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08. Februar 2010 20:02 Uhr

Prozess in Augsburg

Das brutale Gesicht eines Musterschülers

Er hat Frauen misshandelt, vergewaltigt und erniedrigt: Das Augsburger Landgericht hat einen 25-jährigen "Musterschüler" zu acht Jahren Haft verurteilt. Von Jörg Heinzle

Feature Gericht Prozess

Er hat fünf Frauen misshandelt, vergewaltigt und erniedrigt: Das Augsburger Landgericht hat einen 25-jährigen "Musterschüler" zu acht Jahren Haft verurteilt. Zurück bleibt die Frage: Wie kann es sein, dass ein Mensch innerhalb von Sekunden sein Gesicht wechseln kann?

Polizist zu werden, sagt Serhat H. (25), das sei ein großer Wunsch von ihm gewesen. Doch es ist alles ganz anders gekommen. Am Montag wurde er vom Landgericht zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Serhat H. hat, davon sind die Richter überzeugt, fünf junge Frauen brutal misshandelt.

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Im Urteil ist die Rede von Vergewaltigungen, schweren Körperverletzungen und Freiheitsberaubung. Der 25-Jährige habe ein "Klima der Erniedrigung und Demütigung" geschaffen, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Wiesner.

Es ist ein Fall, der auch nach dem Prozess mehr Fragen als Antworten aufwirft. "Das hier lässt uns extrem ratlos zurück", sagte Staatsanwalt Clemens Albert. "Wie kann es sein, dass ein Mensch innerhalb von Sekunden sein Gesicht so wechseln kann?" Tatsächlich, davon sind die Ermittler überzeugt, hat Serhat H. zwei ganz unterschiedliche Gesichter.

Den höflichen, zuvorkommenden jungen Mann kannten offenbar die meisten in seinem Umfeld - Familie, Freunde, Lehrer und der Arbeitgeber. Als echten "Musterschüler" beschrieb ihn die Kursleiterin eines Azubi-Projekts.

Das zweite, brutale Gesicht des jungen Mannes mussten, so schildert es das Gericht im Urteil, seine Opfer kennenlernen. Fünf Freundinnen von ihm sollen es im Lauf der Jahre gewesen sein, die er schlug, misshandelte und teilweise auch zum Sex zwang.

Vor sieben Jahren soll alles begonnen haben. Seine damalige Freundin, sie war erst 16 Jahre alt, soll er regelmäßig geschlagen haben. Auf insgesamt 15 Seiten schilderte die Anklageschrift dann Demütigungen und Übergriffe auf vier weitere Frauen. Ins Rollen brachte den Fall dann die letzte Freundin, die sich im vergangenen Jahr bei der Polizei meldete.

Er drohte, ihr mit dem Schlüssel ein Auge auszustechen

Am schlimmsten war nach Ansicht der Richter der Übergriff auf eine junge Frau im August 2008. Damals soll Serhat H. seiner Freundin gedroht haben, ihr mit seinem Schlüssel ein Auge auszustechen. Danach zwang er sie zum Sex. Einer weiteren Freundin soll er ein Messer gezeigt und gedroht haben, er schneide ihr die Zunge ab.

Ein anderes Mal soll er sie mit einer Krawatte gewürgt haben. Eine junge Frau schilderte vor Gericht, er habe ihr verboten, Röcke zu tragen. Der 25-Jährige wollte von all dem nichts wissen. Zu "Schubsereien" und Drohungen sei es gekommen, mehr nicht. Seine Ex-Freundinnen wollten sich vielleicht rächen, meinte er.

Eine habe sich selbst geschlagen, als er sich von ihr trennte. Über seinen Verteidiger Florian Engert forderte er deshalb eine Bewährungsstrafe.

Die Richter glaubten dem jungen Mann nicht. Die Erklärungsversuch seien "an den Haaren herbeigezogen", so Richter Wiesner. Dass er im Lauf der Jahre auch Beziehungen geführt habe, in denen es keine Übergriffe gab, beweise nicht seine Unschuld. "Sie haben immer wieder passende Opfer gesucht, gefunden und leider auch ausgenutzt." Jörg Heinzle

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