Normalerweise kommen das Theater Augsburg und die freien Bühnen in der Fuggerstadt ganz gut miteinander aus. Doch ein Blick in den neuen Spielplan des städtischen Hauses ließ im Chef des S’ensemble-Theaters, Sebastian Seidel, Zorn aufsteigen. Denn das große Theater will zur Weihnachtszeit ebenfalls das Stück „Der Messias“ von Patrick Barlow inszenieren – Seidels erfolgreichste Produktion, die seit zehn Jahren vor stets ausverkauftem S’ensemble gegeben wird. „Das kann ich nur als direkten Angriff auf mein Theater interpretieren“, schrieb Seidel wutentbrannt an Schauspieldirektor Markus Trabusch. Und in Kopie auch gleich an Kulturreferent Peter Grab, Kulturamtsleiter Thomas Weitzel und an die Augsburger Presse.
Im Theater gab es erst einmal betretenes Schweigen und tags darauf die schmallippige Erklärung: „Wir müssen den Sachverhalt prüfen und werden eine Lösung finden.“ An einem öffentlich ausgetragenen Streit hat Schauspieldirektor Trabusch offensichtlich kein Interesse. Theatersprecher Philipp Peters schob noch nach: „Es gibt überhaupt keine Überlegungen, dem S’ensemble-Theater zu schaden. Wir haben das S’ensemble doch auch bei den Bayerischen Theatertagen bei uns dabei.“ Man sehe Seidels Bühne nicht als Konkurrenz an, erklärte Peters.
Umgekehrt schon. „Das ist nicht irgendein Stück!“, empörte sich Seidel. „Wir spielen den ,Messias‘ seit 2002 und feiern im Dezember das zehnjährige Jubiläum der Inszenierung. 2011 waren wir sechs Mal ausverkauft.“ Der Chef des S’ensemble sieht schon wieder „enorme Verwirrung“ heraufziehen – wie vor zwei Jahren, als das Parktheater Göggingen den „Messias“ als Tourneeproduktion im Programm hatte. Nicht wenige Zuschauer seien damals irritiert gewesen, wo denn nun welche Inszenierung zu sehen sei. Heuer werde es dann wohl heißen: Was, ihr spielt jetzt im Stadttheater?
Ob es überhaupt dazu kommt, ist allerdings noch unklar. Sebastian Seidel hatte sich umgehend beim Rowohlt Theaterverlag nach den Aufführungsrechten erkundigt. Dort habe man ihm mitgeteilt, das Theater Augsburg habe die Rechte nicht – und kriege sie auch nicht.