Nur ein einziges Mal sind sich der Komponist Robert Schumann und der Dichter Heinrich Heine begegnet. Doch oft genügt im Leben zweier Menschen wenig Zeit, um Wesensverwandtschaft zu spüren. Ob dies so auch im Mai 1828 in München gewesen ist, als sich Schumann und Heine zu einem Spaziergang an der Isar trafen, wissen wir nicht. Als Robert Schumann 1840 versuchte, noch einmal mit Heine Kontakt aufzunehmen, erhielt er keine Antwort mehr.
Und dennoch: In dem Liederzyklus "Dichterliebe" scheinen Heines Worte und Schumanns Noten, wie in einem Testament festgeschrieben zu sein. Am Ende begraben Dichter und Komponist "die alten, bösen Lieder" - was Bariton Jan Friedrich Eggers an der Ziegelwand des Hoffmannkellers am Ende eines hoch poetischen Theaterabends eindrücklich verbildlicht.
Vor den Tönen dominiert das Wort
Welche Affekte bei Heine zu Versen wurden, davon sang Eggers jedoch erst im letzten Drittel der mit "Dichterliebe" betitelten Aufführung. Der Kunstgriff, mit dem geschlossen vorgetragenen Schumann-Liederzyklus, die zuvor szenisch gestalteten Lebensmomente der beiden Romantiker abschließend zu verdichten, war eine kluge Entscheidung der jungen Regisseurin Susanne Gauchel. In der bis dahin mehr wortbetonten Collage aus fiktiven Dialogen, Tagebucheintragungen und Fantasien von Schumann und Heine konnte das Publikum vielfach nur erahnen, wie beider Existenz von unerfüllten Wünschen und tiefem Leid bestimmt war. "Wisst ihr, warum der Sarg wohl so groß und schwer mag sein? Ich senkt' auch meine Liebe und meinen Schmerz hinein" - nach diesen Schlussversen schweigt die Singstimme in Schumanns "Dichterliebe"-Zyklus, einzig der Pianist (hervorragend: Adi Bar) führt mit einem langen Nachspiel aus der Welt hinüber in ein glücklicheres Sein.
Bei aller poetischen Stimmung, die über dieser Hommage zu Schumanns 200. Geburtstag liegt, wird dem Publikum doch ein gerüttelt Maß an Mitdenken und Vorwissen abverlangt. Dann etwa, wenn die Finger Schumanns nicht mehr seiner Absicht, Klavier zu spielen, gehorchen wollen, wenn er verzweifelt versucht, sich das Leben zu nehmen, wenn seine Gedanken seiner Frau Clara fremd bleiben. Die Darstellung der Problematik Schumanns - im Schatten seiner Ehefrau, der großen Pianistin Clara Wieck, zu stehen - ist eine schwierige Aufgabe für Sängerin Cathrin Lange, deren Sopran zu Beginn des Abends im Lied "Im wunderschönen Monat Mai" so hell leuchtet.
Ebenso muss man die Lebenslinien Heines kennen, muss wissen, warum er in Deutschland ein politisch Verfolgter war und sich wie Schumann als Außenseiter fühlte, bis er 1856 im Pariser Exil, gelähmt, in der "Matratzengruft" starb. Wohl liebte ihn seine Frau Mathilde - auch diese verkörpert Cathrin Lange -, doch seine Verse verstand sie kaum.
Den zwei Augsburger Sängern wurde gerade in den szenischen Passagen viel an schauspielerischem Können abverlangt, was den beiden jedoch auf eindrucksvolle Weise gelang. Die Darbietung ihrer "Dichterliebe" wurde ihnen erleichtert durch die romantische Stimmung (Ausstattung: Amelie Hensel) im dunklen Kellergewölbe. Lang anhaltender Applaus.
Weitere Termine am 31. März, 9., 23., 30. April und 7. Mai, jeweils um 20.30 Uhr.
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