Mittwoch, 23. Juli 2014

25. März 2014 17:43 Uhr

Augsburg

Bei UPM geht die Angst um

Der Papierhersteller UPM will europaweit Stellen streichen. Davon ist auch Augsburg betroffen.

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Der Papierhersteller UPM bleibt nun doch im Tarifvertrag.
Foto: Schöllhorn (Archiv)

Die schlechten Nachrichten, mit denen der Papierhersteller UPM zuletzt deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, haben auch bei der Belegschaft in Augsburg Spuren hinterlassen. Die Stimmung in Augsburg sei schlecht, die Angst groß, heißt es. Erst der angedrohte Tarifausstieg, dann der Stellenabbau in Ettringen. „Jeder hat im Kopf, dass es als Nächstes uns treffen könnte“, sagt Betriebsrat Christian Korte. Unwahrscheinlich ist das nicht.

Am Dienstag will der Konzern den Gesamtbetriebsrat über ein neues Restrukturierungsprogramm informieren. Es geht um Hunderte Jobs an den europäischen Papier-Standorten, die abgebaut werden sollen. Darunter auch um gut 100 in den deutschen Verwaltungseinheiten, die vor allem im emsländischen Dörpen sowie in Augsburg angesiedelt sind. „Es werden alle Standorte in irgendeiner Form betroffen sein, auch Augsburg“, sagte Vorstand Hartmut Wurster. Er geht hier von „ein paar wenigen Stellen“ aus. Dass es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird, wollte er nicht ausschließen.

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Schon in den vergangenen Jahren hat UPM ähnlich wie die Wettbewerber kräftig gespart. Denn die Lage für die Papierhersteller ist schwierig. Mit dem Siegeszug der Online-Medien schrumpft ihr Markt. Es gibt Überkapazitäten in der Branche, die die Preise kaputtmachen. UPM hatte zuletzt aber trotz dieser Schwierigkeiten Gewinne eingefahren. Bei den Mitarbeitern schwinde dagegen allmählich das Verständnis für die Politik des finnischen Großkonzerns, heißt es aus Betriebsratskreisen. Von der alten Haindl-Kultur sei nur noch wenig zu spüren. „Damals hat niemand so genau auf die Uhr geschaut. Das ist vorbei.“

150 Jahre war das Unternehmen in Familienbesitz gewesen. 2001 hatte es die Familie Haindl mitsamt dem Standort Schongau an die Finnen verkauft. Schon damals hatte sich der Konzentrationsprozess in der Branche abgezeichnet. Mit Millioneninvestitionen hatte Haindl die Standorte zwar fit für die Zukunft gemacht. Doch gegen die Dominanz der Großen auf dem Weltmarkt sah sich das Familienunternehmen auf Dauer chancenlos.

Betriebsräte sprechen von „Kahlschlag“ beim Personal

Der neue Eigentümer UPM hatte in der Folge all seinen Standorten immer wieder Kostensenkungsprogramme verordnet und auch in Augsburg gespart. Stellen, die frei wurden, wurden häufig nicht mehr besetzt. Heute sind im Augsburger Werk noch 700 Mitarbeiter tätig, davon 500 in der Produktion. Die neuerlichen Sparpläne scheinen bei vielen jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben.

„Es reicht einfach“, sagt Betriebsratschef Werner Rid. Auch er ist sich bewusst, dass ein weiterer Stellenabbau in Augsburg nicht mehr ohne Kündigungen möglich sei. „Wir sind an einer Grenze angelangt, wo wir nicht mehr sozialverträglich abbauen können.“ Betriebsrat Korte spricht gar von einem „Kahlschlag“ beim Personal. In manchen Bereichen der Produktion seien bis 30 Prozent der Mitarbeiter eingespart worden. Das habe zu einer enormen Leistungsverdichtung geführt, klagt die Arbeitnehmerseite. Druck und Stress hätten zugenommen. Der angedrohte Tarifausstieg, den man im Januar mit Protesten der Belegschaft abgewendet hat, drücke zusätzlich die Moral.

„Das ist uns in einer derartigen Situation sehr wohl bewusst“, sagt Vorstand Wurster. Er war selbst noch zu Haindl-Zeiten im Werk. Man wolle die Mitarbeiter daher nicht länger in der Ungewissheit lassen und sie nach den Beratungen mit dem Betriebsrat in den kommenden Tagen genau informieren. Ob mit dem jüngsten Sparprogramm allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht ist, darf bezweifelt werden. Weitere Einsparungen gelten als wahrscheinlich. Welche Standorte es dann treffen wird, hängt laut Wurster auch von deren Effizienz und den Märkten ab, die sie bedienen. „Augsburg ist aber sehr gut aufgestellt“, beruhigt der Vorstand.

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