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29. Dezember 2009 05:09 Uhr

Behinderte: Kosten für Fahrten steigen

Karolina Reinke ist in großer Sorge. Die 87-Jährige wohnt in der Firnhaberau. Weil sie gehbehindert ist - "ich bekomm' meinen Fuß keine Treppe hoch" - hat sie bisher, wenn sie zum Arzt, zur Apotheke, zur Bank oder einem Seniorentreffen fahren wollte, den Fahrdienst des Malteser Hilfsdienstes benutzt. Bus oder Straßenbahn fahren kann sie nicht. 4 Euro hat sie bezahlt. Ab 1. Januar kann sie sich den Behindertenfahrdienst vielleicht nicht mehr leisten. Der Grund: Ab dann greifen neue Richtlinien. Mit ihrer Sorge ist Karolina Reinke nicht allein. Von Gerlinde Knoller

Bis zum Jahr 2008 hat die Stadt Augsburg den Fahrdienst für Menschen mit Behinderung finanziert. Als diese Aufgabe ab 2009 auf den Bezirk Schwaben überging, hat dieser vorerst die Regelungen der Stadt übernommen. Das heißt: Menschen mit Behinderung, die einen Antrag gestellt haben, konnten sechs Fahrten im Monat von entsprechenden Anbietern - etwa dem Hauptanbieter Malteser Hilfsdienst - in Anspruch nehmen. Für diese Fahrten mussten die Behinderten nicht mehr bezahlen als den Betrag, den sie normalerweise für öffentliche Verkehrsmittel ausgegeben hätten. Auch wurden bei Bedarf Taxi-Gutscheine ausgegeben.

Neu ist nun ab Januar eine für den Regierungsbezirk Schwaben einheitliche, vom Bezirkstag beschlossene Regelung: Fallen die Betroffenen unter eine Einkommensgrenze von rund 1000 Euro, stehen ihnen monatlich 100 Euro (Heimbewohnern 50 Euro) für den Fahrdienst zur Verfügung - ganz gleich, ob sie ihn für einen Hilfsdienst oder ein Taxi benutzen. Wer über mehr Einkommen oder Vermögen verfügt, zahlt selbst. Die Kosten dürften dem Taxipreis entsprechen und nicht mehr dem, was für öffentliche Verkehrsmittel bezahlt wird. Es kommen deutliche Mehrkosten auf die Behinderten zu.

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Eine Stadtfahrt, rechnet Alexander Pereira, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes, werde künftig auf rund 16 Euro einfach kommen. Pereira: "Wir mussten neu kalkulieren. Jetzt bekommen die Kunden die wirklichen Kosten solcher Fahrten auf den Tisch." Die Malteser fahren täglich rund vier solcher Touren mit eigens dafür vorgehaltenen, behindertengerechten Spezialfahrzeugen. Höhere Kosten würden auch dadurch entstehen, dass dem Malteser Hilfsdienst immer weniger Zivildienstleistende zur Verfügung stehen - was durch anderes Personal ersetzt werden muss.

Pereira ist jedoch klar, dass durch die Neuregelung der Fahrdienst-Finanzierung "viele Behinderte da jetzt rausfallen". Er erlebe eine große Verunsicherung unter den Betroffenen. "Man wird die Entwicklung beobachten müssen", so der Malteser-Chef.

Von einer "Zumutung" spricht Arno Erlei, Vorsitzender des Behindertenbeirats, wenn Behinderte durch diese neue Fahrdienst-Regelung immobil werden. "Das kann man nicht behindertengerecht oder barrierefrei nennen."

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