Donnerstag, 30. Juni 2016

05. Februar 2016 11:49 Uhr

Augsburg

Bio-Quote für den Stadtmarkt?

Augsburg schließt sich mit anderen Kommunen zu einem Öko-Netzwerk zusammen. Ziel ist es, ein „Modethema“ der breiten Masse zu vermitteln. Dafür gibt es viele Ansätze

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Wie kann man als Stadt den Biotrend unterstützen? Darüber diskutierten in Augsburg insgesamt zwölf Kommunen, die sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die Bio-Branche ist prozentual gesehen der größte Wachstumsmarkt in Deutschland. Auf der anderen Seite steht der Trend zu Fast Food – immer mehr Erwachsene und Kinder sind deshalb zu dick. Solche Entwicklungen waren Anlass für zwölf deutsche Städte, sich zu einem Bio-Netzwerk zusammenzuschließen. Am Donnerstag war die Vertragsunterzeichnung im Augsburger Rathaus. Im Vordergrund steht Erfahrungsaustausch. So berichtete der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly, es gebe auf dem Christkindlesmarkt bereits eine 50-Prozent-Quote von Bio-Lebensmitteln.

Von verordneten Quotenregelungen hält man in Augsburg nichts, wie Oberbürgermeister Kurt Gribl und Marktreferent Dirk Wurm klarstellten. Ein Würstleverkäufer auf dem Plärrer sei zum Beispiel mit dem Angebot einer Biobratwurst gescheitert. Doch das soll sich ändern. Daher versucht die Stadt, den Bio-Gedanken zu verbreiten. Es gibt zum Beispiel eine Pausenbrot-Aktion, die mit Unterrichtseinheiten gekoppelt ist. Sie soll ausgedehnt werden. Außerdem bekommen Klassen die Möglichkeit, einen Biobauernhof zu besuchen, Kindertagesstätten werden geschult. Augsburg erhielt zuletzt sowohl den Titel „Fairtrade-Town“ als auch den als „Nachhaltigste Großstadt Deutschlands“. Das ist Ansporn, denn darin ist der Bio-Gedanke eingebettet. Ziel ist ein Anteil von 30 Prozent in städtischen Einrichtungen. In München liegt der bei 50, bei Fleisch bei 90 Prozent.

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Bis ist eine Kostenfrage

Prof. Franz-Theo Gottwald, der sich bei der Schweisfurth-Stiftung seit Jahrzehnten für das Thema einsetzt, prognostiziert: „20 Prozent der Bevölkerung wollen einen ökologischen Lebensstil führen, bis hin zur Gesundheitsvorsorge. Und sie sind auch bereit, dafür zu zahlen.“ Denn bio, das wurde bei den Gesprächen rund um die Vertragsunterzeichnung einmal mehr klar, ist eine Kostenfrage. Erhebungen in München ergaben, dass die Umstellung auf 100 Prozent bio eine Mahlzeit in der Kita um 34 Cent teurer macht, sagte Bürgermeister Josef Schmid. Ob das viel oder wenig ist, ist nun aber Ansichtssache. Und: Sich biologisch oder regional zu ernähren, kann das Leben verändern. Die Freiburger Bürgermeisterin Gerda Stuchlik berichtete von einem zweiwöchigen Experiment von Familien in ihrer Stadt. Ergebnis: „Es geht, aber es braucht einen anderen Lebensstil, nämlich mehr Zeit.“ Maly glaubt dagegen, dass der hohe Zeitaufwand erst durch Perfektion entsteht und eine ordentliche Bioquote sich ohne diesen Druck und, dank der Discounter, halbwegs günstig verwirklichen lässt.

Ziel: Trend verstetigen

Auf jeden Fall sollte es Ziel von Kommunen sein, den gesellschaftlichen Trend im Sinne ihrer Bürger aufzugreifen und zu verstetigen, so Gottwald. Ansätze dafür gibt es viele: Darmstadt bietet Kochschulungen und einen bio-veganen Imbissstand auf dem Markt, München kooperiert mit dem Tollwood-Festival, Freiburg gab eine Studie in Auftrag, wie viele Lebensmittel, die in der Stadt konsumiert werden, regionaler Herkunft sind. Denn bio und regional sind oft verzahnt, wie Norbert Stamm, bei der Stadt Augsburg für Nachhaltigkeit zuständig, erläuterte. Beispiele sind Apfelsaft aus den Stauden, der aus Kostengründen nicht bio-zertifiziert ist, oder die Erzeugergemeinschaft „Unser Land“, die mittlerweile über 50 Prozent Bioprodukte anbietet.

Der Trend werde sich in jedem Fall fortsetzen, prognostiziert Prof. Gottwald. Es gelte, ihn auf allen Ebenen vom Erzeuger über Handwerk/Verarbeitung und Handel bis zu Konsum und Entsorgung zu fördern – nicht zuletzt, weil er als Wirtschaftszweig wichtiger wird. So gebe es in manchen Orten Branchen-Stammtische. Auch die Zusammenarbeit mit Initiativen, wie es sie in Augsburg schon gibt, sei wichtig: Urban Gardening, Foodsharing oder Solidarische Landwirtschaft.

Die dunkle Seite

Allerdings hat auch Bio eine dunkle Seite. Dass es nicht automatisch heile Welt bedeutet, erlebte die Schweisfurth-Stiftung selber gerade mit dem Vorzeigebetrieb der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Der geriet in die Kritik, als der Augsburger Friedrich Mülln mit seiner Soko Tierschutz aufdeckte, dass dort Schweine in umstrittenen Kastenständen gehalten wurden.

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Ein Artikel von
Ute Krogull

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg



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