Die Hupe dröhnt ohrenbetäubend laut durch die Gänge eines Augsburger Unternehmens, aber niemand scheint sich darum zu kümmern. Alle Bürotüren bleiben zu, dabei müssten alle Mitarbeiter jetzt das Gebäude verlassen und zum Sammelpunkt gehen. Feueralarm! Doch stattdessen wird weitergearbeitet, selbst als die Feuerwehr mit dem Löschzug anrückt. Von Stefan Krog
Auf dieses Szenario trifft die Feuerwehr seit etwa einem Jahr immer häufiger. In Schulen und manchen Firmen läuft die Evakuierung sehr gut, in anderen funktioniert sie überhaupt nicht mehr. "Die Leute wollen nicht raus, gerade nicht im Winter oder bei schlechtem Wetter", beobachtet Feuerwehrsprecher Friedhelm Bechtel, selbst regelmäßig im Einsatz. Mitunter müssen sich die Feuerwehrler sogar beschimpfen lassen.
Einmal wäre es bei einer laufenden Veranstaltung in einer Halle beinahe zu Handgreiflichkeiten gekommen, weil die Feuerwehr auf einer Räumung bestand, bis die Ursache für den Alarm feststand - in diesem Fall waren es nur angebrannte Speisen. "Aber das weiß zunächst niemand. Man muss bei einem Alarm zunächst davon ausgehen, dass Menschen in Gefahr sind", so Bechtel.
Drei oder vier Leute könne man auch aus einem verrauchten Stockwerk mit Drehleiter schaffen, aber nicht die ganze Belegschaft einer Büroetage. "Das kann schnell gefährlich werden", so Bechtel.
Dass Mitarbeiter in manchen Firmen beim Klang der Sirene nur noch müde mit den Schultern zucken, ist andererseits nicht verwunderlich. Zeitweise gibt es Unternehmen, zu denen die Feuerwehr fast wöchentlich ausrückt, weil die Brandmeldeanlage ohne Ursache Laut gibt. Und auch die regelmäßigen Brandschutzwochen mit Übungen haben zu einer Gewöhnung beigetragen.
Etwa 300 automatische Brandmeldeanlagen gibt es in Augsburg. Diese sind nicht zu verwechseln mit Rauchmeldern in Privatwohnungen, die bei Qualm einen schrillen Ton von sich geben. Die Brandmeldeanlagen, in großen Gebäuden ab einer gewissen Quadratmeterzahl Vorschrift, sind per Telefon mit der Feuerwehr verbunden und geben zusätzlich zur Sirene vor Ort in der Leitstelle ihren Alarm ab. Ausnahmen sind Kaufhäuser und Altenheime, in denen die Alarmierung vor Ort zunächst still abläuft, um eine Massenpanik zu vermeiden.
250 Fehlalarme im Jahr
Wenn man einen Löschzug mit Blaulicht auf der Straße fahren sieht, sind die Chancen, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, relativ groß. Etwa 80 Prozent aller automatisch ausgelösten Brandmeldealarme sind Fehlmeldungen. Absolut sind das etwa 250 Fehlalarme pro Jahr. Diese Probleme sind von den Firmen aber häufig hausgemacht. Mal werden die falschen Feuermelder eingesetzt, mal sind sie nicht ausreichend gewartet. Inzwischen verlangt die Feuerwehr 500 Euro fürs Ausrücken bei einem Fehlalarm. "Seitdem wird besser gewartet. Die Zahl der Fehlalarme ist jedenfalls deutlich zurückgegangen", so Bechtel.
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