Sonntag, 26. Oktober 2014

08. Juli 2011 07:00 Uhr

Einkaufspassagen in Augsburg

Bummel an leeren Schaufenstern vorbei

Sie versprechen Einkaufs- und Schlemmervergnügen. Doch in etlichen Ladengalerien in Augsburg stehen Flächen leer. Daran soll sich nun etwas ändern.

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Sie werben mit buntem Einkaufsvergnügen. In vielen Ladenpassagen und Einkaufszentren in Augsburg herrschen aber nur Leerstand und Tristesse: In den Augusta-Arcaden sind die Rolltreppen längst außer Betrieb. Ein Bummel durch das Schwabencenter oder die Annapassage führt an verlassenen Schaufenstern vorbei. Und der Viktoriapassage könnte der Verlust des großen Kundenmagneten Peek & Cloppenburg drohen. Was läuft hier falsch?

Während in der City-Galerie derzeit renoviert wird und neue Läden eröffnen, sieht die Lage vieler anderer Zentren und Passagen schlecht aus. Eine Entwicklung, die auch der Handelsverband kritisch beobachtet, wie Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Puff sagt. Für sich abgeschlossene Einkaufszentren wie die City-Galerie oder das Schwabencen-ter müssten zugkräftige Händler haben, die das Publikum anlocken. Nur wenn das gelingt, laufe das Geschäft. Bei Passagen sei wichtig, so Puff, dass sie hochfrequentierte Straßen verbinden, um genug Kundendurchlauf zu haben. „Wenn das nicht der Fall ist, birgt eine Passage immer ein Risiko für den Händler.“ Genau das beobachtet der Fachmann in Augsburg.

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Lage ist nicht hoffnungslos

Hoffnungslos sei die Lage dennoch nicht. Da ist sich der Augsburger Makler Peter Wagner sicher: „Diese Lagen muss man neu entwickeln.“ Denn auch abseits der Top-Einkaufsstraßen gebe es Möglichkeiten. Beispielsweise drängten zuletzt Möbelhändler, die vor einigen Jahren die Stadt verlassen hatten, wieder ins Zentrum. Auch Sportgeschäfte schätzten die Nähe zur Innenstadt, verbunden mit Parkmöglichkeiten, wie sie es beispielsweise in der Viktoriapassage gibt. Allerdings müssten die Betreiber häufig die Mietpreise überdenken, sagt Wagner. Das scheint aber das Problem zu sein. Eigentümer der Gebäude seien oft Fonds oder Banken, die die Lage vor Ort gar nicht kennen, sagen Experten. „Für sie ist die Gewinnmaximierung vorrangig“, so Handelsverband-Vertreter Puff.

Und dennoch tut sich in einigen Passagen und Zentren etwas:

Augusta-Arcaden Thomas Höret, der sich im Namen des Eigentümers Ignaz Walter um die Augusta-Arcaden kümmert, spricht von einem „sehr großen Leerstand“: Nur noch acht Händler befinden sich in der Passage an der Ludwigstraße. Ober- und Untergeschoss sind geschlossen. „Es ist aber nicht so, dass wir nichts dagegen tun“, betont Höret. Derzeit verhandle man mit einem großen Einzelhändler. Eine Entscheidung soll bald fallen.

Schwabencenter Wolfgang Kohlberg soll es richten. Der Betreiber des Schwabencenters im Herrenbach hat den Fachmann vor vier Wochen extra nach Augsburg geholt. Denn sechs der 35 Läden stehen schon leer – darunter die drei großen Fachmarktbereiche. Schuld daran sei die große Baustelle vor der Tür, sagt Kohlberg. Aber auch der Wettbewerb und die veränderte Bevölkerungsstruktur hätten dazu beigetragen. Kohlberg will „den Neuanfang“. Er spüre eine „große Bereitschaft des Eigentümers, neu zu investieren“. Das Ziel für das Center: ein Branchenmix, der die Klientel im direkten Umfeld und darüber hinaus anspricht. „Das verlangt gewisse Fantasie“, räumt der Manager ein. Er setzt auf Modeläden im mittelpreisigen Segment, die es in der Innenstadt nicht gibt. In anderen Bereichen – zum Beispiel beim Mobilfunk – dürfte es durchaus exklusiver sein. Auch einen Elektronikmarkt oder ein Zoofachgeschäft könnte sich Kohlberg vorstellen, ebenso einen Gastronomiebereich. Derzeit liefen Verhandlungen.

Viktoriapassage Nicht einmal die Mieter wissen so genau, wer hinter dem Eigentümer der Passage am Bahnhof steckt: ein holländischer Fonds, eine englische Bank? Stattdessen hätten sie es mit unterschiedlichen Ansprechpartnern zu tun. „Keiner kennt sich aus“, klagt einer der Händler. „Alle schauen nur, dass sie in ihre eigene Tasche wirtschaften.“ Von „Missmanagement“ ist die Rede. Schon jetzt stehen Läden leer. Wie es weiter geht, sollte Peek & Cloppenburg tatsächlich abwandern, ist unklar. Das Modeunternehmen macht derzeit keine Angaben zu seiner Zukunft in der Passage. Auch die Hamburger Firma, die sich um die Vermietung kümmert, will sich nicht äußern. Nach Informationen unserer Zeitung soll es aber bereits einen neuen Interessenten für die Flächen geben.

Grottenau Zwischen Theater und Ludwigstraße gibt es eine kleine Passage mit einem Café – aber keine Geschäfte. Im Juni war der letzte Händler ausgezogen. „Die anderen Läden stehen seit Jahren leer“, sagt der Hausverwalter Anton Kopp. An der Miete dürfte es nicht liegen. Acht bis zehn Euro kostet der Quadratmeter pro Monat. Zum Vergleich: In Toplagen wie in der Annastraße zahlen Händler bis zu 120 Euro. Das Problem aus Kopps Sicht: die fehlende Laufkundschaft. Man bräuchte einen Ankermieter, den die Kunden gezielt aufsuchen – und der weitere Läden nach sich zieht. Derzeit führt Kopp Gespräche mit dem Eigentümer. Auch der will sich ein neues Konzept überlegen.

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