Klaus J. Wengenmayr musste das Augsburger Bistro "Brechts" schließen, da ein Nachbar geklagt hatte. Jetzt wartet er auf Hilfe der Stadt. Von Lilo Murr

An die Gerichtsverhandlung im November 2009 denkt Klaus J. Wengenmayr mit Grausen. Ein Nachbar hatte gegen die Genehmigung geklagt, die die Stadt trotz Kneipenstopps für Brechts Bistro gegeben hatte. Er gewann. Deshalb ist das kleine Lokal in der Altstadt seit Ende März zu. Wengenmayr hatte geplant, sich mit privaten Veranstaltungen über Wasser zu halten, da bis Ende des Jahres ein neuer Bebauungsplan gültig werden soll. Über seine Situation sprachen wir mit dem verhinderten Bistrowirt.
Ende März wurde Ihre Kneipe Brechts nach einer juristischen Auseinandersetzung zwischen der Stadt und Ihrem Nachbarn dichtgemacht. Wie läuft es denn bei Ihnen inzwischen?
Klaus J. Wengenmayr: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn die stirbt bekanntlich als Letztes.
Sie wollen überleben, indem Sie geschlossene Veranstaltungen anbieten. Klappt das?
Klaus J. Wengenmayr: Nur sehr bedingt. Ich bräuchte pro Woche ein bis zwei Termine, um allein die Kosten zu decken. Aber ich rechne fest damit, dass bis Oktober, November der Bebauungsplan geändert worden ist und einer Wiedereröffnung nichts mehr im Wege steht.
Die Stadt hat Ihnen versprochen, den Bebauungsplan, der 1989 als Kneippenstopp bekannt wurde, zu modifizieren, damit Sie Ihre Kneipe wieder ganz legal eröffnen können. Hat sich da schon etwas getan?
Klaus J. Wengenmayr: Nein. Ich rufe die zuständigen Ämter regelmäßig an, eine klare Antwort habe ich bis heute nicht bekommen.
Das heißt, weder die Politik noch die Verwaltung haben sich seitdem von sich aus bei Ihnen gemeldet?
Klaus J. Wengenmayr: Nein.
Wovon leben Sie denn? Sie wollten Ihre Papiermanufaktur ausbauen. Funktioniert die wenigstens?
Klaus J. Wengenmayr: Die Regio Augsburg hat meinen Papierschöpfbetrieb in den Handwerkerweg eingebaut. Weiterhin ist im Wiesel-haus (Fuggermuseum) eine historische Papierschöpferei im Gespräch. Auch gibt es mittlerweile gute Kontakte zu Groß-gärtnereien.
Kommen, wie erhofft, die Schulen zu Ihrer Papiermanufaktur oder haben Sie anderweitig genügend Aufträge?
Klaus J. Wengenmayr: Kontakte gibt es zu Schulen. Auch zu Institutionen wie dem Goethe-Institut.
Sie rechneten ja auch immer mit Touristen, die das gegenüberliegende Brechthaus besuchen und zu Ihnen reinschauen. Ist dem so?
Klaus J. Wengenmayr: Das sehe ich als Kulturauftrag, den Namen Brecht bestmöglichst mit meiner Kulturkneipe zu bereichern. Aber vom Reinschauen kann keiner leben.
Was muss man tun, um bei Ihnen in eine geschlossene Veranstaltung zu kommen?
Klaus J. Wengenmayr: Sich anmelden unter Telefon 01 73/890 97 73.
Wie schaut es finanziell aus?
Klaus J. Wengenmayr: Ein Spendenkonto könnte ich gut gebrauchen. War ein Scherz, aber meine Bank macht mir das Leben auch nicht gerade leicht.
Interview: Lilo Murr
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