"So, das ist das Ende der Führung, danke, Schluss!" Etwas abrupt gerät er schon, der Abschied der Stadtführerin Barbara Schwook. Ist doch die Gruppe gerade erst am mittlerweile ziemlich berühmten Fünffingerlesturm angekommen, zu dem es schon eine Menge zu sagen gäbe. Aber die Stadtführerin will sich erst gar nicht auf eine die Gemütererhitzende Diskussion einlassen und umschifft den Streit so gut es ebengeht.


Von Philipp Albers
"So, das ist das Ende der Führung, danke, Schluss!" Etwas abrupt gerät er schon, der Abschied der Stadtführerin Barbara Schwook. Ist doch die Gruppe gerade erst am mittlerweile ziemlich berühmten Fünffingerlesturm angekommen, zu dem es schon eine Menge zu sagen gäbe. Zumal es sich um eine Führung der Alt-Augsburg-Gesellschaft handelt, die den Bau der umstrittenen Treppe aus Beton und Stahl am denkmalgeschützten Turm vorantrieb.
Aber die Stadtführerin will sich erst gar nicht auf eine die Gemüter erhitzende Diskussion einlassen und umschifft den Streit so gut es eben geht, indem sie einfach gar nichts mehr sagt.
Zufall war es wohl nicht, dass der Fünffingerlesturm gerade den Schlusspunkt der Tour "Vom Wall zum Wandel" bildet. Das vermutet auch ein Mitglied des Vereins. Man wolle eben mit Info-Veranstaltungen dieser Art auch ein wenig Boden gutmachen, den man durch den Anbau verloren habe.
Zwei Dutzend Interessierte, viele darunter keine Mitglieder der Gesellschaft, kamen gestern zu dem zweistündigen Rundgang, der am Roten Tor startete und dem Verlauf der alten Stadtmauer folgte, über den Brunnenmeisterhof, durch die Schwibbogengasse, vorbei an Vogeltor und Jakobertor. Szenenapplaus gab es, als Schwook am alten Wasserrad spontan ein Brecht'sches Liebesgedicht aufsagte, Bewunderung kam unterm Vogeltor auf, wo einige erstmals den gotischen Schlussstein entdeckten.
So ganz lässt sich aber der Streit trotz aller betonter Neutralität nicht verdrängen. Denn vor dem Turm hantiert ein Mann mit einer Messlatte an der Stahlkonstruktion herum. Bruno Stubenrauch ist Architekt und in der Bürgerinitiative gegen den Anbau engagiert.
Eine kleine Diskussion gibt es dann doch noch
"Der Gehweg schrumpft von 150 auf 60 Zentimeter", verkündet er das Ergebnis seiner Messungen. "Das ist mehr, als ich bisher gehört habe." Als "Unding" und "Schwarzbau" bezeichnet er die Treppe. In der Gruppe ist indessen doch noch eine kleine Diskussion entstanden. Fehlende Sachlichkeit werfen die meisten den Gegnern der Treppe vor, die Treppe selbst sei eine Frage des Geschmacks. Und geredet wird wohl weiterhin beim Anblick des Treppenbaus. Dafür hat die nächste Führung der Alt-Augsburg-Gesellschaft am 10. Juni ein unverfängliches Ziel: das Museum der Augsburger Puppenkiste.
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