Haunstetten Die Stoßrichtung ist eindeutig: Das kleine, übersichtlich-familiäre Haunstetter Krankenhaus mit maximaler Grundversorgung wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Das war die klare Botschaft der beiden Ärzte Dirk Richter und Matthias Anthuber. Von Ines Lehmann


Die Medizinier waren der Einladung von Stadträtin Christa Stephan (SPD) gefolgt und standen im Pfarrsaal von St. Georg etwa 70 Gästen Rede und Antwort.
Bereits Ende September hatte unsere Zeitung über geplante Umstrukturierungen zwischen dem Haupthaus in Kriegshaber und dem Krankenhaus in Haunstetten berichtet. So wurde die komplette Hals-Nasen-Ohren-Abteilung Anfang Oktober nach Haunstetten verlegt, die sogenannte AVT-Chirurgie (Allgemeine -, Viszeral- sowie Transplantationschirurgie) wanderte im Gegenzug dafür ab nach Kriegshaber. Daraufhin war sowohl bei der Politik als auch in der Bevölkerung die Sorge aufgekommen, die Tage des Klinikums Süd, wie das Haunstetter Krankenhaus seit der administrativen Zusammenlegung mit dem Zentralklinikum Augsburg heißt, könnten gezählt sein. Zu Recht.
Standort wird gestärkt, nicht geschwächt
Zunächst aber beruhigte Richter, Medizinischer Direktor, die Menschen im Saal: Durch die Umstrukturierung solle der Standort Haunstetten gestärkt werden. "Damit sich die Dermatologische Tagesklinik und die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung richtig entfalten können, brauchen sie Betten. Die bekommen sie nun von der Chirurgie."
Dann kam der 43-Jährige auf die wahren Gründe der Verlegung zu sprechen: Das Klinikum Süd, insbesondere die chirurgische Abteilung, arbeitet ineffizient. Durchschnittlich 7,3 Eingriffe pro Woche im Bereich der Viszeralchirurgie (Bauchraum) und wöchentlich 2,6 Operationen im Notfallbereich seien "viel zu wenig, um Ihnen die Qualität zu bieten, die Sie verdienen. Oder wollen Sie von einem Arzt operiert und einer Schwester nachversorgt werdne, die solche Operationen alle drei Wochen durchführen?" Nur, was man häufig mache, mache man richtig gut. Die Qualität sei auch nicht bei fünf Eingriffen pro Woche gewährleistet.
Anthuber bestätigte seinen Kollegen. Die AVT-Chirurgie mit einem Chefchirurgen an der Spitze, der alles macht, gebe es nicht mehr. "In der Medizin spricht man von einer Wissensverdopplung innerhalb von fünf Jahren, das Gleiche gilt für die Technik." Deshalb würden auch chirurgische Abteilungen aufgeteilt, die einzelnen Chirurgen immer mehr zu Spezialisten ihres jeweiligen Fachgebietes.
Gleicher Tenor bei Parallelveranstaltung
Bei der CSU-Veranstaltung einige Tage später der gleiche Tenor. OB Kurt Gribl machte die Veränderungen an der Sauerbruchstraße mit den Worten deutlich: "Vom nostalgischen Bild der Schwarzwaldklinik am Waldrand Haunstettens müssen Sie sich verabschieden."
Die Bürger, die zu beiden Veranstaltungen kamen, waren im Grunde dazu bereit, fühlten sich nur nicht "mitgenommen". Ein alter Haunstetter formulierte es so: "Das Planungsbüro, das sich mit der Umstrukturierung beider Häuser befasst, sollte sich auch mit unserer Mentalität befassen."
Stadträtin Hedwig Müller sagte: "Die Haunstetter wollen nicht in ein großes Haus, da fehlt die Vertrauensbasis, das erschlägt einen." Richter gab zu, dass "die Umstrukturierung auch gewisse Nachteile" berge. Die Entscheidung sei nun aber mal so gefallen und werde sicher nicht rückgängig gemacht. Kopfzerbrechen bereite der Klinikumsleitung laut Richter noch die Entscheidung, wo Kinder mit HNO-Problemen behandelt würden. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und gehören in die Kinderklinik." Unter fünf Jahren würden sie deshalb am zentralen Standort operiert. Darüber werde man die Patienten nach Haunstetten schicken.
Die Wertachkliniken seien auch eine Alternative, sagte eine andere Haunstetterin angrifflustig. "Die machen es vor", antwortete Richter, "die haben sich bereits spezialisiert."
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