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04. Mai 2010 05:21 Uhr

Die Kunst geht über Brücken

Der 2009 abgeschlossene Brückenbau über die mitten durch Wertingen fließende Zusam hat mit seinem Wellenschlag auch die Kunst erfasst. Brücken, überbrücken, über Brücken musst du gehn ... Die Assoziationen liegen auf der Hand, und so überschrieb man das Thema der seit 1985 zum 16. Mal ausgetragenen Jahresausstellung "Kunst im Schloss" mit "Überbrücken". Bayernweit haben sich 112 Künstlerinnen und Künstler beworben, 28 ließ die Jury zu. Sie zeigen in der Städtischen Galerie und im Schloss ein sehenswertes Spektrum aus über 80 Werken (Organisation: Martha Binswanger). Von Günter Ott

Die Kunst geht über Brücken
Foto: ALFA

Vorbei die Zeiten, da Künstler wie Monet, Emil Bernard und van Gogh staunend vor den Eisenbahnbrücken standen und triumphale Dampfwolken in den Himmel malten. Heutzutage fällt der Blick unter die Brücke, auf Graffitis, auf das "Treibgut" der Obdachlosen (in den kolorierten Bromsilberemulsionen von Ruth Mahlas, München). Während Christoph Drexler (München) die Brücke in Öl auf Karton malerisch plan ins kleine Format rückt, inszeniert Thomas Rauh (Altenthann) in seinen verwischten Farbfotos die Dynamik der Autofahrer von heute, an denen die Welt nur vorbeifliegt. Rauhs "Brücke Frankfurt" (Lochkamera auf Bütten auf Alu) gleicht einem pointillistisch sich auflösenden Lichtpanoroma.

Farbbänder und Fingerbogen

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Das alle und alles verbindende, insoweit schon wieder unverbindliche Wort "Überbrücken" lässt sich auch in abstrakten Farbbänder-Verschlingungen umsetzen (Susanne Brandenburger, München), in verschwebenden fotografischen Zeichen von Vogelzügen, Masten oder Torbögen (Monika Meinhart, Stegaurach), oder in einer Terrakotta der Augsburgerin Ingeborg Prein, in der sich zwei Armstümpfe zum tastenden Fingerbogen schließen.

Verbindung, Trennung: Hier stößt man auch auf arg schematische Lösungen (Helga Coning, Mering; Rainer Kurka, Bamberg; Irmi Obermeyer, Haldenwang; Jürgen Hochmuth, Rimpar).

Der erste Preis der Stadt Wertingen wurde dem in Fürth lebenden Japanaer Kunihiko Kato zugesprochen - für seinen sechsteiligen, in Auf- und Untersicht überraschend gegensätzlichen Brückenschlag aus Granit, oben grob behauen, unten eine Art Tropfsteinhöhle. Weiterer Preisträger der Stadt Wertingen ist Pit Kinzer (Markt Rettenbach). Seine in Schanghai entstandenen Fotoarbeiten auf Aludibond operieren mit Verwischung und roter Fläche als Blicksperre und zehren von einer in der Kunst eingeführten Strategie: Bildentzug in der Bilderflut. (Ein technisch anders gelöstes Beispiel dafür sind die Acrylarbeiten von Peter Schoppel, Gundelsheim.)

Chaos im Vogelkasten

Auch die Gemeinde Buttenwiesen vergab einen Kunstpreis: Der Schweinfurter Selcuk Dizlek überzeugt in einem abgedunkelten Raum weniger durch seine wandfüllende, etwas zufällige Folge von Leuchtstäben und Neonschnüren als durch seinen transparenten "Vogelkasten" mit zusammengestürztem Innengestänge und durch seine konzentrierten Lightmobiles aus verschraubtem Kunststoff.

Was sich noch einprägt? Angelika Böhm-Silberhorns (Utting) pastose Malerei ("Stegbau I"); Johannes Martin Bauers (Dillingen) Verästelungen aus Gitter und Wachs, in denen Distanz und Anschluss übereinkommen; ferner Kombinationen aus Holz und Eisen (Dierk Berthel, Rannungen); im Fürstensaal des Schlosses schließlich die in Format und Schattenwurf trefflich korrespondierenden C-Prints von Esther Hagenmaier (Neu-Ulm), vor allem Wolfgang Schenks (Welden-Reutern) Bodenarbeit aus drei grob behauenen Birkenhölzern mit Figurnägeln, die das Auf und Ab bzw. den gegenläufigen Wellenschlag des Lebens nachhaltig mitteilen.

Vor dem Schloss hat Peter Mayer (Nürnberg) ein Stück Stahlbrücke auf Räder gesetzt und mit Deichsel versehen: So kommt die Zugbrücke zu wörtlichen wie dadaistischen Ehren.

Ausstellungsdauer in Wertingen bis zum 16. Mai; geöffnet Montag bis Donnerstag 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Freitag 8 bis 12 sowie Sonntag 14 bis 17 Uhr. Eine kleine Broschüre mit Künstlerverzeichnis liegt auf.

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