Dienstag, 21. November 2017

15. Oktober 2008 21:35 Uhr

Das nächste Krankenhaus funkt SOS

Krisenstimmung am renommierten Kinderkrankenhaus Josefinum: Gestern machten dort Mitarbeiter Besucher auf die schwierige wirtschaftliche Lage des Hauses aufmerksam. Ebenso wie das große kommunale Klinikum steckt das kirchliche Krankenhaus tief in den roten Zahlen. "Unsere Situation ist vergleichbar", sagt Krankenhausleiter Bernd Lechner. Die Einnahmen halten mit den Ausgaben nicht mehr Schritt, von "einem nicht unerheblichen Defizit im einstelligen Millionenbereich" spricht Lechner. Aufgefangen wird es vom Träger, der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese.

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Um mehr Geld von den Krankenkassen zu bekommen, haben sich deutsche Krankenhäuser auf breiter Front zusammengetan und machen Druck. Das allein aber wird voraussichtlich nicht reichen. Im Klinikum, wo heuer 20 Millionen "Miese" befürchtet werden, sollen sich demnächst Unternehmensberater an die Arbeit machen. Im Josefinum muss man sich laut Lechner für den Wirtschaftsplan 2009 "ganz konkret Gedanken machen, wo man Geld rausschneiden kann." Im Klartext: Stellenkürzungen und die Auslagerung von einzelnen Bereichen drohen.

Doch noch ist es nicht so weit. Gestern verteilten Mitarbeiter im Foyer des Krankenhauses Flugblätter. Ihre Forderung: "Der Deckel muss weg." Seit 1993 zwinge die Politik den Krankenhäusern einen Sparkurs auf, "man muss den Menschen klar machen, was das bedeutet," sagt Klaus Linz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung. Am Josefinum sei die Situation für Pflegende und Gepflegte noch erträglich, "aber wir haben Angst, dass sich die Schraube weiter dreht. Wir dürfen nicht schweigen, wir wollen noch in den Spiegel schauen können," sagt Linz.

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Die Lage von Josefinum und Klinikum ist kein Einzelfall, sondern die Regel: Auch das Personal der Gögginger Hessing-Klinik ging schon auf die Straße. "Die Gesundheitspolitik der Bundesregierung hat die Krankenhäuser an den Rand des Abgrunds gebracht", schimpfte damals Stiftungsdirektor Wolfgang Winkler.

In dieser kritischen Lage versucht das Josefinum, in dem 900 Beschäftigte im Jahr knapp 40 000 Patienten im Jahr versorgen, die Flucht nach vorn. Für 60 Millionen Euro soll das Krankenhaus, das heuer sein 90-jähriges Bestehen feiert, in den kommenden Jahren komplett umgebaut werden. Das soll helfen, die Betriebsabläufe zu verbessern und die Energiekosten zu senken, die in dem betagten Gemäuer galoppierend steigen. Der Plan geht nur auf, wenn die Landespolitik mitspielt: Ohne Hilfe des Freistaats ist das Vorhaben nicht zu schultern.

Auch das dem Orden der Barmherzigen Schwestern gehörende Vincentinum (360 Beschäftigte, 18000 Patienten) investiert in die Zukunft und hat dafür das alte Hauptkrankenhaus von der Stadt erworben, das es teilweise für Krankenhauszwecke nutzen will. Als sogenanntes Belegkrankenhaus, in dem 60 in Augsburg niedergelassene Fachärzte Patienten versorgen, gelingt es dem Vincentinum mit Mühe, die roten Zahlen zu umschiffen. Doch auch für sein Haus stellt Jürgen Schiele, Leiter der Sozialeinrichtungen, die Diagnose: "Die gesetzlichen Einnahmesteigerungen decken bei Weitem nicht den tatsächlichen Anstieg der Personal- und Sachkosten ab."

"Die gesamte Soziallandschaft leidet unter Geldmangel, die Krise der Krankenhäuser ist nur ein Symptom", urteilt Rainer Lojewski. Der Verwaltungsdirektor an der Stadtklinik Diako gibt für sein Haus (220 Beschäftigte), eine Belegklinik wie das Vincentinum, eine ähnliche Diagnose ab: Mit Mühe werde eine schwarze Null erreicht, "aber es darf nichts schief gehen".

Das Diako befindet sich bereits seit Frühjahr mitten im großen Umbau. In den nächsten Jahren wird für 56 Millionen Euro schrittweise ein nagelneues Krankenhaus hingestellt. Laut Lojewski ist das kein Übermut, sondern schiere Notwendigkeit für das kirchliche Krankenhaus mit seiner 150-jährigen Tradition: "Wir müssen, damit wir überleben können."

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Christoph Frey

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