Giftige Kreuzottern kann man jetzt ohne Herzklopfen ganz aus der Nähe beobachten. Im Zoo wurde gestern ein neues Gehege für heimische Schlangen eröffnet. Laut Zoochefin Barbara Jantschke ist es deutschlandweit einmalig. "Es gibt keine vergleichbare Anlage", sagt sie.
Kreuzottern, Ringelnattern und Schlingnattern sind zwar alle heimische Schlangenarten. In der freien Natur bekommt man die scheuen Tiere aber selten zu Gesicht. Im Zoo tummeln sich die Reptilien in einer inszenierten Flusslandschaft hinter Glaswänden: Kieselsteine, kleine Kiefernbüsche und Wasser erinnern an die Lechufer in Augsburg - ihren natürlichen Lebensraum.
Für Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) ist die neue Schlangenanlage ein wichtiges Projekt, um die Bevölkerung zum Thema Artenvielfalt zu informieren. Er zitierte gestern eine Studie des Bundesumweltministeriums. Danach glauben 85 Prozent der Deutschen, das Artensterben in der Natur sei nur in Entwicklungsländern ein großes Problem. Fakt sei jedoch, so Schaal weiter, dass die Hälfte der 16 000 bayerischen Tierarten in ihrem Bestand gefährdet sei. Gerade der Augsburger Stadtwald gelte aber noch als Arche Noah für Arten am bayerischen Lech.
Das neue Schlangengehege wurde vom Zoo zusammen mit der städtischen Umweltstation eingerichtet. Kosten: rund 20 000 Euro. Fördermittel kamen vom Bayerischen Umweltministerium. Ziel ist, bei Menschen mehr Verständnis für diese Tiere zu wecken. Anstatt sich zu fürchten, können Besucher in aller Ruhe beobachten, wie elegant sich Schlingnattern über den steinigen Untergrund ringeln.
"Alle sechs Wochen sieht man, wie Schlangen sich häuten und glänzend aus ihrer alten Hülle schlüpfen", sagt Experte Peter Dürr. Von ihm stammen die Tiere. Laut Dürr ist der Biss einer Kreuzotter normalerweise nicht tödlich. Der letzte Todesfall sei aus den 50er Jahren im Erzgebirge bekannt. Damals sei die ältere Frau nicht am Gift, sondern vor Schreck gestorben. (eva)
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