Freitag, 22. September 2017

11. Juli 2016 20:00 Uhr

Altstadtfest

Ein Brief aus der Friedberger Zeit

Beim historischen Altstadtfest gibt es einen Papierschöpfer, eine Schreiberin und eine Druckergilde. Ein Selbstversuch, der drei Handwerkerzünfte zusammenbringt.

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Redaktionsknecht Sebastian Mayr schöpft Rhabarberpapier bei Meister Jürgen Seifert,.
Foto: Andreas Schmidt

Wenn ich doch schreiben könnte. Was wäre das für eine Gelegenheit, einer Holden zu sagen, dass ich sie mag. Für mich, den Knecht auf dem Altstadtfest. Hat jemand schon einen Knecht gesehen, der schreiben kann? Zum Glück gibt es in der Friedberger Zeit Hilfe von den Meistern der Zünfte. Ich will Papier schöpfen, es beschriften und bedrucken lassen.

Jürgen Seifert schöpft Papier. Damit es besonders aussieht, mengt er Rhabarberfasern zu der Zellulose, aus der das Papier entsteht. Den Rhabarber hat er in seinem eigenen Garten angebaut. Er hat frischen Faserbrei in den großen Holztrog gerührt, damit das Papier besonders gut und dick wird.

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Vom Papierschöpfer geht es weiter zur Schreiberin

Mein Papier darf ich selber schöpfen. Mit den Händen rühre ich die Flüssigkeit auf, dann seie ich die Fasern mit einem Gitter ab. Fürs erste Mal sei’s ganz gut, lobt der Meister. Obwohl das Papier nicht an allen Stellen gleich dick ist, als ich es abgautsche. So nennt man es, wenn die verfilzten Papierfasern vom Gitter auf ein Tuch übertragen werden, auf dem sie trocknen und gepresst werden.

Wo der Jakobsplatz auf das Zieglergässchen trifft, hat Michèle Greiner ihr Scriptorium aufgebaut. Dort schreibt sie in Kaligrafie Namen, Worte und Sprüche auf Papier – für jeden, der es nicht so schön oder gar nicht kann. Für Leute wie mich also. Ich suche auch ihre Hilfe. Die Schreiberin kennt viele schöne Sprüche über das Glück, die auf kleine Plättchen geschrieben sind. Manche sind so philosophisch, dass sie regelrecht gemein klingen. „Dort, wo du nicht bist, da ist das Glück“, heißt einer von ihnen.

Doch auf dem Rhabarberpapier soll ein wirklich schöner Spruch stehen. Schließlich wird Michèle Greiner elegant schreiben, und schließlich soll ein schönes Geschenk herausspringen. Ich finde einen Spruch, der von Seneca stammt: „Fang jetzt an zu leben und zähle jeden Tag als ein Leben für sich.“

Beide Meister sind vom Ergebnis begeistert

Die Skriptorin ist begeistert von dem Papier, weil es Tinte gleich aufnimmt und leicht aufsaugt und weil die leichte Struktur sich auch durch die mit der Feder geschriebenen Buchstaben zieht. Toll sei es, auf diesem Büttenpapier schreiben zu können, findet die Meisterin. Toll sieht das Ergebnis aus.

Begeistert ist auch der Papierschöpfer. „Es freut mich richtig, dass das so gut geworden ist“, sagt er und lobt auch sein Büttenpapier: „Man kann es wirklich verwenden, das ist das Gute.“

Gleich neben der Stube des Papierschöpfers druckt die Historische Gilde der Drucker zu Kaltenberg. Mich, den Knecht, packt die Neugierde. Was mag die moderne Technik leisten können? Ein Druckermeister ist nicht da an diesem Tag. Dafür Herbert Reitmeier, ein Buchbinder. „Was die Drucker können, kann ein Buchbinder schon lang“, scherzt er und justiert die Buchstaben, schraubt sie fest und bestreicht sie mit blauer Druckertinte. In der Friedberger Zeit wurde nicht mehr nur in Schwarz gedruckt, Farben hat es schon gegeben.

Das Papier wird in Farbe bedruckt

Die verzierten Buchstaben, mit denen gedruckt wird, heißen Klischees. Auf einem Bogen Papier haben genau zwei von ihnen Platz. Meinen Spruch kann ich also nicht mit gedruckten Buchstaben verzieren. Also nutze ich als getreuer Knecht die Gelegenheit, etwas für meine Herren zu tun. F und A sollen die Buchstaben sein, für die Friedberger Allgemeine.

Herbert Reitmeier lässt mich das Papier einspannen und unter die Presse schieben. Mit einem kräftigen Hebeldruck bediene ich die Druckerpresse. Was wohl wird aus dem Rhabarberpapier? Es hat eine andere Stärke als das Papier, das die Drucker für gewöhnlich verwenden. Und es ist ein wenig größer und passt darum nicht einwandfrei in den Rahmen, der es fassen soll. Einwandfrei ist aber das Ergebnis, besser noch als auf dem Probedruck mit normalem Papier. So also macht man eine Zeitung, so also schreibt man einen Liebesbrief.

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