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23. November 2011 11:30 Uhr

Transplantationszentrum Augsburg

Der Wettlauf mit dem Tod

Das Transplantationszentrum am Klinikum Augsburg feiert zehnjähriges Jubiläum. Händeringend werden Spender gesucht: 150 nierenkranke Patienten stehen auf der Warteliste. Von Peter K. Köhler

150 Patienten müssen derzeit wöchentlich ins Klinikum zur Blutwäsche (Dialyse). Sie warten auf ein Spenderorgan. Manchmal vergeblich.
Foto: Frank May dpa/ihe

„Wir brauchen die Entscheidungspflicht für oder gegen Organspende, sie ist jedem Menschen zumutbar!“ Bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Transplantationszentrums am Klinikum appellierte Prof. Eckhard Nagel, früher Leiter des Zentrums und Mitglied des nationalen Ethikrates, eindrücklich an die Bonner Politiker, in der anstehenden Neufassung des Transplantationsgesetzes eine Regelung zu beschließen, die den dramatischen Mangel an Spenderorganen entschärft.

Bayerns neuer Gesundheitsminister Marcel Huber versprach, dass sich die Staatsregierung für die sogenannte Widerspruchsregelung einsetzen werde, bei der jeder Bürger erklären muss, ob ihm nach seinem Tod Organe zur Transplantation entnommen werden dürfen.

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Seit 2001 erhielten über 350 schwerstkranke Menschen am Transplantationszentrum des Klinikums eine neue Niere, viele von ihnen kamen zu der Feier im Augustanasaal. Doch die Warteliste ist sehr lang: Etwa 150 nierenkranke Patienten warten auf ein Spenderorgan. Sie müssen jede Woche mehrmals zur Blutwäsche (Dialyse), doch einige von ihnen werden sterben, ehe die lebensrettende Operation durchgeführt werden kann. Denn die Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – sehr gering.

Dabei geht das Klinikum selbst mit gutem Beispiel voran, berichtet Dr. Dipl.-Biol. Thomas Breidenbach von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Region Bayern und ehemals Mitarbeiter des Transplantationszentrums. Jedes Jahr melden sie der Stiftung bis zu 15 Patienten, deren Angehörige mit einer Organspende einverstanden sind. Dies sei ein Spitzenwert in Bayern.

Auch Minister Huber lobte das Klinikum für seine Bemühungen um Organspenden. Er kündigte an, dass alle Krankenhäuser im Freistaat verpflichtet werden, qualifizierte Ärzte als Transplantationsbeauftragte einzusetzen, die geeignete Spender ausfindig machen und bei den Angehörigen die Zustimmung einholen, dass nach dem Tod des Patienten Organe entnommen werden dürfen.

Oberbürgermeister Kurt Gribl könnte Spender werden. Er erzählte, dass er seit dem Besuch einer Veranstaltung nierenkranker Patienten im April einen Organspenderausweis bei sich trage. Organspender ermöglichen es Menschen sogar nach ihrem Tod, anderen ein besonderes Geschenk zu machen: ein neues Leben.

Trotzdem herrscht ein dramatischer Mangel an Organen von Spendern, die verstorben sind. Deswegen transplantiert das Klinikum immer öfter auch Nieren von lebenden Spendern. „Wir streben an, die Zahl der Lebendspenden auf bis zu 30 Prozent der Transplantationen zu steigern“, sagte Prof. Matthias Anthuber, der chirurgische Leiter des Zentrums. Dies sei heute besonders schonend für den Spender, da die Niere bei einer Schlüsselloch-Operation entnommen werde. In den vergangenen Monaten seien bereits zwei dieser Eingriffe durchgeführt worden.

Im Gegensatz zu früher kommen für Lebendspenden seit einigen Monaten auch Angehörige – nur sie dürfen aus ethischen Gründen eine Niere zur Verfügung stellen – infrage, deren Blutgruppe nicht mit der des Empfängers übereinstimmt. Dank neuer Medikamente könne man auch in diesen Fällen verhindern, dass die Immunabwehr des Empfängers das gespendete Organ abstoße, so Priv.-Doz. Dr. Horst Weihprecht, der internistische Leiter des Transplantationszentrums. Auch dank der medizinischen Fortschritte in Chirurgie und Immunologie hoffen die Ärzte, die Zahl der Transplantationen von derzeit etwa 35 deutlich zu steigern.

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