Diese Woche startet der Prozess zu einem außergewöhnlich brutal verübten Verbrechen. Es geht um die tödliche Hatz zweier Männer. Von Stefan Krog

Die Nachbarn hörten an dem lauen Augustabend vergangenes Jahr erst Schreie. Dann mussten sie von ihren Balkonen einer Wohnanlage in Lechhausen mit ansehen, wie ein aus einer Stichverletzung blutender Mann von einem Angreifer mit Messer verfolgt, eingeholt und er-stochen wurde. Die tödliche Hatz erstreckte sich über eine Strecke von etwa 100 Metern. Ab dieser Woche wird nun der 43-jährige mutmaßliche Täter wegen Mordes vor Gericht stehen.
Die Tat hatte vor einem Dreivierteljahr großes Aufsehen erregt. Das Opfer, ein 38-jähriger Augsburger, war der neue Lebensgefährte der früheren Partnerin (54) des mutmaßlichen Täters. Offenbar spielte Eifersucht bei der Tat eine Rolle.
Wie nach den tödlichen Messerstichen bekannt wurde, hatte der spätere mutmaßliche Mörder seine frühere Lebensgefährtin schon monatelang drangsaliert. Die Frau erwirkte eine Anordnung, dass sich der Mann ihr nicht mehr nähern darf – offenbar ohne Erfolg. Die Polizei lud ihn nach Anzeigen der Frau mehrere Male vor, die Justiz ermittelte gegen den 43-Jährigen wegen Stalkings, doch ein rechtskräftiges Urteil gab es bis zur Tat nicht.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft brachte der 43-Jährige den 38-Jährigen um, weil dieser aus seiner Sicht einer neuen Beziehung mit der Frau im Weg stand. Im Fahrradraum lauerte er laut Ermittlungen den beiden auf, als sie von einer Radtour zurückkehrten, und ging auf den 38-Jährigen los. Zwei Küchenmesser hatte der Angeschuldigte laut Anklage dabei, mit denen er sechsmal auf sein Opfer einstach und ihm dann dreifach die Kehle durchschnitt. Der 38-Jährige verblutete.
Der mutmaßliche Täter sei anschließend seelenruhig davonmarschiert, habe an einem Busch sogar noch das blutige Messer abgewischt, erzählten Augenzeugen später. Anschließend kehrte der Mann in seine Wohnung im Herrenbach zurück, wo er noch am selben Abend von der Polizei festgenommen wurde.
Für den Mordprozess ab kommendem Donnerstag hat die Schwurgerichtskammer fünf Verhandlungstage angesetzt. Insgesamt sind um die 30 Zeugen geladen. Eine Rolle dürfte dabei auch die psychische Verfassung und die Schuldfähigkeit des Angeklagten spielen. Er ist seit der Tat im Bezirkskrankenhaus in Kaufbeuren vorläufig untergebracht.
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