Die Datenschützer kämpfen gegen einen Feind, der oft unsichtbar ist. Es geht um Datenklau und damit um Wettbewerbsvorteile und Insiderwissen. Opfer von Wirtschaftsspionage wissen oft gar nicht, dass sie eins wurden. Wir sprachen Michael Georg, Experte vom Landesamt für Verfassungsschutz
Woran erkennt man denn einen Wirtschaftsspion?
George: An äußeren Merkmalen lässt sich leider kein Spion oder illoyaler Mitarbeiter erkennen. Das Bild von James Bond trifft leider auch nicht zu. Die sensibleren Infos finden man eher knöcheltief in der Mülltonne einer Firma als mit einem Wodka-Martini in der Hand.
Mit welchen Tricks wird gearbeitet?
George: Der Faktor Mensch wird gerne unterschätzt. Emails geraten an den falschen Empfänger, gedruckte Dokumente werden vergessen, in der Kneipe nebenan wird über die neueste Entwicklung geredet. Und es wird schon gerne einmal ein Schlüsselbund mit einem USB-Stick neben einem Messestand oder einer Firma "verloren". Wird dieser dann aus Neugier in den firmeneigenen Rechner gesteckt, ist es häufig schon zu spät und versteckte Schadprogramme werden aktiv.
Wissen die Firmen um die Gefahr?
George: Viele unterschätzen die Gefahr. Dabei werden gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten die Bandagen härter. Es gibt auch Staaten wie China und Russland, bei denen man von staatlich gelenkter Informationsbeschaffung sprechen kann.
Wie sieht die Entwicklung aus?
George: Gerade die technische Entwicklung bereitet uns Sorgen. War es früher nur mit großen Aufwand wie etwa einem Einbruch möglich, an einen Firmencomputer zu gelangen, ist dies heute durch die Nutzung von sogenannten Trojanern, die beispielsweise im Anhang einer Email versteckt sind, mühelos und aus sicherer Entfernung möglich. Das heißt, der Ganove liegt möglicherweise irgendwo am Strand mit einem Schirmchengetränk und Laptop und führt von dort aus seine Angriffe durch.
Wie groß ist denn der Schaden?
George: Firmen wissen oft gar nicht, dass sie Opfer eines Angriffes sind. Im Einzelfall kann der Schaden gleich mehrere Millionen Euro hoch sein.
Welche Branchen sind betroffen?
George: Branchen, die sich durch Ideenreichtum, Innovation, Wissensvorsprung und schnelles Umsetzen von Ideen in Lösungen auszeichen. Gerade Bayern als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie und Forschungseinrichtungen von Weltklasse weckt naturgemäß Begehrlichkeiten Dritter.
Trifft es nur große Firmen?
George: In neun von zehn Fällen sind klein- und mittelständische Unternehmen von Angriffen betroffen. Allerdings haben sie entgegen der Konzerne nur selten einen eigenen Sicherheitsbereich, der für den Schutz von Know-how-how zuständig ist. Das wissen die anderen.
Wie helfen Sie?
George: Vom Beratungsgespräch über Veranstaltung in Unternehmen bis hin zur Verdachtsfallbearbeitung. Da wir keine Strafverfolgungsbehörde sondern ein Nachrichtendienst sind, können wir auf Wunsch Vertraulichkeit garantieren. Interview: Thomas Faulhaber
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