Montag, 24. Juli 2017

19. Mai 2017 00:32 Uhr

CD

Dieser Telemann hat mit Augsburg zu tun

Die Bayerische Kammerphilharmonie und Reinhard Goebel haben erstmals das Reformations-Oratorium eingespielt – und legen live nach

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Was ist sie doch für ein ewig sprudelnder Quell, die klassische Musik! Immer wieder bringt sie Unbekanntes zutage, sogar von kapitalen Komponisten wie einem Georg Philipp Telemann. Wer kennt schon sein Reformations-Oratorium von 1755? Gut, es gab vor zehn Jahren eine Aufführung in Augsburg mit der Capella St.Anna. Aber eine Einspielung? Bisher Fehlanzeige.

Das ist jetzt anders. Die in Augsburg residierende Bayerische Kammerphilharmonie hat unter Leitung ihres 1. Gastdirigenten Reinhard Goebel das Werk als CD herausgebracht, und das auch noch auf dem Major-Label Sony. Das Oratorium passt ja auch bestens in dieses Jahr, in dem sowohl Luthers Thesenanschlag zu feiern wie auch Telemanns 250. Todestag zu würdigen ist. Darüber hinaus hat das Oratorium einen besonderen Bezug zu Augsburg, schrieb Telemann es doch 1755 zum 200. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens.

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Vielleicht ist gerade darin einer der Gründe zu suchen, weshalb das Werk bisher nicht zu breiterer Bekanntheit gelangt ist. Dem Oratorium liegt nämlich kein Libretto zugrunde, in dem eine spannungsreiche Geschichte ausgebreitet würde. Der Text ist vielmehr von gottgefällig-betrachtender Art, gesungen von den vier Allegorien Friede, Andacht, Religion, Geschichte.

Doch es ist eben der große Telemann, der das in Musik gesetzt hat, und so mangelt es den Arien, Rezitativen und Chören nicht an Erfindungsreichtum und Ausdruckskraft. Schon das Eröffnungsduett ist köstlich: Wie der Komponist da die fromme Zeile „Holder Friede, heil’ger Glaube, dich zu küssen und uns erst vereint zu wissen“ einer weiblichen Stimme (Friede) und einer männlichen (Religion) anvertraut und die beiden im Sechsachteltakt selig miteinander sich wiegen lässt, das kann einen keck erotischen Hintersinn unschwer verbergen.

Es wird vortrefflich gesungen in dieser Aufnahme, was ganz besonders für die beiden tiefen Stimmen gilt, den Bariton-Shootingstar Benjamin Appl und den Bass Stephan McLeod. Auf Augenhöhe aber auch Daniel Johannsen (Tenor) und Regula Mühlemann (Sopran), und ausnehmend gut wie immer der Chor des Bayerischen Rundfunks, der die Chorsätze fesselnd gestaltet. Die Bayerische Kammerphilharmonie, obwohl kein Originalinstrumenten-Orchester, ist durch ihre kontinuierliche Zusammenarbeit mit Alte-Musik-Spezialisten wie Reinhard Goebel längst bestens trainiert für die Klangsprache des 18. Jahrhunderts. Und so gelingt, angetrieben vom quirligen Goebel, auch dieser Telemann federnd-elastisch, dabei aber nie kantig-affekthaft, sondern stets, dem Sujet entsprechend, in achtsamer Grundhaltung.

Auf die CD folgt nun die Live-Aufführung am Samstag im Rahmen des Mozartfests, wenn auch mit personellen Veränderungen. Die Prognose sei schon vorab gewagt: ein Glanzpunkt des Festivals.

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Stefan Dosch

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