Mittwoch, 20. September 2017

13. Januar 2010 05:55 Uhr

Brechts ästhetische Maßnahmen

Wer heute Brecht liest, "hat immer einen Knopf im Ohr" - mit dieser spaßigen Wendung spielte eingangs Prof. Mathias Mayer (Augsburg) auf die Allgegenwart seines Kollegen Prof. Jan Knopf in der Brecht-Forschung an. Der Leiter der Arbeitsstelle BB an der Universität Karlsruhe sprach in der Zeughaus-Vortragsreihe über "Marx' Theorie der Praxis bei Brecht". Von Günter Ott

i

Knopf führte Marx ein als den Entdecker der Entwicklungsgesetze menschlicher Geschichte. Der Mensch sei nicht nur ein biologisches (Darwinismus), sondern auch ein gesellschaftliches Wesen. Kurz gesagt: Die Wirklichkeit ist Menschenwerk. Es komme darauf an, sie zu verändern und nicht, wie dies die (idealistischen) Philosophen tun, immer neu zu interpretieren. Knopf belegte dies mit einem drastischen Marx-Zitat: "Philosophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe." Als zusätzlicher Gewährsmann wurde Goethe aufgerufen, der den idealistischen Denkern vorwarf, sie sähen nichts von der Welt und produzierten nur "blauen Dunst".

Knopf zeichnete Grundsätze des Marxismus ins Reine, jenseits seiner doktrinären Ideologisierung und Zementierung in der DDR und anderen Staaten. Der Brecht-Forscher: "Wir haben gerade ein Jahrhundert Murksismus hinter uns." Dieser Ideologisierung fiel auch Brecht mitsamt seinem Werk lange Zeit anheim, zumal in den Zeiten des Kalten Krieges. Mittlerweile werden die Texte genauer gelesen - wenn auch nicht immer angemessen aufgeführt. Knopf legte dies vor allem am 1930 uraufgeführten, bis heute umstrittenen Brecht-Stück "Die Maßnahme" dar. Es sei das einzige Drama Brechts, "das mit dem Kommunismus in Verbindung gebracht werden kann". Inhalt: Vor dem Parteigericht müssen sich vier von Moskau nach China beorderte Agitatoren verantworten, die auf ihrer Mission einen jungen Genossen erschossen haben.

ANZEIGE

Übler Agitprop wurde Brecht vorgeworfen, doch Knopf machte klar, wie sehr bis heute Brechts vielfach gebrochene Spielanlage, sein ästhetisches Modell unterlaufen werde, so unter anderem die Tatsache, dass die Agitatoren die Szenen nachspielen, dass also der getötete Genosse nicht auf der Bühne erscheint, sich vielmehr im Bericht des Quartetts spiegelt.

BB, so das Fazit des Referenten, habe in seinem Werk die "materialistische Linie" verfolgt, gesellschaftliche Defekte sichtbar zu machen (etwa die Auslöschung des Individuums). Er begriff Dichtung als ästhetisches Modell und Medium, durch das hindurch gewissermaßen die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Sprache komme.

i

Schlagworte

Brecht | Augsburg | DDR | Moskau | China

Ihr Wetter in Augsburg-Stadt
20.09.1720.09.1721.09.1722.09.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter4 C | 13 C
5 C | 18 C
8 C | 19 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung

Augsburger Geschichte

Jobs in Augsburg



Alle Infos zum Messenger-Dienst
Beilage: Ferien Journal

Bauen + Wohnen

JGA in der Stadt
Finden Sie Junggesellenabschiede nervig?

Unternehmen aus der Region