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17. Januar 2012 12:11 Uhr

Augsburger Polizistenmord

Ein Fall und viele Fragen

Zwei Brüder sitzen seit drei Wochen in Haft. Die Ermittler sind sich sicher, dass die Männer den Beamten Mathias Vieth getötet haben. Doch es gibt Rätsel: Wo sind die Tatwaffen?

Die Waffen: Es ist offen, ob die Ermittler der Kripo inzwischen die beiden Tatwaffen gefunden haben.

Polizeihauptmeister Mathias Vieth (41) wurde aus zwei Waffen beschossen. Aus einer Pistole und vermutlich aus einer Kalaschnikow. Bisher entdeckte die Polizei drei Waffenlager, welche die mordverdächtigen Brüder Rudi R. (56) und Raimund M.  (58) angelegt haben sollen. Die Beamten fanden Waffen mit passendem Kaliber, darunter drei Kalaschnikow-Sturmgewehre. Einige Waffen wurden bereits untersucht. Das Ergebnis: negativ. Bei weiteren Waffen erweist sich die Untersuchung nach Informationen unserer Zeitung als sehr schwierig. Mehrere Wochen sind vergangen – und es liegen noch immer nicht alle Ergebnisse vor.

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Die Beweise: Es gibt eine Gen-Spur und eine Tasche mit Blutspritzern. Diese Indizien wiegen schwer.

Es ist eine wesentliche Frage, die bislang noch unklar ist: Wie schwer wiegen die Beweise gegen die Brüder wirklich? Und: Reichen die Beweise aus, um beiden eine Beteiligung an dem Polizistenmord nachzuweisen? Ein Indiz wiegt schwer: In einem Versteck der Brüder lag eine Tasche, auf der Blutspritzer von Mathias Vieth gesichert wurden. Dazu kommt: Von Raimund M. gibt es eine DNA-Spur, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft beweist, dass der 58-Jährige am Tatort war. Doch über Details – etwa zur Frage, wo die DNA genau gefunden wurde – wissen bis jetzt auch die Anwälte der Inhaftierten nicht Bescheid. Die Ermittler sind der Ansicht, dass beide Brüder geschossen und den Polizisten getroffen haben. Wie sie das belegen werden, ist derzeit noch ihr Geheimnis.

Die mutmaßlichen Täter: Werden sie weiter schweigen – oder fällt einer von beiden doch noch um?

Rudi R. ist „hafterfahren“, wie es im Juristenjargon heißt. Er hat bereits im Jahr 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen und saß insgesamt über 20 Jahre im Gefängnis. Auch die Haftanstalt in Stadelheim, wo er derzeit weitgehend isoliert eingesperrt ist, kennt er. Einige Wochen hinter Gittern dürften ihm noch nicht sehr zusetzen. Anders ist es bei Raimund M. Er war noch nie zuvor im Gefängnis. Zudem soll er, wie Bekannte berichten, an Parkinson leiden. Er habe zuletzt stark gezittert und nicht mehr die Kraft gehabt, längere Zeit stehen zu können, wird erzählt. M. ist verheiratet und hat eine Tochter. Diese Tochter (31) sitzt seit dieser Woche ebenfalls in Untersuchungshaft, weil bei ihr Waffen versteckt waren. Die Ermittler setzen darauf, dass M. auspackt. Doch klar ist auch: In der derzeitigen Lage raten die Anwälte beiden Männern, nichts zu sagen.

Der Ablauf der Tat: Warum gerieten die beiden Polizisten in den Hinterhalt? War es eine Falle?

Die offizielle Version ist: Die Brüder flüchteten mit einem Motorrad, stürzten auf einem Waldweg und eröffneten deshalb das Feuer auf die Polizisten. Dafür, so heißt es, sprechen viele Spuren am Tatort und die Aussage von Mathias Vieths 30-jähriger Kollegin, die leicht verletzt überlebte. Unter Polizisten in Augsburg hält sich derweil noch immer hartnäckig die Theorie, dass die Männer absichtlich vom Motorrad stiegen und die Polizisten damit in einen tödlichen Hinterhalt lockten. Dafür spräche die Lage des Motorrads. Dessen Scheinwerfer leuchteten offenbar direkt Richtung Streifenwagen – als ob die Beamten absichtlich damit geblendet werden sollten.

Weitere Verbrechen: Können die Ermittler den Brüdern weitere Taten nachweisen – etwa Überfälle?

Die Ermittler sind sich sicher: Die beiden Brüder planten eigentlich einen Raub und wurden dabei von Polizist Mathias Vieth und dessen Kollegin gestört. Nur deshalb, so die Sicht der Kriminalpolizei, kam es zu der Verfolgungsjagd und zur tödlichen Schießerei. Doch was die Brüder genau planten, ist offenbar bislang nicht geklärt. Die Männer wurden vor der Festnahme mehrere Wochen abgehört und observiert. Doch sie verhielten sich offensichtlich so geschickt, dass sie wenig verraten haben. Nun gibt es eine heiße Spur zu mehreren Überfällen auf Werttransportfirmen in Augsburg und Ingolstadt. Ein Revolver, der bei einem Raub einem Wachmann abgenommen wurde, ist in einem Waffendepot der Brüder aufgetaucht.

Der Kreis der Verdächtigen: Wusste im Umfeld der Brüder jemand Bescheid – gibt es Komplizen?

Es könnte neben Raimund M.s Tochter noch weitere mutmaßliche Mitwisser geben – zumindest, was die Waffenlager der Brüder angeht. Davon gehen die Ermittler derzeit aus.  Mit  dem Mord an  Mathias  Vieth hat die Tochter nichts zu tun, glaubt die Staatsanwaltschaft. Der Frau wird nur vorgeworfen, dass sie von zahlreichen Waffen wusste, die ihr Vater und ihr Onkel bei ihr im Keller deponiert hatten. Sollte es tatsächlich eine Verbindung der Brüder zu einem Überfall auf ein Augsburger Werttransportunternehmen im Jahr 2004 geben, dann käme eine weitere Person ins Spiel. An dem Raub waren damals drei Männer beteiligt.

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