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13. Oktober 2011 15:59 Uhr

Augsburg

Drei Große des deutschen Films drehen in der Jakobervorstadt

Für die Verfilmung der Geschichte einer jungen DDR-Werftarbeiterin stehen die Schauspieler Götz George, Heino Ferch und Anna Maria Mühe bis Sonntag in Augsburg vor der Kamera. Von Miriam Zissler

Aus dem Friseursalon von Peter Funk wurde der „Salon Jasmin“. Gestern stellte das ZDF und die Hauptdarsteller des zweiteiligen Agententhrillers ihren Film vor. Das Interesse war so groß, dass die Fotografen in vier Gruppen aufgeteilt wurden.

Anna Maria Mühe friert. Minutenlang posiert sie für Fotografen an der Vogelmauer in der Jakobervorstadt, ihre blonden Haare sind leicht toupiert. Sie trägt ein grünes Kleid mit weißen Tupfen, eine Wolljacke und cremeweiße Schuhe. Sie ist gefragt – mehr als ein Dutzend Fotografen und Journalisten hat das ZDF aus München mit einem Shuttlebus nach Augsburg gefahren.

Es ist der erste große Pressetermin für die ZDF-Auftragsproduktion „Deckname Luna“, entsprechend groß ist das Interesse. Die Besetzung ist ein nicht unerheblicher Grund: Die Hauptdarsteller Götz George, Heino Ferch und Anna Maria Mühe stehen minutenlang im Blitzlichtgewitter. Als das letzte Foto aufgenommen ist, ist auch das Lächeln in Götz Georges Gesicht verschwunden. Mit gesenktem Kopf geht der 73-Jährige – nicht unhöflich aber zielstrebig – an den Journalisten vorbei, zurück in die Maske. Der Drehtag fängt für die Schauspieler gerade erst an und das ZDF hatte bereits im Vorfeld in einem Schreiben und einem Anruf klar gemacht, dass George es nicht wünscht, angesprochen zu werden.

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Anna Maria Mühe, die in dem Film seine Enkelin spielt, gibt Interviews. Die zierliche Berlinerin hat sich in eine dicke Daunenjacke gehüllt, Moonboots übergezogen und zieht an einer Zigarette.

Kampf zwischen Ost und West um technischen Fortschritt

Sie spielt in dem Zweiteiler Lotte, eine junge Frau, die in den 60er Jahren in den Kampf zwischen Ost und West um den technischen Fortschritt in der Raumfahrt gerät. Die Werftarbeiterin will Kosmonautin werden. Die Leidenschaft teilt sie mit ihrem Großvater, dem Raketeningenieur Dr. Arthur Noswitz (Götz George), der nach einer abenteuerlichen Flucht aus der Sowjetunion in Augsburg neue Raketen-Antriebsformen entwickelt. „Der Film zeigt neun Jahre in Lottes Leben. Diese Bandbreite zu spielen ist eine große Herausforderung für mich“, sagt die Schauspielerin. In den 60ern fühlt sie sich wohl. „Mir gefallen die Haare und die Klamotten. Ich selber habe das Gefühl, dass die Mode der 50er und 60er Jahre momentan sowieso wieder sehr im Kommen ist.“ Die 26-Jährige, Tochter der bereits verstorbenen Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe war bereits in zahlreichen Produktionen neben bekannten Schauspielgrößen zu sehen. Sie ist fokussiert. „Ich denke nicht an die Zeit nach diesem Dreh. Für mich gibt es gerade nur diesen Film.“ Von Augsburg hat sie deshalb nicht viel gesehen. Am Abend gehe sie ins Hotel und sei froh im Bett zu liegen. Vergangenen Donnerstag sind allerdings noch einige Schauspieler und Mitarbeiter der Produktion losgezogen. „Wir waren im Sausalitos. Da war Karaokeabend und wir hatten jede Menge Spaß“, sagt Anna Maria Mühe und lächelt.

Seit zehn Tagen sind die Schauspieler und das Produktionsteam, das 65 Mitarbeiter umfasst, in der Stadt. Gedreht wurde unter anderem in der Pizzeria Dragone in der Wintergasse, die in dem Film „Bella Napoli“ heißen wird. Bis zum Wochenende ist der Friseursalon von Peter Funk Schauplatz der Dreharbeiten. „Salon Jasmin“ steht jetzt mit einer geschwungenen Neonröhren-Schrift darüber. Rauchend sitzt Heino Ferch in dem kleinen Salon. Ernst blickt er durch seine goldumrandete Brille.

Es sind die 60er, das Rauchen ist im Salon Jasmin erlaubt, Aschenbecher stehen vor dem Frisierspiegel, genauso wie Pinsel, Bürsten und Duftwasser. Detailgetreu haben die Requisiteure zeitgenössisches Leben in den Laden in der Rosengasse 20 gehaucht. Im Schaufenster wird Haaroel und eine Magic Antifaltenlotion angeboten, Perücken mit großen Locken in jeglicher Coleur sitzen auf Plastiköpfen mit großen blauen Kulleraugen. An die Fassade des Hauses gegenüber wurde nachgeahmter roter Backstein drapiert, helle Flächen auf Styropor geschwärzt. „Wir drehen auch aus den Salon heraus. Es muss alles originalgetreu sein, sonst würde es sofort auffallen“, sagt Produzentin Susanne Freyer über die aufwändige Produktion, die das Team nach München, Berlin und Stettin führt.

„Es ist ein Kaleidoskop dieser Zeit. Der Traum und die Sehnsucht nach der ersten Mondlandung werden darin spürbar gemacht“, sagt Heino Ferch. Im Interview verliert er seine Strenge, ist offen und sympathisch. Er spielt den Stasi-Offizier Moll, der Lotte und ihren Großvater in Augsburg ausfindig macht und einen perfiden Handel vorschlägt. Mehr will das ZDF nicht verraten. Augsburg hat Ferch gut in Erinnerung. 2009 und 2010 wirkte er bei der Gala des Brecht-Festivals mit. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich würde es sofort wieder machen“, sagt Ferch, der trotz seiner vielen Film- und Fernsehproduktionen die Bühnenarbeit vermisst.

Heino Ferch kann abends nach Inning nach Hause fahren

Und auch sonst hat die Stadt für ihn so ihre Vorzüge. „Ich wohne nicht weit weg und kann morgens anreisen und abends wieder nach Hause fahren. Das ist wie ein Geschenk für mich. Normalerweise drehe ich viel in Berlin oder im Ausland. Da geht das nicht.“ Der 48-Jährige ist mit der Vielseitigkeitsreiterin Marie-Jeanette Steinle verheiratet. Sie leben in Inning am Ammersee. Auch Ferch ist passionierter Reiter. Er spielt im Polo Club Landsberg-Ammersee. „Dieser Sport ist ein toller Ausgleich zu meinem Beruf. Es sind aber keine elitären Events, wie das oft dargestellt wird. Wir spielen dort Country Polo und machen danach ein Bier auf und keinen Schampus.“ Doch die Saison ist vorbei, der Boden schlammig.

Zeit, den Film zu drehen. Nach den Aufnahmen im Salon Jasmin wird am Sonntag in der Georgenstraße gedreht. Dann verabschiedet sich das Team aus Augsburg. Ende November sollen alle Aufnahmen im Kasten sein. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

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