Donnerstag, 27. Juli 2017

17. Januar 2011 04:43 Uhr

Ein Bild für die Ewigkeit?

Die Tauben gurren, eine hockt auf einem der Stahlstäbe der Treppe. Ein junger Mann schlendert zum Fünffingerlesturm. Andere gingen achtlos vorbei. Doch er zückt den Fotoapparat. Es ist Enno Kirsimäe, ein Austauschstudent aus Estland. Er besichtigt die Reste der Augsburger Stadtbefestigung. Dann sieht er sie, die Treppe aus Beton und Stahl, die Augsburg so aufwühlte, dass die Debatte in ganz Deutschland zu hören war. "Die Treppe ist nicht gerade wunderschön", sagt der junge Este. Er würde den alten Turm lieber von innen besteigen. Als er hört, dass die Treppe seit bald drei Jahren halb fertig dasteht, sagt er: "Das muss ich fotografieren."

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Von Stefan Krog und Marcus Bürzle

Zwischen den Haupt-Akteuren herrscht Funkstille

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Er hätte sich Zeit lassen können, denn ein Ende des "Augsburger Treppenwitzes", wie ihn die Frankfurter Allgemeine bezeichnete, ist nicht in Sicht. Zwischen Altaugsburg-Gesellschaft, die die Treppe baute, und der Stadt herrscht weitgehend Funkstille. Es könnte sein, dass der unbenutzbare Treppentorso noch lange steht.

Eine Lösung, bei der keine Seite das Gesicht verliert, ist schwierig. "Der Ball liegt momentan nicht bei uns", sagt der Jurist im Baureferat, Mark-Dominik Hoppe. Die Vorsitzende der Altaugsburg-Gesellschaft, Anne Voit, entgegnet: "Wir warten auf Antwort der Stadt auf einen Brief unseres Anwalts." Der Knackpunkt: Grundsätzlich ist die Treppe genehmigt, während des Baus haben sich aber rechtliche Hindernisse ergeben. Seither herrscht Stillstand.

Die Bürgerinitiative, die die Treppe ablehnt, sieht in der Unvollendeten eine Art Denkmal für verfehlte Lokalpolitik. Einige Mitglieder haben sich am Turm versammelt. Die Sonne scheint, doch das schönste Licht ändert nichts an ihren Ansichten: "Ich habe immer gehofft, dass die Treppe bis zur Frauenfußball-WM weg ist, damit die Touristen das Trauerspiel nicht sehen müssen", sagt Evi Hannen. Das Ziel der Bürgerinitiative: Die Treppe soll weg, damit der Turm wieder der alte ist und durch sein Äußeres wirkt. Am Zug sind aber andere.

Zum Beispiel die Altaugsburg-Gesellschaft. Sie hatte im Mai 2007 Pläne für die Treppe vorgestellt. "Der Zugang soll es ermöglichen, den Turm von innen zu erleben", sagte Voit. Ziel war und ist es, den Turm für Führungen begehbar zu machen und innen zu restaurieren. Einen ebenerdigen Zugang zum Turm, der früher Teil der Stadtmauer war, verbauen die Vorschriften des Denkmalschutzes, sagt die Altaugsburggesellschaft. Mit der modernen Treppenkonstruktion, deren Äußeres der Stadtmauer nachempfunden sein soll, wollte man (mit Zustimmung des Stadtrats noch zu Regenbogenzeiten) das Problem lösen.

Doch nach Anwohnerprotesten 2007 und einem (unzulässigen) Bürgerbegehren wurde die Treppe zum Politikum. Pro Augsburg positionierte sich im Wahlkampf 2008 klar gegen den Bau. Die CSU war anfangs dafür, zeigte dann aber Verständnis für die Gegner, die eine Wahlempfehlung für den heutigen OB Kurt Gribl (CSU) aussprachen. Die Treppe wurde kurz vor seiner Amtsübernahme installiert - abgesehen vom untersten Stück. Seitdem hat sich nichts getan. Daran haben auch Vermittlungsversuche von Gribl nichts geändert.

Denn im April 2008 fiel der Stadtverwaltung auf, dass die Treppe zu weit in den Gehweg ragte. Die Stadt verfügte einen Baustopp, der vom Verwaltungsgerichtshof für unzulässig erklärt wurde. Die Treppe sei plangemäß gebaut worden. Dass hinterher klar wurde, dass sie zu weit in den Gehweg ragt, sei nicht das Problem der Treppenbauer.

Die Altaugsburg-Gesellschaft wollte es nicht darauf ankommen lassen, einfach weiterzubauen. Die Stadt hat angedeutet, dass sie einschreiten würde. "Mit einer Treppe wäre die Sicherheit der Fußgänger auf dem Gehweg nicht gewährleistet", sagt Jurist Hoppe. Zudem hat die Alt-augsburggesellschaft den Turm kostenfrei von der Stadt gemietet. Dieser Vertrag könnte dann wackeln. Ein Angebot der Altaugsburggesellschaft, den Gehweg auf eigene Kosten verbreitern zu lassen, lehnte der Stadtrat ab; es geht um 0,7 Quadratmeter.

Angeblich gab es Gespräche über einen Abriss - ohne Erfolg

Bei der Altaugsburggesellschaft, so sagt Voit, will man nicht aufgeben. Gerüchten, dass dies in den eigenen Reihen nicht durchweg so gesehen wird, widerspricht sie. "Wir wollen die Treppe weiter." Angeblich soll es aber Gespräche mit der Stadt gegeben haben, unter welchen Umständen ein Abriss der 200 000 Euro teuren Treppe (120 000 Euro sponserte die Stadtsparkasse) möglich wäre - ohne Ergebnisse.

Die Treppengegner verfolgen den Streit. Evi Hannen könnte sich eine Schlichtung vorstellen, in der die Altaugsburg-Gesellschaft darlegen könnte, welchen Zweck sie mit der Treppe verfolgt. "Wir haben das bis heute nicht verstanden." Dann ließe sich vielleicht eine Alternative finden. Während ein Spaziergänger die Treppe "grauenvoll" schimpft, verrät Hannen eine Sorge der Gegner. Sie fürchten, dass die Gesellschaft spekuliert, dass nach der Wahl 2014 eine andere Regierung den Bau erlaubt. »Aufgefallen

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Schlagworte

Anne Voit | Estland | Deutschland | CSU

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