg zur Eröffnung seiner Ausstellung. Sie ist eine Art Rückkehr in den Glaspalast, wo die Galerie Noah schon 2005 eine große Schau mit Werken des Künstlers präsentiert hatte.

    Architektur und ihre Formensprache sind nicht nur Sujet des Fotografen Förg – sie stehen im Zentrum des gesamten Werks. Günther Förg, seit 1999 Professor für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München (wo er selbst von 1973 bis 1979 bei Karl Fred Dahmen studierte), ist auch als Maler und Zeichner ein Baumeister des Bildraums. Er setzt Flächen neben- und übereinander, reiht, staffelt und türmt. Vor allem durchmisst und gestaltet er den Bildraum immer wieder mit Vertikalen und Horizontalen.

    Der Maler bewegt sich nicht auf geradem Weg

    Typisch für Förg sind Gitter- und Rasterstrukturen, die über dem Bildgrund liegen wie ein Netz. Allerdings hat das nichts mit schematischer, geometrischer Vermessung zu tun. Der Maler bewegt sich nicht auf geradem Weg, seine Gitter wölben und biegen sich, sind weich, sind freihändig, unfertig.

    Als wolle er dem Bild eine Art Ordnung einschreiben, zieht der Künstler seine Bahnen längs und quer, teilt und tariert aus, bis eine feste Verstrebung dem Fließen, Aneinanderstoßen und Leuchten der Farben Halt, besser: Fassung gibt.

    Dieses Gerüst erinnert an die gegliederten Fensterfassaden fertiger oder die Stahlgerippe im Bau befindlicher Hochhäuser. Einblicke, Durchblicke und Tiefe bieten sich dem Betrachter dieser Blätter, die mal luftig, leicht und durchlässig sind, aber auch dunkel, schwer und verdichtet sein können.

    Schönes Beispiel für solch dichte Arbeiten mit einem gleichsam malerisch höheren spezifischen Gewicht ist in der Galerie Noah eine wunderbare Serie von sechs Gouachen in kräftigen, satten Farben aus dem Jahr 2002.

    Zeichnerische Kürzel als eine Art Geheimschrift

    Auf vier großen Mischtechniken im Format 70 mal 105 Zentimeter aus dem Jahr 2007 setzt Günther Förg eine Art Geheimschrift in die offene Bildlandschaft. Er verteilt zeichnerische Kürzel übers Blatt, die sich zu blockartigen Gebilden reihen und ballen. Es wogen mit, neben und gegeneinander Baumgruppen, Felder, Gewässer ...

    Gegenständlich die Landschaft zeigen einige stimmungsvolle Aquarelle aus dem Jahr 2006: Ein Baum in einer Küstenlandschaft, eine lichtdurchflutete mediterrane Szenerie mit übereinander gestaffelten blauen Himmelsbahnen. Wie Günther Förg die Natur gleichsam als Architektur sieht, offenbart ein schönes Blatt von 2004: Sechs dunkle, kahle Baumstämme, die rhythmisch in die Landschaft gesetzt sind, lassen an Tempelsäulen denken.

    Stark ist Günther Förg, Teilnehmer der documenta IX 1992, besonders da, wo er sein Prinzip pur und in Reduktion umsetzt. Etwa in einer übermalten Monotypie von 1988, die zwei vertikale rote Balken zeigt, die im unteren Bildviertel von einer Horizontalen gekreuzt werden.

    Eine Choreografie der Linien und Striche

    Und beeindruckend im schwarzen Großformat von 1998 (ohne Titel, Gitter V.), das mit einem flirrenden Tanz weißer Kreidestriche überzogen ist, die wie eine rätselhafte Partitur erscheint, eine Notenschrift für die Augen. Als zeichne er Spuren von Licht nach, eine Choreografie der Linien und Striche, die ein loses und miteinander verwobenes Gebilde zugleich sind, mit langen und kurzen Ausschlägen, zarten und festen Strichen, durchgezogenen und zögerlichen.

    Laufzeit bis 7. April. Geöffnet Dienstag bis Donnerstag 11–15 Uhr, Freitag bis Sonntag 11–18 Uhr.

    Die Galerie bietet zur Ausstellung wieder Führungen und museumspädagogische Aktionen für Kinder, Jugendliche und Schulklassen an. Information und Anmeldung unter Telefon 0170/5134931 (Kerstin Skringer)

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