Samstag, 27. August 2016

17. Januar 2016 08:01 Uhr

Verkehr

Drängt Stuttgart 21 den Nahverkehr aufs Nebengleis?

Mit der Fertigstellung der Neubaustrecke hinter Ulm sind ab 2021 mehr Schnellzüge rund um Augsburg unterwegs. Das ist positiv, hat aber auch Nebenwirkungen auf den Nahverkehr.

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Mit der Fertigstellung der Neubaustrecke hinter Ulm sind ab 2021 mehr Schnellzüge unterwegs. Das ist positiv, hat aber wohl auch Nebenwirkungen für den Nahverkehr.
Foto: Michael Hochgemuth

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert an mehreren Stellen Verbesserungen im Bahnverkehr rund um Augsburg. Teils gebe es diverse „Löcher“ in Fahrplänen, die nicht nachvollziehbar seien, so Jörg Lange vom Fahrgastverband. „Rechnerisch gibt es abends zwar drei Verbindungen pro Stunde auf der Achse Hauptbahnhof – Haunstetter Straße – Hochzoll, diese fahren aber innerhalb von zwölf Minuten ab, und dann ist 48 Minuten Pause“, so Lange. Auch an Wochenenden seien die Takte auf den Strecken nach Dinkelscherben und Aichach unzureichend. „Damit wird keiner dazu animiert, das Auto stehen zu lassen und mit dem Zug beispielsweise nach Augsburg zu fahren.“

Anlass dafür, dass sich der Fahrgastverband Gedanken macht, ist die Tatsache, dass die Verträge des Freistaates mit der Deutschen Bahn (Fugger-Express nach München, Dinkelscherben und Donauwörth) und der Bayerischen Regiobahn für die Paartal- und Ammerseebahn 2019 auslaufen. Zwar ist das noch viel Zeit, aber derartige Ausschreibungen haben lange Vorlaufzeiten.

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Allerdings will der Freistaat diese Verträge nun bis 2021 verlängern, bestätigt die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die im Auftrag des Innenministeriums den regionalen Bahnverkehr in Bayern managt. Hintergrund für die Verschiebung einer Neuausschreibung ist, dass die Bahn im Fernverkehr mittelfristig an einem neuen Konzept arbeitet – je nach Ausgang könnte das auch Auswirkungen auf den Augsburger Nahverkehr haben.

Mit Stuttgart 21 fahren bis zu vier Züge pro Stunde

Konkret geht es wohl um Auswirkungen aus dem Projekt Stuttgart 21 auf Augsburg. Denn wenn der Streckenabschnitt am Albaufstieg in Württemberg 2021 fertig sein wird, ist im Gespräch, dass mehr Fernverkehrszüge fahren. Bis zu vier Züge (ICE, IC und TGV) könnten hier pro Stunde fahren. Dies hätte mit großer Sicherheit auch Auswirkungen auf den Nahverkehr zwischen Augsburg und Dinkelscherben. Weil der Fernverkehr immer Vorrang hat, dürften Nahverkehrszüge öfter als bisher Wartezeiten in Bahnhöfen bekommen.

Denn die Frage eines dritten Gleises in dem Abschnitt ist weiter nicht gelöst. Einen leicht zu merkenden minutengenauen Takt (beispielsweise mit Abfahrtszeiten alle 30 Minuten) kann es unter diesen Umständen nicht geben. Andererseits dürfte es ab 2022 mit der Fertigstellung des Bahnhofstunnels am Augsburger Hauptbahnhof Verbesserungen geben. Dann steht nämlich ein weiterer Bahnsteig zur Abfertigung von Zügen zur Verfügung (während der Tunnelbauarbeiten wird dieser bis 2017 zu errichtende Bahnsteig F als Ausweichbahnsteig dienen). Das wird zumindest mehr Fahrplanstabilität bringen.

Fahrgastverband Pro Bahn fordert Verbesserungen bei der Pünktlichkeit

Pro Bahn fordert – unabhängig von der Ausschreibung – schon jetzt Verbesserungen an mehreren Stellen. Die Pünktlichkeit im Fugger-Express-Netz lasse weiter massiv zu wünschen übrig. Auch das Betriebskonzept mit dem Zusammenhängen und Trennen der Triebwagen aus Donauwörth und Dinkelscherben Richtung München müsse man zumindest hinterfragen. Problem: Kommt einer der beiden Züge mit Verspätung in Augsburg an, gibt es eine Verzögerung für die ganze Garnitur. „Wenn man das in einer Folgeausschreibung so beibehalten möchte, muss man ernsthaft über zwei bis drei in Augsburg bereitgehaltene Triebwagen nachdenken, die bei Störungen eingesetzt werden können“, so Lange.

In der Tat ist der Fugger-Express bei der Pünktlichkeit unterdurchschnittlich im Vergleich der bayerischen Nahverkehrsnetze. Das liegt auch am extrem dichten Verkehr auf der München-Strecke – hakt es an einer Stelle, dann hat das gleich massive Auswirkungen. Rund 91 Prozent der Fugger-Express-Züge waren laut Statistik der Eisenbahngesellschaft im Jahr 2014 pünktlich im Sinne, dass sie weniger als fünf Minuten Verspätung hatten. Angestrebt sind 96 Prozent, der Bayernschnitt im Nahverkehr liegt bei 94 Prozent. Bayerische Regiobahn (Verkehr nach Weilheim/Schongau und Ingolstadt/Eichstätt) und die Kneipp-Lechfeld-Bahn der DB (Richtung Schwabmünchen) schneiden hingegen überdurchschnittlich ab.

Bayerische Regiobahn gewinnt Ausschreibung

Die Kneipp-Lechfeld-Bahn wird wie berichtet ab Dezember 2018 nicht mehr von den roten DB-Zügen bedient, sondern geht auch an die Bayerische Regiobahn. Das Unternehmen, das Teil der Verkehrssparte des französischen Mischkonzerns Veolia ist, hatte sich in einer Ausschreibung durchgesetzt.

Die blau-gelben Züge der BRB werden dann das Nahverkehrsnetz um Augsburg noch stärker prägen als bisher. In den Qualitätsranglisten der Eisenbahngesellschaft, die etwa Sauberkeit und Kundenfreundlichkeit bewerten, schneidet die BRB relativ gut ab, die Lechfeld-Bahn leicht überdurchschnittlich und der Fugger-Express etwas unterdurchschnittlich ab.

Workshop: Am Montag, 25. Januar, veranstaltet Pro Bahn ab 19.30 Uhr einen Workshop, bei dem es um Fahrzeugausstattung und Qualität geht. Anmeldungen an joerg.lange@pro-bahn.de

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Ein Artikel von
Stefan Krog

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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