Das Personalkarussell am Klinikum dreht sich auf vollen Touren. Erst am vergangenen Freitag hat der Verwaltungsrat die Verpflichtung von Dr. Dirk Richter als hauptamtlichen Medizinischen Direktor beschlossen, am kommenden Freitag muss sich das Gremium mit einer weiteren wichtigen Personalie befassen. Prof. Eckhard Nagel, bislang im Nebenjob Chefarzt des Transplantationszentrums am Klinikum, bricht auf zu neuen Ufern. Der 49-Jährige fängt am 1. September in Essen als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender an der dortigen Uniklinik an. Von Christoph Frey


Am Augsburger Klinikum geht man deshalb davon aus, dass der viel beschäftigte Nagel am Lech seine Zelte abbrechen wird. Der Chirurg ist bislang im Hauptberuf Professor für Medizinmanagement an der Uni in Bayreuth und darüber hinaus vielfältig engagiert. So fungierte das Mitglied des Deutschen Ethikrates auch als Präsident des 2. ökumenischen Kirchentages in München. Die Großveranstaltung mit mehreren hunderttausend Besuchern ging am Sonntag zu Ende. Auch in die hohe Politik hat Nagel beste Verbindungen: Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, ist ein enger Freund.
Zum Bericht vor den Verwaltungsrat zitiert
"In Nagel verlieren wir einen hervorragenden Repräsentanten unseres Klinikums", sagt deshalb Vorstand Alexander Schmidtke. Was der Klinikumschef nicht sagen kann: Über die Leistungen des bundesweit bekannten Mediziners in Augsburg ist hausintern eine erbitterte Debatte entbrannt. Nagel, dessen Verhältnis zu anderen Chefärzten als problematisch gilt, wurde sogar zum Rapport vor den Verwaltungsrat zitiert und musste im Anschluss schriftlich mehrere Fragen beantworten. Ein Vorgehen, das der Professor, seit 2001 als Teilzeit-Chefarzt am Klinikum, nach Informationen unserer Zeitung als "nicht ganz alltäglich" bewertete.
Kernpunkt der Kritik: Nagel sei zu wenig anwesend und operiere selbst zu wenig. Der Gescholtene sieht das anders: Er habe alle mit der Klinikumsleitung vereinbarten Ziele erfüllt und seit März 2001 240 Nierentransplantationen durchgeführt. Mit knapp 40 Organverpflanzungen im Jahr sei das von ihm aufgebaute Transplantationszentrum im Soll, heißt es in den Antworten Nagels an den Verwaltungsrat.
Laut Vertrag muss der Mediziner einen Arbeitstag in der Woche in Augsburg verbringen. Dafür bekommt er nach Informationen unserer Zeitung ein Jahresgehalt von rund 120 000 Euro. Auch das stößt den in Vollzeit beschäftigten Chefarztkollegen sauer auf. Sie verdienen - die Erlöse von Privatpatienten mit eingerechnet - im Schnitt 300 000 Euro im Jahr.
Mit dem Aufstieg Nagels an die Spitze der Essener Uniklinik hat sich die heikle Debatte über die Augsburger Verdienste des bekannten Mediziners erledigt. Was bleibt, ist die Frage nach der Zukunft des Transplantationszentrums. Sie soll am kommenden Freitag im Verwaltungsrat diskutiert werden, wobei für Klinikumschef Schmidtke klar ist, wohin die Reise gehen soll: "Wir müssen den Transplantationsbereich weiterentwickeln." Denn nicht zuletzt gilt dieser Bereich der Hochleistungsmedizin als lukrativ - und Geld benötigt das wirtschaftlich angeschlagene Haus dringend.
Bei dessen Sanierung soll der hauptamtliche Medizinische Direktor eine wichtige Rolle spielen. Dirk Richter steht noch in Diensten der Münchner Sana Kliniken AG. Er ist in dem Unternehmen mit 41 Krankenhäusern für die Verbesserung der Abläufe in Medizin und Pflege verantwortlich. Zudem ist der Chirurg und Gesundheitsökonom Interimsgeschäftsführer der Kliniken des Landkreises Pinneberg.
Dank seines beruflichen Werdegangs bringe sein Stellvertreter alle Voraussetzungen mit, um das Klinikum wirtschaftlich auf Kurs zu bringen, schwärmt Klinikumsvorstand Schmidtke. Richter hatte sich unter 59 Bewerbern durchgesetzt und bildet mit Schmidtke und dem Augsburger Pflegedirektor Johannes Wilhelms die neue Führungsspitze des Großkrankenhauses.
Die Generalsanierung zählt zu den großen Herausforderungen
Richter hat seinen Arbeitsvertrag bereits unterschrieben und soll im Sommer seinen Dienst antreten. Er freue sich auf eine "attraktive Aufgabe", sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Derzeit lebt der 43-jährige Westfale mit Frau und drei Kindern in München. In Augsburg erwartet den neuen Mann unter anderem der komplette Umbau des Großkrankenhauses. Innerhalb von zehn Jahren soll das Klinikum mit Hilfe des Freistaats für bis zu 300 Millionen Euro generalsaniert werden.
Deshalb war Richter gestern schon für seinen neuen Arbeitgeber in München. Dort stellte sein neuer Chef Schmidtke in den Ministerien die ersten Umbaupläne für das Augsburger Klinikum vor.
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