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08. Juni 2009 10:50 Uhr

Protest Picknick

Bei der Döner-Demo prallen Welten aufeinander

Ordnungsreferent Walter Böhm (CSU) wurde mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen. Eine Stunde lang diskutiere er mit den Partygängern über das Außenverkaufsverbot von Speisen und Getränken in der Innenstadt. Von Stefan Krog

Von Stefan Krog

Was zumindest ein großer Teil der Maxstraßen-Nachtschwärmer vom "Döner-Verbot" der Stadt hält, wird Samstagnacht um 1 Uhr schnell deutlich.

Ordnungsreferent Walter Böhm (CSU), der sich beim ProtestPicknick kritischen Fragen stellt, wird auf dem mit Flutlicht ausgeleuchteten Rathausplatz mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen. Eine Stunde lang diskutieren Böhm und die Nachtschwärmer über das Außenverkaufsverbot von Speisen und Getränken in der Innenstadt. Am Ende sind die bekannten Standpunkte bekräftigt, ohne dass man sich nähergekommen wäre.

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Dass das Picknick zum inhaltlichen Schlagabtausch wird, ist von den Organisatoren Jan Fertig und Daniela Gerblinger so zunächst auch gar nicht beabsichtigt. "Wir wollen unseren Spaß haben und mit so einer Aktion zeigen, dass man auch ohne Müll feiern kann", sagt Gerblinger, deren Vater übrigens CSU-Stadtrat ist. Er ist auch zum Picknick gekommen, allerdings "nicht als Politiker, sondern als Vater", wie er sagt. Die CSU hatte das Außenverkaufsverbot im Stadtrat mitbeschlossen. Dass ihm eine Freundin seiner Tochter ein Plakat "Wer den Döner nicht ehrt, ist im Stadtrat verkehrt" hinten auf die Jacke gepappt hat, hat er sich gefallen lassen.

Doch das gesellige Beisammensein mit Liegestühlen, Picknickdecken, Sonnenschirmen und mitgebrachtem Essen wird schnell zur Nebensache. Es ist einerseits zu kalt, andererseits zieht die Diskussion mit Böhm die Aufmerksamkeit auf sich.

600 bis 1000 Teilnehmer sind zu der Demonstration gekommen. Hasan Tekin, Betreiber des Arkadas-Döner-Imbisses in der Maximilianstraße, ist auch da und verteilt 600 Döner-Verkäufer-Papiermützen an die Demonstranten. "Mir kommen fast die Tränen, weil so viele Leute da sind", sagt Tekin. Sein Laden, der bei Nachtschwärmern Kult-Status hat, ist von dem nächtlichen Außenverkaufsverbot mit am härtesten betroffen.

9000 Unterschriften hat er inzwischen gegen das "Döner-Verbot" der Stadt gesammelt. "Was hat das Essen mit dem Thema Alkohol zu tun?", fragt er. Das ist auch die Frage, die den Demonstranten auf den Nägeln brennt und die sich Böhm immer wieder stellen lassen muss. "Das Hauptproblem ist der Alkohol. Dessen Außenverkauf ist ja auch verboten. Aber der Verkauf von Essen verursacht nun mal auch Lärm und Müll", wiederholt er immer wieder im Kampf gegen eine zeitweise streikende Lautsprecheranlage und Zwischenrufe.{}

Dass er nur die Interessen der Anwohner vertrete und diese im Vergleich zum Partyvolk die Minderheit seien, wird Böhm vorgeworfen, und auch dass man nun alle Nachtschwärmer in einen Topf werfe, statt die wenigen, die tatsächlich Probleme machen, zur Verantwortung zu ziehen. "Die Party macht Augsburg erst zu dem, was sie ist", sagt ein Demonstrant.

Überzeugen kann Böhm die wenigsten der Picknicker. Die meiste Zustimmung erhält er dafür, dass er sich überhaupt der Diskussion stellt. Zwei Welten sind da aufeinandergeprallt, ohne einander zu verstehen. Manche Demonstranten, einige wenige wohl auch nicht mehr ganz nüchtern, krakeelen dazwischen, Böhm spricht die überwiegend jungen Nachtschwärmer mal mit "meine sehr verehrten Damen und Herren", mal mit "ihr" an.

Böhm sagt noch, dass in der Vergangenheit zu viele Konzessionen an Wirte vergeben worden seien. "Jetzt haben wir eine Situation, aus der wir das Beste machen müssen." Gegen halb drei Uhr gehen die letzten Demonstranten und Böhm auseinander.

Dass das Thema Essensverkauf immer noch problematisch ist, zeigt übrigens ein Vorfall, der sich gegen 2 Uhr ereignete: Ein 53-Jähriger will aus einem Schnellimbiss in der Innenstadt einen Burger mit nach draußen nehmen. Als ein Sicherheitsmann ihn darauf hinweist, dass das untersagt ist, wird der Mann laut Polizei ausfällig. Bei einer Rangelei stürzen beide zu Boden. Der 53-Jährige, offenbar alkoholisiert, wird von der Polizei in den Arrest gebracht - ohne Burger.

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