Donnerstag, 23. Mai 2013

10. September 2010 06:02 Uhr

Das Brot wird teurer

Manche Augsburger werden es beim Semmeln holen schon bemerkt haben: Einige Bäckereien haben ihre Preise erhöht. Nach der Einschätzung des neuen Innungs-Obermeisters Peter Mück werden viele andere in Kürze nachziehen; fünf bis zehn Prozent würden aufgeschlagen. Hauptgrund seien die hohen Rohstoffpreise nach der ausgesprochen schlechten Getreideernte in diesem Sommer, wie er in seiner Lechhauser Bäckerei unserer Zeitung sagte. Von Andreas Alt

Eine Umfrage bei Backbetrieben in der Region ergibt ein nicht ganz einheitliches Bild. Bei der Landbäckerei Ihle, die sich mit 2700 Mitarbeitern zu einem der zehn größten Backbetriebe Deutschlands zählt, wird jedenfalls seit zwei Wochen spitz gerechnet. Die Mehlvorräte gingen zu Ende, moderate Preiserhöhungen für Brot, Semmeln und Brezen seien nicht auszuschließen, sagt Marketing- und Vertriebsleiter Michael Schaeffer. Möglicher Zeitpunkt für die Erhöhung sei der 1. Oktober.

Mit den Supermärkten wird verhandelt

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Das Thema werde auch bei den Jahresgesprächen mit den Lebensmittelhändlern auf den Tisch kommen, an die Ihle liefert. Wenn höhere Preise durchgesetzt werden könnten, würden sie dort vielleicht nicht an den Endverbraucher weitergegeben. "Aber wir verkaufen nur Backwaren, wir können unser Geschäft nicht auf etwas anderes verlagern", betont Schaeffer.

Der Pferseer Vollwertbäcker Max Schneider hat sich bereits für einen Aufschlag entschieden. So kostet die normale Semmel seit 1. September 30 statt 29 Cent, die Vollkornsemmel 60 statt 58 Cent, wie Anneliese Schneider, Mitglied der Geschäftsführung, erklärt. Bei der Breze ist man lieber bei 50 Cent geblieben, aber die Kunden hätten die höheren Preise akzeptiert, für die ihnen Qualität geboten werde. Schneider verweist auch auf höhere Energiekosten ab 1. Oktober. Das werde ihr Betrieb nicht auffangen können. Seit 2007 seien bei Schneider die Preise stabil geblieben, sagt sie.

Der Inhaber der Bäckerei Gesswein in Haunstetten, Christoph Mayer, will die Preise für seine Backwaren stabil halten, hat aber nach eigener Aussage noch nicht entschieden. Entscheidend seien nicht Mehlpreise, sondern die Personalkosten. Wegen neuer Tarife habe er vor einem Jahr die Preise erhöhen müssen. Letztlich entscheide aber der Kunde durch sein Kaufverhalten, merkt er vielsagend an.

Laut Obermeister Mück zwingen vor allem höhere Rohstoffpreise seine Branche jetzt zum Handeln. Wegen des nassen Sommers sei ein Großteil der Getreideernte unbrauchbar. Außerdem bauten viele Bauern ihr Getreide lieber für Biogasanlagen an. Die Mühlen müssten teuer aus dem Ausland zukaufen. Sein Müller werde den Mehlpreis bis Dezember um 60 Prozent anheben. Dann sinke er zwar erfahrungsgemäß, diesmal aber wohl nicht, weil auch Spekulanten am Getreide verdienen wollten. Personal- und Energiekosten stiegen ebenfalls. "Freiwillig erhöht kein Bäcker gern die Preise", beteuert Mück.

Beim Backen sparen kommt laut Mück nicht infrage. Zwar gebe es Quellmehle, die mehr Wasser aufnehmen, aber dann hätten die Backwaren nicht mehr einen so guten Geschmack, die Kruste sei nicht so rösch. Außerdem sei Teig mit Quellmehl beim handwerklichen Backen nicht so gut zu verarbeiten - dazu brauche man spezielle Maschinen. "Ich habe 90 Prozent Stammkunden, und die wollen am Wochenende hochwertige Backwaren vom Bäcker", betont er.

Die Branche beschäftigt in der Region 20 000 Menschen

Über die höheren Preise werde sich ein Teil der Kunden beschweren, erwartet Mück. Aber sie seien vertretbar, wenn die Qualität erhalten bleibe. Der Obermeister, der für 85 Innungsmitglieder mit rund 20 000 Beschäftigten im Großraum Augsburg spricht, will sich trotzdem stärker als bisher gegen Billigsemmeln aus dem Supermarkt oder der Backstation wehren. "Wir werden verstärkt auf unsere Kunden zugehen und Werbung machen. Es muss klar sein: Beim Bäcker bekomme ich etwas Gutes."

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