Bergheim Hans Frei ärgert sich über die Stadt Augsburg. Für seinen Frust ist ein kleines Schild auf einer Wiese am Waldrand verantwortlich: darauf ist zu lesen, dass das Liegenschaftsamt der Stadt an dieser Stelle zwei Grundstücke zur Bebauung anbietet - auf einer Wiese, die bisher Teil des Landschaftsschutzgebiets Westliche Wälder war.

Hans Frei, Geograf und ehemaliger Bezirksheimatpfleger, wohnt in Bergheim und hat für die Bebauungspläne am Langen Berg kein Verständnis. Er mutmaßt, dass die Stadt einfach die Grenzen des Schutzgebiets verschoben hat, um Baurecht zu schaffen. Vor allem, so seine Argumentation, sei die Stadt in ihrer Entscheidung relativ eigenmächtig, weil sie ihre eigenen Instanzen, Umweltausschuss und Stadtrat, passieren muss.
Eigene Instanzen ausgehebelt?
"Dass die Stadt aus Geldmangel Baudenkmäler verfallen lässt, ist bekannt, aber dass sie zum Auffüllen ihrer Kassen Schutzgebiete veräußert, ist ein Skandal", findet Frei. 320 Euro kostet der Quadratmeter erschlossenen Baulands laut Internetauskunft der städtischen Immobilien, 1950 Quadratmeter werden insgesamt verkauft.
Kritik an dem Vorgehen der Stadt gibt es auch von Seiten des Naturschutzes: Günter Bretzel, ehemaliger Vorstand des "Bund Naturschutz" Augsburg, verfolgt den Fall schon seit Jahren - denn das Verfahren, ein Grundstück aus dem Landschaftsschutzgebiet heraus zu nehmen, dauert. 2004 gab es einen Stadtratsbeschluss, die Fläche zum Bauland zu machen, 2007 und 2008 zwei Beschlüsse, um die Grenzen des Schutzgebiets zu verschieben. "Wir haben damals eine Stellungnahme geschrieben und uns heftig dagegen gewehrt", sagt Bretzel. Es sei grundsätzlich nicht in Ordnung, aus einem Schutzgebiet Stück für Stück herauszunehmen und Häuser darauf zu bauen. "Wozu macht man Schutzgebiete, wenn man sie dann einfach wieder auflöst?", fragt Bretzel.
Verärgert ist auch Günther Groß, Mitglied des Naturschutzbeirats der Stadt: "Man sollte aus einem Landschaftsschutzgebiet keinen Quadratmeter hergeben. Eine solche Waldrandwiese bietet essenzielle Futterpflanzen für die Tiere des Waldes." Für zwei oder drei Häuser opfere die Stadt nun ein geschütztes Wiesengrundstück, das sei bitter.
Bei der Stadt allerdings sieht man den Fall anders: "Wir müssen der Nachfrage der Menschen nach Bauland nachkommen", sagt Norbert Diener, Leiter des Stadtplanungsamts. Ein bereits erschlossenes Grundstück eigne sich dafür. Außerdem seien die Grenzen des Schutzgebiets der tatsächlichen Nutzung angepasst worden. "Auch bestehende Häuser liegen in dem Gebiet." Die vorherige Ausbuchtung der Grenzlinie sei nun an einen geraden Lauf angenähert worden. "Es bleibt zudem eine Ausgleichsfläche von 40 Metern zwischen Bauland und Waldrand."
Pro und Contra abwägen
Auf diesen Ausgleich komme es an, betont Maria Dobner, Leiterin des Amts für Grünordnung. Als Vertreterin der Naturschutzverwaltung stehe sie Grenzverschiebung zwar kritisch gegenüber. "Im Stadtrat wägen wir aber ausführlich Pro- und Contra-Argumente gegeneinander ab", erläutert sie den Prozess. Die Argumente für die Befriedigung der Nachfrage nach Bauland haben im Stadtrat letztlich mehr Gewicht gehabt. Es sei auch keine Seltenheit, dass Gebiete aus dem Landschaftsschutz herausgenommen werden. "Sonst hätte eine Stadt keine Entwicklungsmöglichkeiten." Werner Platteder, Geschäftsführer des Vereins Naturpark Westliche Wälder, kennt diese Praxis gut. "Das kommt immer mal wieder vor, dass Grenzen verschoben werden", sagt er. In den letzten Jahren sei die flächenmäßig immerhin zugunsten des Schutzgebiets verlaufen.
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