Eine der letzten „Kriegslücken“ im Stadtbild könnte bald verschwunden sein. Der Behelfsbau am Moritzplatz, in dem sich das ehemalige „Pow Wow“-Café befindet, soll abgerissen werden. An dessen Stelle ist ein Neubau geplant, in dem Wohnungen und Gewerbe untergebracht werden, eine gastronomische Nutzung ist nicht vorgesehen. „Für uns ist das eine schöne Sache“, sagt Baureferent Gerd Merkle. Der „Schandfleck“ in dem historischen Gebäudeensemble wäre damit Vergangenheit.
Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass es solche Ankündigungen gibt. Schon mehrfach war über einen Abriss und einen Neubau auf dem Areal spekuliert worden. In den 90er-Jahren lag bereits ein fertiger Plan auf dem Tisch. Er wurde nie umgesetzt. 2001 der nächste Versuch. Aber auch damals tat sich nichts. Diesmal scheinen die Chancen jedoch deutlich besser zu stehen.
Eigentümer verdiente gut am Behelfsbau
Dem Vernehmen nach waren Umnutzungspläne zuletzt immer wieder am Eigentümer des Grundstücks gescheitert. Denn der erzielte mit dem Behelfsbau aus der Nachkriegszeit ordentliche Mieteinnahmen, vor dem „Pow Wow“ war hier der Harlekin-Spielsalon untergebracht. Eine Investition war für den Besitzer also kaum rentabel.
Inzwischen ist das rund 700 Quadratmeter große Grundstück an den Augsburger Projektentwickler Eser & Conform verkauft. Auf seiner Homepage wirbt er bereits für das künftige Wohn- und Gewerbeobjekt „Max 23“. 13,3 Millionen Euro will er investieren, kündigt Geschäftsführer Josef Eser an. Wie die neue Bebauung aussehen wird, ist noch unklar. Baureferat und Denkmalschützer sind in die Planungen mit eingebunden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg stand laut Stadtheimatpfleger Hubert Schulz auf dem Areal ein Komplex aus drei Gebäudeteilen – einer zur Maximilianstraße hin ausgerichtet, einer zum Hunoldsgraben, einer zum Judenberg. Sie waren im Inneren miteinander verbunden. Innenhöfe sorgten für Lichteinfall.
Ähnlich soll auch die neue Bebauung konstruiert werden, berichtet Schulz. Ein entsprechendes Konzept sei bereits abgesegnet. Laut Merkle könnte ein Zugang zum Judenberg die schmale Gasse, die vom Moritzplatz in die Altstadt hinabführt, zusätzlich beleben.
Ende April wird der Baukunstbeirat über die optische Gestaltung beraten. „Es kann modern sein, muss aber von der Struktur in die umliegende Bebauung passen“, sagt Schulz. Bei der Nutzung will man keine Kompromisse eingehen. „Hier muss etwas ganz Besonderes entstehen“, sagt Merkle. Laut Eser könnten in den rund 1000 Quadratmeter großen Gewerbekomplex eine Bank oder Einzelhandel einziehen. Außerdem wäre Platz für Kanzleien oder Praxen. Im Dachgeschoss und Richtung Hunoldsgraben werden Wohnungen entstehen. Laut Eser sollen die Bauarbeiten im Oktober starten, im Frühjahr 2015 könnte alles fertig sein.
Das „Pow Wow“ muss wohl bereits im Sommer ausziehen. Wie es mit dem Café, das weitere Filialen am Rathausplatz und in der City-Galerie hat, weitergeht, ist unklar. Gestern war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Der Flachdachbau, der heute auf dem Grundstück steht, wurde nach dem Krieg errichtet. Ein Obstgeschäft, ein Eiscafé und Spielsalons waren hier untergebracht. Der Grundstücksteil am Hunoldsgraben wird als Autoabstellfläche vermietet. Vor dem Krieg hatten sich unter anderem ein Weinkeller, eine Buchhandlung und ein Elektrogeschäft in dem historischen Anwesen befunden.