Fast auf den Tag genau zwei Monate nach dem Mord an dem Polizisten Mathias Vieth (41) ist den Ermittlern der Durchbruch gelungen. Die Brüder Rudi R. (56) und Raimund M. (58) sitzen in Untersuchungshaft. Wenn die Verdächtigen die Täter waren, worauf vieles hindeutet, erscheinen manche der Geschehnisse in einem anderen Licht als bisher. Wir fassen den Tatablauf und die Ermittlungen zusammen.
Der Anfang
In der Nacht auf Freitag, den 28. Oktober, um 2.49 Uhr melden Mathias Vieth und seine Kollegin per Funk der Einsatzzentrale, dass sie ein Motorrad verfolgen. Sie wollten es kontrollieren, nachdem es ihnen auf dem südlichen Kuhseeparkplatz aufgefallen war. Daraufhin steigen zwei Männer auf das Motorrad und flüchten. Die Polizei veröffentlicht eine Personenbeschreibung: Darin geht sie von zwei jüngeren Männern aus, wobei die überlebende Beamtin, die die Beschreibung abgab, die Gesichter nicht sah. Auch der Kleidungsstil, etwa eine Cargo-Hose, spricht eher für jüngere Männer.
Die Verfolgung
Am nahen Hochablass rast das Motorrad über die Brücke, die nur für Fußgänger freigegeben ist. Die Beamten fahren mit dem Streifenwagen hinterher. Die Polizei vermutet von Anfang an, dass die Täter Ortskenntnis hatten, weil sie den Fluchtweg über den Hochablass wählten.
Der Tatort
Auf einem Weg im Siebentischwald stürzen die Motorradfahrer. Die Polizisten kommen hinzu. Mathias Vieth steigt aus dem Streifenwagen. Daraufhin eröffnen die Täter das Feuer. Erst wird Vieth von einer Pistolenkugel getroffen. Die Schussweste hält das Projektil ab. Dann folgen weitere Schüsse aus einem Schnellfeuergewehr. Sie treffen Vieth tödlich. Er wird nach Erkenntnissen der Ermittler aus fünf bis zehn Metern Abstand regelrecht hingerichtet. Vieth und seine Kollegin feuerten noch in die Dunkelheit zurück, trafen die Täter aber nicht. Angesichts der Brutalität geht die Polizei von Schwerkriminellen aus, auch der Verdacht auf einen Zusammenhang mit der Russen-Mafia kommt auf. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass einer der Beschuldigten Waffen sammelte. 20 Stück, darunter Maschinenpistolen.
Die Tasche
Die Täter haben eine schwarze Tasche dabei, die ihnen so wichtig ist, dass sie wegen ihr noch einmal umkehren. Inzwischen hat die Polizei bei den Durchsuchungen eine Tasche gefunden, die passen könnte – allerdings war sie leer.
Die Suchaktion
Als die Einsatzzentrale in der Tatnacht um 2.53 Uhr die Schüsse mitgeteilt bekommt, setzt sie eine der größten Suchaktionen in der Augsburger Polizeigeschichte in Gang. Die Ausgänge des Waldes werden blockiert. Spezialkräfte mit Maschinenpistolen durchkämmen das Areal. Auch Hunde werden eingesetzt – ohne Ergebnis.
Die Flucht
Dass die Suchhunde nicht anschlagen, könnte daran liegen, dass die Täter durch den Lech unterhalb des Hochablasses wateten und so wieder ans Ostufer kamen. Der Lech führt vor zwei Monaten kaum Wasser. Tage nach der Tat gibt es groß angelegte Suchaktionen am Lechufer. Auch am Bahndamm in Hochzoll sucht die Polizei. Im Nachhinein könnte dies eine heiße Spur gewesen sein. Einer der Verdächtigen wohnt in Friedberg nahe dem Bahndamm. Auch die durchsuchte Scheune befindet sich in der Nähe, ebenso der Tennisclub, in dem einer der Verdächtigen jahrelang als Platzwart aktiv war. Nach der Festnahme ergibt eine Untersuchung, dass die Männer nicht verletzt sind. Die Kripo hatte zunächst nicht ausgeschlossen, dass auch die Täter verwundet worden sein könnten.
Die Ermittlungen
Am Nachmittag nach der Tat tritt eine Sonderkommission zusammen. Zeitweise arbeiten mehr als 50 Beamte mit. Mehr als 700 Hinweise aus der Bevölkerung gehen ein, die Polizei arbeitet selbst mehr als 850 Spuren ab. Die Beamten fällen einem Baum, um an Projektile heranzukommen, ein 3-D-Scanner tastet den Tatort ab. Am Ende werden 100000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Festnahme der Täter führen.
Die Trauer
Die Anteilnahme ist groß. Kerzen werden am Tatort und vor dem Präsidium aufgestellt. Am 3. November wird Mathias Vieth auf dem Königsbrunner Friedhof begraben. Neben seiner Witwe und seinen zwei Söhnen (13 und 17 Jahre) geben ihm 300 Trauergäste das letzte Geleit. Fast die ganze Belegschaft seiner Dienststelle, der Inspektion Süd, kommt. Am 7. November gibt es im Dom einen Trauergottesdienst. 1900 Menschen kommen. Möglicherweise, so Justizministerin Beate Merk, helfe der Fahndungserfolg Vieths Familie und den Kollegen bei der Bewältigung der Tat. Die Mörder hätten nun ein Gesicht bekommen.