Mittwoch, 13. Dezember 2017

28. Juni 2013 12:00 Uhr

Augsburg

Bürgerumfrage: Radler ärgern sich am meisten

Das Amt für Statistik und Stadtforschung hat die Bürgerumfrage 2011 veröffentlicht – Die Ergebnisse der Studie bieten spannende und überraschende Erkenntnisse

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Der Verkehr beschäftigt die Augsburger: Sie beklagen fehlende Radwege und die Straßenbeschaffenheit.
Foto: Annette Zoepf

Wer seine Nachbarn kennen lernen will, muss in diesem Buch blättern: Das Amt für Statistik und Stadtforschung hat den Endbericht zur Bürgerumfrage 2011 veröffentlicht – mit spannenden Erkenntnissen:

Stimmung Mancher unterstellt den Augsburgern zwar einen ewig mäkelnden Grantler-Blick auf die Stadt – doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 95,1 Prozent leben gern in Augsburg (eher gern bis sehr gern). Dabei gilt: Je länger jemand in der Stadt lebt, desto lieber. Die Tendenz bei der Stimmung geht leicht nach oben. Unter den Stadtbezirken ragen die Firnhaberau, Pfersee-Nord und Göggingen-Nordwest heraus, weniger gut sind die Zahlen für Oberhausen-Süd und Links der Wertach (Nord und Süd).

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Stärken Nach Angaben der Statistiker gibt es wenig Schwankungen. Als Stärken werden Geschichte und historische Museen, Lebensqualität und allgemeine Einkaufsmöglichkeiten oft genannt. Sehr gut bewertet werden auch die Naherholungsmöglichkeiten. Zu den Schwächen zählen unter anderem das Miteinander in der Stadt und besonders das Miteinander der Bürger verschiedener Herkunft. Außerdem: Immobilienpreise, Treffpunkte, Seniorenfreundlichkeit, Jugendkultur und Arbeitsplatzangebot.

Größte Probleme Der Verkehr (46,9 %) hat die Arbeitslosigkeit verdrängt und steht mit den städtischen Finanzen (45,2 %) ganz oben auf der Liste. Es folgen „zu viele Aussiedler“, Strompreise und Arbeit des Stadtrates.

Verkehr Vor allem junge Menschen sehen darin das größte Problem. Den meisten Unmut verursacht nach der Auswertung das Radwegenetz. 32 Prozent aller Befragten sind „unzufrieden“, 14 Prozent sogar „sehr unzufrieden“, so das Statistikamt. Interessant ist: Mit 19,5 Prozent nutzen mehr Pendler das Fahrrad als Bus und Straßenbahn (18,4 %). Die meisten (47,6 %) sitzen aber im Auto. Eine verblüffende Zahl: Innerhalb der Stadt fahren laut Statistikamt etwa genauso viele Pendler Fahrrad wie Auto.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Straßenbeschaffenheit. Der Öffentliche Nahverkehr und die Erreichbarkeit der Innenstadt kommen gut weg – wenn auch mit Unterschieden je nach Stadtviertel.

Kommunalwahl Die Frage „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Kommunalwahl wäre“, ergab im Sommer 2011: Die CSU lag wie in vergangenen Umfragen bei rund 20 Prozent (18,7). Gewonnen haben im Vergleich zu früheren Umfragen die Grünen, die mit 14 Prozent vor der SPD (11,3) lagen. Mehr als 33 Prozent waren unentschlossen. Mehr als jeder Zehnte will nicht wählen – doppelt so viele wie in der ersten Bürgerumfrage 2003.

Der typische Neubürger Das Statistikamt hat ihn aus den Antworten geschaffen: Er ist unter 40 (gaben 74,4 Prozent an), ledig (63,1%), hat keine Kinder (86 %), einen hohen Bildungsstand (Fach-/Hochschulreife oder mehr/67,1 %) und kommt als Vollzeit-Erwerbstätiger (49,5 %) oder Student nach Augsburg (19,6 %). Die Neubürger wohnen „(noch) nicht so gern in Augsburg“ wie die „Einheimischen“ – und nur sechs von zehn wollen in der Stadt bleiben.

Die typische Wohnung Laut Statistik leben Augsburger so: In einem Gebäude mit mehreren Wohnungen (65,5 Prozent), das zwischen 1949 und 2000 gebaut worden ist (63,2 %), in einer Mietwohnung mit im Schnitt 77 Quadratmetern (50,8%) oder der eigenen Immobilie mit rund 112 Quadratmetern (46,5 %).

Familie Die Augsburger haben Zweifel daran, ob sich Politik und Verwaltung ausreichend um Familien kümmern. Jeweils mehr als 60 Prozent bewerten das Engagement mit „weniger stark“ oder „überhaupt nicht“, so das Statistikamt.

Während bei den Kindergartenplätzen etwa die Hälfte der Befragten vom passenden Angebot spricht, werden Mängel bei Kinderkrippen (unter 3 Jahre) und Horten für Schulkinder gesehen. Das Bild ist nicht einheitlich – mangelnde Familienfreundlichkeit wird kaum als Problem gesehen. Das liegt nach Ansicht des Statistikamtes daran, dass die Frage nach Mängeln eher von Betroffenen beantwortet wird, während bei der allgemeinen Einschätzung eine breite Bevölkerungsgruppe Angaben machte.

Senioren Ein ähnliches Bild: Einerseits sehen vor allem ältere Augsburger (über 70) Schwächen bei barrierefreien Wohnungen (80,9 Prozent) und Kontaktmöglichkeiten mit Jüngeren (72 %). Andererseits wird mangelnde Seniorenfreundlichkeit auch nicht als gravierendes Problem betrachtet.

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Ein Artikel von
Marcus Bürzle

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