Wer rein wollte, musste sich ausweisen können und auch Vertreter der Medien waren unerwünscht. Hinter verschlossenen Türen fand die Mitgliederversammlung der alt-augsburggesellschaft am Dienstagabend im Schaezlerpalais statt. Der angesehene Verein, der sich die Denkmalspflege auf die Fahnen geschrieben hat und durch die Dauerfehde um die Außentreppe für den Fünfingerlesturm in die Kritik geraten ist, zog - wie schon im vergangenen Jahr - die Zugbrücken hoch. Von Christoph Frey
Einen Gefallen tut sich die Gesellschaft nach Ansicht ihres Mitglieds Hans Frei damit nicht. "Der Ausschluss der Öffentlichkeit fördert auf keinen Fall die Glaubwürdigkeit des Vereins", kritisiert der frühere Bezirksheimatpfleger, der zu den bekennenden Gegnern der Außentreppe gehört, die derzeit halb fertig am Turm steht. Wenn es nach der Vorsitzenden Anne Voit geht, ist der Treppenstreit innerhalb der alt-augsburggesellschaft zu den Akten gelegt.
Nur "ein paar unbequeme Fragen" habe es bei der Versammlung gegeben, sagte Voit gegenüber unserer Zeitung. Der Verein, der im September sein 50-jähriges Bestehen feiert, wolle die umstrittene Außentreppe nach wie vor errichten. Ob er darf, müssen - trotz der bisherigen juristischen Etappensiege gegen die Stadt - die Gerichte entscheiden. Der Zeitpunkt? "Ich weiß es nicht," sagt Voit. Für einen Kompromiss mit der Stadt sieht sie "nicht mehr viel Spielraum".
Voit sieht sich in ihrem Kampf für die Treppe durch den Burgenforscher Dr. Joachim Zeune gestärkt, der am Dienstagabend vor den rund 30 erschienenen (von 300) Mitgliedern referierte. Zeune habe betont, der Turm habe sein jetziges Erscheinungsbild erst im 20. Jahrhundert erhalten und sei nur durch eine Treppe von außen richtig zu erschließen.
"Es gibt keine Innentreppenlösung", sagt Voit. "Aber es kommt auf die Gestaltung an", hält Kritiker Frei dagegen. Das freilich verfängt bei der Vorsitzenden nicht, deren Sohn die umstrittene Treppe entworfen hat: "Über Fragen des persönlichen Geschmacks kann man nicht diskutieren." Diskussionswürdig ist nach Ansicht von Frei dagegen eine Satzungsänderung. Künftig reicht eine Entscheidung des Vorstands mit Zwei-Drittel-Mehrheit, um Mitglieder wegen vereinsschädigenden Verhaltens auszuschließen. "Jetzt kann man Leute wie mich rauswerfen," fürchtet Frei. Die Vorsitzende Voit bezeichnet die Satzungsänderung dagegen als "normalen Vorgang".
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