Bei der Diskussion um steigende Sozialleistungen richtet sich der Blick meist zuerst auf die Hartz-IV-Empfänger. Doch hinzu kommen Tausende Menschen, die sich knapp über dem Hartz-IV-Niveau befinden, sich mit Wohngeld, Kinderzuschlag oder Grundsicherung im Alter durchschlagen. Auch hier steigen die Zahlen, beim Wohngeld explodierte sie regelrecht. Von Ute Krogull

Christine Sturm-Rudat vom Sozialverband VdK sagt: "Die verdeckte Armut nimmt definitiv zu. Viele Menschen können nicht mehr manövrieren." Der VdK und andere Wohlfahrtsverbände verzeichnen seit dem Beginn der Wirtschaftskrise vor einem dreiviertel Jahr einen starken Anstieg von Beratungen.
Der psychische Druck beginnt häufig schon, bevor die Armut beginnt: Viele haben Angst und erkundigen sich im Vorfeld, was bei Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Rente auf sie zukommen könnte. Sturm-Rudat warnt angesichts des steigenden Renteneintrittsalters: "Zwei bis drei Jahre können die Menschen irgendwie überbrücken. Zehn Jahre nicht." Weiteres Problem: "Heutzutage gibt es kaum noch ungekürzte Renten."
Insgesamt fließen in Augsburg viele Millionen Euro Sozialleistungen.
Hartz IV Im August gab es über 20 100 Hilfeempfänger, davon sind 14 600 erwerbsfähig, die anderen Kinder und Jugendliche. Damit hat sich gegenüber August letzten Jahres nicht viel geändert. Allerdings lagen die Zahlen am Jahresende beträchtlich tiefer und stiegen mit Beginn der Krise sprunghaft an. Viele hatten vorher nicht lang genug gearbeitet oder so wenig verdient, dass sie mit der Joblosigkeit direkt ins Arbeitslosengeld II durchrutschten. Nach Angaben des Gewerkschaftsbundes DGB betrifft das ein Drittel der Arbeitslosen. Außerdem bekommen inzwischen auch viele Kurzarbeiter Hartz IV. Die Zahlungen in diesem Bereich belaufen sich auf rund 90 Millionen Euro jährlich, davon zahlt der Bund den Unterhalt, die Stadt die Unterkunft.
Grundsicherung im Alter Diese beziehen in Augsburg 3400 Menschen (Vorjahr: 3200). Das kostet die Stadt rund 16,6 Millionen Euro im Jahr, allerdings bekommt sie einen Teil der Mietkosten (etwa zwei Millionen Euro) vom Bund zurück. Die Grundsicherung im Alter entspricht der früheren Sozialhilfe.
Wohngeld Die Regelungen für das Wohngeld wurden zum Januar erleichtert. Außerdem wurde es erhöht und damit nach Jahren den steigenden Mieten und Energiekosten angepasst. Dadurch stiegen die Zahlen. Während 2008 etwa 1500 Augsburger Wohngeld bezogen, sind es zurzeit 2300. Das Amt für soziale Leistungen rechnet bis Ende des Jahres mit 2500 Fällen. Hier wird sich die Zahl voraussichtlich einpendeln. Dementsprechend stiegen die Zahlungen von 1,75 Millionen auf 5,06 Millionen Euro im Jahr. Man rechnet in der Endsumme mit 5,6 Millionen. Wohngeld ist eine Bundesleistung.
Kinderzuschlag Ihn gibt es zusätzlich zum Kindergeld. Auch hier wurde zum Jahreswechsel der Bezug erleichtert, um zu vermeiden, dass Familien nur der Kinder wegen zu Hartz-IV-Empfängern werden. Die Neuregelung wirkt sich aus.
Während es vor einem Jahr 190 Fälle im Bereich der Augsburger Kinderkasse gab, sind es nun 730. Die Zahlungen stiegen von 67 000 auf 223 000 Euro im Monat. Der Kinderzuschlag ist eine Bundesleistung. Zuständig ist die Kinderkasse, die bei der Agentur für Arbeit angesiedelt ist. »Einblick Seite 36
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: