Sein Name ist auf Kabarettbühnen noch nicht eingeführt. Aber "in fünf bis zehn Jahren", sagt Michael Feindler augenzwinkernd, werde er "das Berliner Olympiastadion füllen". Zunächst nahm der 20-Jährige aus Wuppertal für sein Programm "Allein unter Menschen" vorlieb mit der Kresslesmühle.

Feindler verband Dichtkunst mit Kabarett. In der Tradition von Tucholsky oder Kästner kommentierte Feindler reimend, spitz und bitterböse die Ungereimtheiten unserer Tage. Frei nach dem Erlkönig dichtete er "Wer rast noch so spät durch Nacht und Winde?/ Es ist Kurt-Kevin mit seiner Sieglinde/ Er hält das Lenkrad fest in den Händen…".
Boshaft, aber zärtlich trug er seine Liebeslyrik vor, etwa die Ode an Hilde: "Ich nutze dich nur zum Vergnügen, würd' ich das leugnen, würd' ich lügen." Und in einen Vierzeiler passt das Bildungsproblem: "Ein Schüler scheiterte am Brockhausband, weil er den Einschaltknopf nicht fand."
Bei aller Scharfzüngigkeit überschritt der junge Kabarettist zuweilen die Grenzen des guten Geschmacks. So geschehen etwa in seinem "idyllischen Weihnachtsgedicht", wo er den Herrgott betrunken vor den Altar des Kölner Doms treten lässt. Immer wieder griff Feindler zur Gitarre. Seine Glanznummer war das Lied "Jahrgang 89" (sein eigener), in dem er das Lebensgefühl seiner Generation beschreibt. "Wir suchten nach Erfolg bei RTL und Casting-Shows", schreibt er und: "Wir laufen, wir rennen, wir stoppen und gehen - wir wissen nur nicht wohin."
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