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10. September 2010 06:27 Uhr

Das vergessene Mahnmal

Er wird nicht müde. Immer wieder stöbert Dr. Harald Munding in Archiven, unterhält sich mit Mitgliedern von Organisationen oder Einrichtungen. "Ich bin kein Historiker. Deshalb schaue ich mir geschichtliche Ereignisse auch nicht von der historischen Seite an, sondern aus der menschlichen Perspektive", betont er. Von Miriam Zissler

Der Urologe ist im Leitungsteam der VVN Augsburg, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten. Gedenktafeln und Gedenkstätten sind ihm ein Anliegen. Gerade auf dem Westfriedhof gibt es einige davon. Eine von ihnen wurde vor 60 Jahren, am 11. September 1950, eingeweiht. "Es ist die Gedenkstätte für die auf dem Friedhof ruhenden 235 KZ-Opfer. Viele haben sie schon vollkommen vergessen", sagt er. Jetzt wird am kommenden Sonntag während einer öffentlichen Gedenkstunde, die von der Stadt Augsburg veranstaltet wird, an ihr 60-jähriges Bestehen gedacht.

Eine Mitstreiterin aus dem Frauengeschichtskreis hatte ihn im vergangenen Winter auf die Tafeln am Westfriedhof angesprochen, ihm gesagt, dass da wohl ein Jubiläum anstehen würde. Harald Munding machte sich auf die Suche. Sein erster Weg führte ihn ins Stadtarchiv. Aber Fehlanzeige. Die Unterlagen über die Einrichtung und Einweihung des Ehrenhains fehlten. Munding gab nicht auf und fragte bei der Verwaltung auf dem Westfriedhof nach. "Die wussten ebenfalls nichts", erzählt er.

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Doch keine zwei Stunden später kam der Anruf. Mitarbeiter hätten verstaubte Ordner über die Gedenkstätte auf dem Dachboden gefunden.

Das Denkmal wurde aus Steinen vom Steinbruch des KZ-Flossenbürg (bei Weiden im Oberpfälzer Wald) errichtet. Bereits 1945 wurde dieser Ehrenhain geplant - vormals Ehrenhain für alte Kämpfer. Auf diesen wurden schließlich die an vier Plätzen auf dem Westfriedhof begrabenen Opfer - meist aus den Messerschmittlagern - umgebettet. "Viele Opfer haben einen Namen, aber kein Gesicht. Wir kennen ihre Geschichte nicht", so Munding.

Auf der Homepage des VVN-Kreisverbands Augsburg wurden alle Opfer aufgelistet. Darunter waren Sozialisten, Kommunisten, Gewerkschaftler, Anarchisten, Katholiken, Protestanten, Zeugen Jehovas, Arbeiter, Akademiker, Offiziere, Juden, Sinti und Roma sowie Homosexuelle.

"Aus ihren Briefen und Gesprächen mit den Hinterbliebenen wissen wir, dass sie sich an die Hoffnung geklammert haben, dass ihr Opfer nicht umsonst sein würde", so Munding. Er und die VVN wollen die Erinnerung wach halten.

Bereits nach dem Krieg hatte sich Herr Hitzler aus der KZ-Betreuungsstelle Augsburg für diesen Ehrenhain starkgemacht. Im Juli 1947 schrieb er einen eindringlichen Brief an das Augsburger Straßenverkehrsamt. Weil Treibstoff fehlte, kam es zu Verzögerungen bei der Umbettung der KZ-Opfer. "Es mag sein, dass andere Verwendungszwecke des vorhandenen Treibstoffs den Schein weit größerer Dringlichkeit für sich haben, doch dürfen wir einer solchen Auffassung entgegenhalten, dass der Anspruch der Toten, wohlgemerkt dieser Toten, auf die endliche Erstellung einer ihrer würdigen Ehrengrabstätte trotz den seit Kriegsende verstrichenen zwei Jahren ein eminent lebendiger ist, ja, dass er zu Unehren der Lebenden - an Gültigkeit wächst je mehr er von diesen vernachlässigt, verkannt oder gar geflissentlich gering geachtet wird", schrieb Hitzler.

Am Sonntag, 12. September, 11 Uhr, möchte jetzt die Stadt Augsburg mit der Gedenkstunde ein Zeichen setzen. Man wolle dazu beitragen, jeden Versuch abzuwehren der Demokratie, Toleranz und Menschenwürde als Grundlage unserer Gesellschaft infrage stellt.

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