Zum 21. Mal ist Franz Fischer (51) gestern Abend vor den Kinovorhang getreten, um die "Tage des Unabhängigen Films" zu eröffnen. Seit 1985 kümmert sich der Kinobesitzer um das Festival, das weit über die Woche hinaus Wirkung zeigt. Wir sprachen mit ihm über Etat, Enttäuschungen und Auswahl der gezeigten Streifen.
Heute Abend starten die 21. Tage des Unabhängigen Films. Welches Gefühl hat man da als Festivalleiter?
Fischer: Lampenfieber, Euphorie, Vorfreude und auch etwas Melancholie. Denn auch das schönste Festival ist am kommenden Sonntag zu Ende.
Hat man Angst, dass ein Film total durchfällt?
Fischer: Auch das mögliche Scheitern eines Filmes gehört zum Konzept. Filmemacher leben wie alle Künstler von der Kritik und der Auseinandersetzung mit dem Publikum. Und ein Festivalleiter ist immer auf der sicheren Seite, schließlich zeigt er die Filme anderer.
Zum Eröffnungsfilm kommen keine Gäste, weder Darsteller noch der Regisseur. Das ist ungewöhnlich. Welchen Grund hat das?
Fischer: Dass Regisseur Uberto Pasolini kurzfristig in Südkorea gebunden ist, war einfach Pech. Der Film "Machan" war uns wegen des Themenschwerpunkts Globalisierung zu wichtig, um darauf zu verzichten.
Wie viele Filme werden insgesamt gezeigt?
Fischer: Über 100 Filme flimmern bei den Filmtagen in allen Sektionen über die Leinwände.
Wie muss man sich die Auswahl vorstellen? Geht da der Festivalleiter auf Festivals oder sondiert er via DVD?
Fischer: Über 1000 Filme wurden uns im Vorfeld angeboten. Die Kunst besteht darin, in der Fülle der Filme den "roten Faden" zu finden. Festivalbesuche des Teams sind dabei wichtige Aspekte der Meinungsbildung. Ansonsten verfügt das Festival über ein gewachsenes internationales Netzwerk.
Entscheidet der Festivalleiter allein, was gezeigt wird?
Fischer: Runde Tische und endlose Diskussionen führen selten zu einer Verbesserung der Qualität. Wichtig ist, dass Entscheidungen getroffen werden. Erwin Schletterer (Kurzfilmwochenende) und Ellen Gratza (Kinderfilmfest) entscheiden in ihren Sektionen jeweils selbstständig.
Bis vor einigen Jahren gab es ja diese große Eröffnung in der Kongresshalle. Ist fehlendes Geld der Grund, dass man sich jetzt im intimen Rahmen der Kinos trifft?
Fischer: Eine große Gala gab es heuer schon, nämlich die tolle Eröffnung des Kinderfilmfestes im CinemaxX. Durch die Ausweitung der Spielstätten (zwei Säle zusätzlich im CinemaxX) können wir variabler terminieren. Das "Cinema of tomorrow" und das Kurzfilmwochenende profitieren. Die Kongresshalle war im Übrigen schon anderweitig vergeben. Ansonsten investieren wir das Budget schwerpunktmäßig in die Anwesenheit interessanter Gäste. Und was die Zukunft angeht, schau mer mal ...
Wer ist eigentlich der Träger der Filmtage?
Fischer: Das Festival wird getragen vom Filmbüro e.V., vertreten durch die Vorstände Alfred Schantz und Harald Munding.
Mit wie vielen Besuchern rechnet das Team denn insgesamt?
Fischer: Da orientieren wir uns am FCA, der Besucherschnitt der Heimspiele ist für uns eine gute Hilfe, das sind derzeit zirka 15 000.
Gibt es einen Film oder einen Gast, auf den das Team sich besonders freut?
Fischer: Dies ist eigentlich eine unzulässige Frage an einen Festivalleiter: Eine Mutter wird auch nie eines ihrer Kinder öffentlich hervorheben.
Und wie sieht es aus mit Urlaub nach dem Festival? Ist der dann dringend notwendig?
Fischer: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Das nächste Festival steht schon vor der Tür. Es beginnt nämlich das Freiluftfestival Lechflimmern. Termin ist hier Ende Mai. Und dieses Publikum geht vor meinen Urlaubswünschen.
Welchen Etat haben die Filmtage eigentlich?
Fischer: Der städtische Anteil beträgt 85 000 Euro. Darüber hinaus fördert uns der Freistaat Bayern, Hauptsponsor ist die Stadtsparkasse Augsburg.
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