Dienstag, 17. Oktober 2017

19. Juni 2017 00:31 Uhr

Modular

„Das ist unser Platz, wir gehen hier nicht weg!“

Die Schlaglichter von den Festivaltagen zwei und drei im Wittelsbacher Park zeigen: Musik muss nicht bekannt sein, um bezaubern zu können. Und modisch haben die Jungs ihre Mädels meistens nicht verdient Von Wolfgang Schütz und Sarah Ritschel

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„Modular – das beste Festival der Welt!“ Pål und Axel Vindenes, Sänger der Band Kakkmaddafakka, schreien den Satz am Samstagabend in den Nachthimmel. Hinter ihnen das Gewitter der Scheinwerfer, das immer kommt, wenn Festivalfans kurz vor der Ekstase stehen, meistens aber gleichzeitig eins ankündigt: das Ende. Diesmal auch. Die sechs Norweger sind der letzte Headliner auf der Bühne am Turm. Und nachdem auch der von Tag zwei, die zehnköpfige Hip-Hop-Brass-Kombo Moop Mama, ein Treffer war, vor allem bei den Jüngeren, für die das hier ja hauptsächlich ist, bedeutet das: drei Tage, drei Headliner, drei Treffer. Dass Kakkmaddafakka liefern, darauf ist tatsächlich Verlass – auch wenn die Partytiere kleine Anlaufschwierigkeiten haben und im neuen Material sogar ein bisschen Empfindsamkeit zu hören ist. Moop Mama dagegen hatten die Kids zum Skandieren einer Parole animiert, die beim womöglich ja letzten Modular im Wittelsbacher Park passte wie das stetige Sommerwetter zum Festival: „Das ist unser Platz, wir gehen hier nicht weg.“ Pfiffiger jedenfalls als die Botschaft des Schweizer Liedermachers Faber, der die Kids am Samstag aufruft: „Wählt nicht die AfD!“

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Gesichter werden nachts durch das Licht von Smartphones nicht schöner. Aber immerhin: nur leichte Zusammenstöße von displayfixiert vor sich Hin-Gehenden.

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Auf offenen Laufsteg: ein deutliches Plus an Kurzhaarfrisuren bei den Damen; und im Vergleich zu den jungen Herren, die bei diesen Temperaturen meist gekleidet sind, als kämen sie vom Joggen, tragen jene auch Sommerkleider. Noch schöner anzusehen ist da höchstens die Bassistin der Norweger von Sauropod, die am Samstag auf der Bühne im Park eine erfrischende Wiederbelebung von Nirvana-Grunge bis Pixies-Punk abliefern. Die Gute trägt zum blonden Topfschnitt die Lippen in leuchtendem Rot, passend zu den Blümchen auf dem Jumpsuit, aus dem das Achselhaar so ungezähmt hervorsprießt, dass es keine Überraschung mehr ist, als sie dann im Konzert zur wilden Lucie wird. Mutiges Bühnenoutfit dagegen vom selbstironischen Hip-Hopper Maeckes: ein Kasper im zitronengelben Anzug.

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Wo wir schon bei Geschmacksfragen wären: Was die Mädels von SXTN da am Freitagnachmittag so rüpelrappten, ist so kreativ provokativ, dass man beim Gähnen vor Langeweile fast zu ersticken drohte – bis sie in einem lichten Moment zum Song „Er will Sex“ den Slogan gegen männliche Übergriffigkeit „Nein heißt Nein“ zur Melodie des Gassenhauers „Live is life“ von Opus skandierten. Auch eine Szene für Geschmacksfragen: Junger Mann zollt seinem Alkoholkonsum vornübergebeugt am Zaun Tribut – seine Freundin streicht ihm zärtlich über den Rücken, während sie selbst genüsslich am Bierchen nippt. Und direkt daneben küssen sich zwei, sowas wie ineinandergebeugt.

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Kategorie „Local Heroes“: Endlich Blüte etwa. Über die junge Augsburger Band freute sich kürzlich sogar Thees Uhlmann, Sänger der Band Tomte und damit eins der Gesichter der deutschen Musikszene: „Endlich wieder Schepper-Indie!“ Dem kann sich nur anschließen, wer sie gesehen hat. Natürlich auf der Bühne am Park, wo nämlich die Gitarre noch ein Zuhause hat und damit meist eben das ältere Publikum. Dort spielten drum auch die Fotos mit Heimkehrer Thomas Hessler und dem eigentlich formi-dablen neuen Album „Kids“ im Gepäck. Bloß legten die Herren als meist misslungene Spontanperformance einen locker 25 Minuten zu langen Soundcheck hin, sodass kaum noch jemand da war, um ihnen zuzuhören. Da passte es dann sogar, dass die zweite Bühne dieses Jahr deutlich kleiner ausgefallen ist.

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Geheime Höhepunkte: die Berlinerinnen-Band Gurr mit Garagepop, bei dem man sofort Lust hat, selbst eine Band zu gründen, wenn man schon mal eine Gitarre in der Hand hatte; mit den Augsburgern We Saw Worlds Collide das herzhafteste Metal-Brett dieser drei Tage und ganz viel Talent dabei; mit den Österreichern von Layya die größte sphärische Dichte, mit den Hip-Hop-Ladys von Leila Akinyi die kesseste Performance, mit Laurel das feinste Songwriter-Erlebnis.

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Insgesamt also: spürbar weniger Prominenz im musikalischen Aufgebot, die im größer und damit teurer werdenden Festival-Konkurrenzkampf hier einfach nicht zu finanzieren ist – aber dafür schöne Entdeckungen reichlich. Da war zum Beispiel diese Bassistin …

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