Dienstag, 17. Oktober 2017

14. August 2012 12:09 Uhr

Sakrale Kunst

Die edle Himmelskönigin

Drei Madonnen aus dem Augsburger Dom zum Marienfest näher betrachtet

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Wie eine Königin sitzt sie da, thront kerzengerade auf ihrem Stuhl, zeremoniell und doch nicht unnahbar. Die spätromanische Madonna in der Westkrypta des Mariendoms ist allemal eine Entdeckung wert. Vielleicht anlässlich des katholischen Festes der Aufnahme Mariens in den Himmel, das am 15. August gefeiert wird. Drei Marienstatuen im Dom nahmen wir in Augenschein.

Geborgen im Schoß der ältesten Bauteile des Domes steht die romanische Madonna im Gewölbe der Krypta. Nicht im ersten Raum, der noch vom Tageslicht erhellt wird, sondern im dunkleren, zweiten Raum, der sich durch zwei Torbögen anschließt. An der Scheidewand beider Räume hat sie eine geräumige Nische, worin sie in angenehm gedämpftem Licht angestrahlt wird. Prälat Alois Haas hatte die Madonna, die um 1300 datiert wird, vor zehn Jahren dem Dom gestiftet. Doch die Figur wirkt, als wäre sie nie woanders gewesen.

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Der unbekannte Künstler hat sie etwas asymmetrisch gestaltet. Zu ihrer Linken dominiert das Jesuskind, das sie in ebenfalls thronend- sitzender Haltung auf dem Arm hält. Den Thronsaal für das göttliche Kind bildet ihr roter Mantel – sicher ein Symbol ihrer Bereitschaft, Christus als Mutter zu empfangen, sowie ihrer hingebungsvollen Liebe. Auch über ihren Schoß hat sie den roten Mantel gezogen.

Unter blauem Tuch war auch die Bundeslade verborgen

Darunter kommt ein blaues Kleid in flacher Faltung zum Vorschein. Diese Marienfarbe symbolisiert ihre Treue zur Verheißung. Zudem war die Bundeslade der Israeliten mit einem blauen Tuch bedeckt. Maria ist der neue Ort der Erscheinung Gottes unter den Menschen. In der angewinkelten Rechten reicht diese Madonna einen Apfel dar. Es ist sowohl ein Reflex auf den Paradiesapfel, den Eva im Sündenfall ihrem Adam im Ungehorsam gegen Gottes Gebot anbietet, während die neue Eva sich ganz Gottes Willen anheimstellt, als auch Zeichen der Weltenherrschaft, die ihrem göttlichen Sohn anvertraut ist. Maria präsentiert sich als eine edle Frau mit blassem Teint und rötlichen Backen. Auf ihrem Kopf trägt sie eine flache Haube mit Schleier – wohl eine Art Krone. Ihr Blick geht leicht geneigt zum Beter vor dieser Statue.

Eine spätgotische Madonna steht am rechten Pfeiler am Chorbogen. Ihre Entstehung wird um 1490 datiert. Die Figur schwebt schwerelos über einem goldenen Holbein-Engel mit spitzen Flügeln, der eine Handorgel spielt. Aufrecht steht die Madonna, die auch den Mai-Altar bildet, ihr rotes Kleid zeigt einen stark modellierten Faltenwurf, darüber ein blau-goldener Mantel. Auf ihrem Kopf trägt sie über dem langen, lockig nach hinten fallenden Haar eine goldene Krone mit Knospen.

Das Jesuskind mit dem Vögelein in den Händen

Diese Maria zeigt ein mädchenhaftes, weiches Gesicht von eindrücklicher Inbrunst. Auf ihren Armen liegt das nackte Jesuskind, das den Beter anblickt. In seinen Händen hält es ein Vöglein, wahrscheinlich ein Stieglitz. An der Wende zum 16. Jahrhundert kam dieses anmutige Attribut in Schwang. Raffael malte eine Stieglitz-Madonna, Albrecht Dürer stach eine Zeisig-Madonna.

Es gibt mehrere Auslegungen: Der Distelfink mit dem langen, spitzen Schnabel gilt als Hinweis auf die Leiden, die Jesus zu erwarten hat, um die Welt zu erlösen. Da der Stieglitz sich von Samen der Distel ernährt, einer Pflanze mit miesem biblischen Image („Dornen und Disteln lässt dir der Ackerboden wachsen“, heißt es im Fluchwort über Adam), könnte er auch für die Armen und Kleinen stehen, auf deren Seite Jesu sich stellt. Schließlich spendet Jesus den Niedergedrückten Trost mit dem Verweis auf Gottes Fürsorge selbst für die Vögel am Himmel („Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheuern, und doch ernährt sie euer himmlischer Vater“).

Enormer Popularität erfreute sich im Barock die Madonna im Altar der Marienkapelle, die 1720/21 der Eichstätter Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli im Rokokostil an die Nordwand des Doms angebaut hat. Die Sandsteinfigur des 14. Jahrhunderts, die zunächst im Kreuzgang verehrt wurde, galt als „miraculoses Bildtnus“. Überliefert sind Gebetserhörungen. Die Madonna ist als Himmelskönigin mit Zepter auf einer Mondsichel stehend dargestellt, angetan mit rotem Kleid und blau-goldenem Mantel. Den Jesusknaben trägt sie auf der Rechten. Er sitzt und spielt mit seinen Händen. Maria zeigt ein fülliges Mädchengesicht, gerahmt von dichten Locken.

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Schlagworte

Madonna | Albrecht Dürer

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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