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30. Dezember 2009 22:20 Uhr

Der Zoo muss alle seine Tiere zählen

Zoochefin Barbara Jantschke will es genau wissen. Vor ihr steht eine Küchenwaage. Darauf sitzt eine kleine exotische Echse. Die australische Bartagame namens Flavor soll gewogen und vermessen werden. Aber Flavor hat leider wenig Verständnis für diese Aktion. Er stützt seinen langen Schwanz unzulässig auf dem Tisch ab. Sein Gewicht schwankt auf der Anzeige hin und her. Mal wiegt er 290 Gramm, mal 300 Gramm. Man muss gut aufpassen, um den richtigen Wert zu ermitteln. Von Eva Maria

Zum Jahreswechsel läuft im Zoo die große Inventur. Das Zählen ist kein Selbstzweck. Eine EU-Richtlinie schreibe den Tiergärten vor, ihre Bestandszahlen einmal im Jahr zu melden, sagt Jantschke. In Augsburg wird die Liste Ende Januar an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt gehen. Bis es so weit ist, ist die Volkszählung der Tiere eine aufwendige Angelegenheit.

Rund vier Wochen brauchen die Tierpfleger, bis sie alle Bestandslisten aktualisiert haben. Denn einige der über 1500 Tiere werden nicht nur gezählt. Sie werden nebenbei auch gewogen und vermessen - so wie Flavor, der mit drei Jahren noch eine junge Bartagame ist. "Die Zahlen bestätigen unseren Eindruck, dass er gut wächst", sagt Tierpflegerin Kathleen Arndt, "wenn alles gut geht, wird er mal doppelt so groß und doppelt so schwer."

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Löwen und Elefanten für die Statistik zu erfassen, ist nicht schwer. Jantschke und ihre Mannschaft müssen sich bei der Inventur mit ganz anderen Problemen herumplagen. Zum Beispiel mit den Kamerun-Schafen. Ein Blick in die Anlage genügt. Dann weiß man, Laien haben keine Chance, die Tiere voneinander zu unterscheiden. Beim Addieren müsste man schnell aufgeben, wenn alle Schafe wild durcheinanderlaufen. Aber auch die Experten tun sich manchmal schwer, die exakte Größe der Herde zu bestimmen. "Da kommen sehr viele Jungtiere auf einmal auf die Welt", sagt Jantschke. Außerdem liegt der Nachwuchs oft versteckt im Gehege. So kommen bei der Zählung unterm Jahr und bei der Inventur meistens unterschiedliche Ergebnisse heraus.

Tiere treten eben nicht zum Appell an. Im Gegenteil. Die winzigen Kurzkopf-Gleitbeutler aus Neuguinea sind nachtaktiv. Tagsüber schlafen die fliegenden Säugetiere irgendwo zwischen Zweigen. "Die muss man erst mal finden", sagt Jantschke. Auch die Landschildkröten aus Europa und Asien wären pünktlich zur Inventur nicht auffindbar, wenn man nicht vorsorgen würde. Sie gehen schon im November in den Winterschlaf und vergraben sich in der Erde. Wieder anders sind die Zählprobleme bei den Vögeln. Bei den Zoostörchen nisten sich im Winter gerne wilde Artgenossen ein, die sich durchfüttern lassen. Deshalb ist die Population plötzlich größer, als sie eigentlich sein dürfte.

Die Veränderung spiegelt sich in den Listen wider

Der Zoo lebt von Veränderung. Und sie spiegelt sich in den Inventurlisten wider. Im Laufe des Jahres werden neue Tiere geboren, andere sterben oder werden an auswärtige Tiergärten abgegeben.

Barbara Jantschke legt auch großen Wert darauf, Abwechslung fürs Publikum zu bieten. Fürs neue Jahr gibt es schon viele Pläne. 2010 sollen die Affen im Mittelpunkt stehen. Als neue Art in Augsburg werden Kapuzineraffen aus Südamerika zu sehen sein. Und dann sollen bis zum Frühjahr auch noch die Kattas eintreffen. Besucher kommen mit den Lemuren aus Madagaskar ganz nah in Kontakt. "Wir werden das einzige begehbare Affengehege in Bayern haben", freut sich die Zoochefin schon auf die neue Attraktion.

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