Freitag, 15. Dezember 2017

04. November 2009 19:25 Uhr

Damit der Rubel rollt, muss der Ofen brennen

In diesen Tagen werden sie die dreimillionste Tonne Müll seit Bestehen der Anlage verfeuern. Das ist eine gute Nachricht für die Bürger von Augsburg und den beiden umliegenden Landkreisen. Sie müssen letztendlich dafür geradestehen, wenn es in der Augsburger Müllverbrennung wirtschaftlich nicht laufen sollte. Damit dort der Rubel rollt, muss der Ofen brennen.

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Genauer gesagt sind es drei Ofenlinien sowie zwei Öfen für Spezialabfall aus Bayerns Krankenhäusern, in denen jährlich über 200 000 Tonnen verbrannt werden. Eine Jahresmenge unter 200 000 Tonnen bedeutet: Die Anlage ist nicht voll ausgelastet. Da die Haushalte aus den Kreisen Aichach-Friedberg und Augsburg sowie der Stadt aber nur gut die Hälfte des benötigten Mülls liefern, muss der Rest "zugekauft" werden. Kommunen, die nicht dem Augsburger Abfallzweckverband AZV angehören, bezahlen weniger für die Müllverbrennung. Während beispielsweise Augsburg, mit einer Jahresmenge von 50 000 Tonnen der größte Lieferant, 200 Euro je Tonne für die Verbrennung berappen muss, kostet die sogenannte thermische Verwertung für den Restmüll aus dem Kreis Donau-Ries nur 120 Euro je Tonne.

Wer nicht Verbandsmitglied ist, kann sich seine Verbrennungsanlage aussuchen - der Landkreis Ostallgäu hat das gerade getan. Ab 2011 wird der Restmüll von dort nicht mehr in Lechhausen, sondern in Kempten verfeuert. Der AVA fehlen damit 11 000 Tonnen Müll. Geschäftsführer Walter Michale will sich jetzt um den Abfall aus dem Landkreis Landsberg bemühen, der derzeit nach Coburg gekarrt wird. Die Anlage dort hatte im Wettstreit der Müllverbrennungen, die ihre Kapazitäten auslasten müssen, vor Jahren die Augsburger mit "einem Kampfpreis" (Michale) ausgestochen. Lässt sich Landsberg nicht ködern, muss noch mehr Gewerbemüll akquiriert werden, dort sind die Margen laut Michale noch schlechter. Um gleichbleibend ausreichend Brennstoff zu haben, lagert die AVA auf ihrem Gelände jetzt sogar Abfälle zwischen. Bis zu 5000 Tonnen sind genehmigt.

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Die wirtschaftliche Lage der AVA ist vergleichsweise entspannt. Drückten die Müllverbrennung 1994, als sie in Betrieb ging, Schulden von 260 Millionen Euro, waren es Ende 2008 nur noch knapp 75 Millionen. In sechs bis sieben Jahren sei dieser Berg abgetragen, sagt Michale, erstmals seit ihrem Bestehen kommt die AVA heuer nur mit ihren Einnahmen über die Runden und benötigt keine Finanzspritze des Zweckverbands mehr. Der musste im Jahr 2000 noch über 51 Millionen Euro bei den Bürgern für die AVA eintreiben, 2008 waren es noch gut 25 Millionen.

Gesteigert werden sollen die Einnahmen aus dem Verkauf von Strom und Abwärme. Bislang nehmen die Stadtwerke weniger Fernwärme als möglich ab, das aber soll sich mit dem derzeit laufenden Ausbau des Fernwärmenetzes ändern. Im Frühjahr wird die AVA über den Bau einer weiteren Turbine zur Stromerzeugung entscheiden.

AVA-Geschäftsführer Michale wird dann voraussichtlich nicht mehr an Bord sein. Zum 31. März 2010 endet sein Vertrag. Der Jurist hatte im Frühjahr das Handtuch geworfen. Er stand im Kreuzfeuer der Kritik, seit unsere Zeitung im November 2006 die AVA-Affäre aufgedeckt hatte: Über Jahre hin war illegal hochgiftige Aktivkohle aus der Filteranlage der Müllöfen verbrannt worden.

Während der technische Geschäftsführer deswegen bereits im Sommer 2007 seinen Hut nehmen musste, blieb Michale zunächst im Amt, auch als umfangreiche Sonderprüfungen erhebliche Mängel in dem von ihm verantworteten kaufmännischen Bereich ans Licht brachten. Über Michales Nachfolge ist laut Landrat Martin Sailer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der AVA ist, noch nicht entschieden.

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Ein Artikel von
Christoph Frey

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