Dienstag, 2. September 2014

04. Februar 2013 09:00 Uhr

Kultur in Ausburg

Brechtnacht: Chance verpasst

Das Publikum kam reichlich zur langen Brechtnacht, doch das Theater verpasste die Chance, den Abend überbordend zu gestalten.

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Als ob das Wetter zu einer ironischen Entgegnung in der Lage ist! Nun, wo die lange Brechtnacht zum Großteil im Theater Augsburg stattfand, war es für einen Februartag nur mäßig kalt. Aber das Draußen war im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mehr so wichtig. Es mussten von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort kaum Wege zurückgelegt werden, es gab auch keinen Brecht-Jahrmarkt mehr. Es war eine – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich überschaubare lange Brechtnacht.

Wer dort ein Spektakel erwartet hatte, sah sich getäuscht. Wo beim Opernball eine Woche zuvor alles bis ins Detail hinein geplant, geschmückt und ausgestaltet war, herrschte nun reiner Veranstalterpragmatismus. Zwei Konzerte im Großen Haus, zwei im Theater-Foyer, eines im Hoffmannkeller. Und die Räume dazwischen und daneben wurden nicht genützt. Eine Chance hatte sich im Theater für die Brechtnacht geboten, eine Chance, an einem Ort einen überbordenden Abend zu gestalten. Aber die neuen Möglichkeiten wurden nicht ausgenützt.

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Warum, fragt man sich. Weil das Festival-Budget zu schmal für eine prall gefüllte Nacht ist? Weil das Hauptaugenmerk mittlerweile auf anderen Veranstaltungen im Programm liegt?

Vor zwei Jahren wirkte die erste Brechtnacht wie der Versuch, einen Abend lang Brecht an alle möglichen Orte in der Stadt zu tragen. Vergangenes Jahr wurde das Programm dann (rein der Menge nach) ausgedünnt. In diesem Jahr fand der Rückzug von den Straßen statt. Das hinterlässt den Eindruck, als ob die Brechtnacht mittlerweile ein wenig stiefkindlich behandelt wird.

Was wiederum nicht als Pauschal-Kritik an den einzelnen Darbietungen verstanden werden soll (mehr zu drei ausgewählten Konzerten in nebenstehenden Kurzkritiken). Der Auftakt im Großen Haus über Brechts Augsburger Freundeskreis und die Lieder, die damals entstanden sind, schaffte einen Eindruck davon, wie Brecht arbeitete und wie wichtig die Heimatstadt für ihn war.

Die Brecht-Geisterbahn, die Bluespot Productions in der Orangerie eingerichtet hatten, zeigte einen sympathischen Übermut und eine unverkrampfte Ideenfindung. In dem sorgfältig eingerichteten Parcours spukten (fahlweiß geschminkt) Mackie Messer und die Seeräuber-Jenny, Brecht und seine Tochter, ein Zitate- und Lebensstationen-Raten, weniger zum Gruseln als zum Schmunzeln.

Das Potenzial, auch in Form junger Akteure und eines durchaus interessierten und gemischten Publikums, war da. Und die einzelnen Veranstaltungen wurden durchweg lautstark beklatscht. Teilweise war es für Zuschauer auch schwer, in die Säle zu kommen. Mehr Programm wäre in dieser Brechtnacht auch goutiert worden.

Fotos vom Festival in unserer  Bildergalerie 

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Brecht | Augsburg

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