Donnerstag, 23. November 2017

17. März 2017 11:30 Uhr

Augsburg/Gablingen

Ein Haus wird hübsch gemacht

Wer derzeit eine Immobilie verkaufen will, dürfte kaum Probleme haben, einen angemessenen Preis zu erzielen. Diesen kann man aber noch steigern – durch gezieltes Dekorieren.

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Cornelia Reichel besitzt etwa 200 Sofakissen, mehrere Couchen, Kerzenständer und Vasen in verschiedenen Größen, Formen und Farben. Dazu so viele Kunstblumen, dass sie damit handeln könnte, unendlich viele Sets an Badvorlegern mit dazu passenden Handtüchern, Regale, Tische und Lampenschirme und noch vieles mehr, was zu einer geschmackvollen Inneneinrichtung gehört. All die Dinge im Wert von rund 100000 Euro nutzt sie aber nicht etwa selbst in ihrem Haus in Gablingen (Landkreis Augsburg), sondern lagert sie einige hundert Meter entfernt in einer großen Halle. Klingt verrückt, ist es aber nicht: Cornelia Reichel braucht all die Ausstattungsgegenstände beruflich. Sie ist Home Stagerin.

Salopp formuliert, hübscht die Gablingerin Immobilien auf, die verkauft werden sollen. Auf diese Weise werden Ladenhüter plötzlich interessant und interessante Objekte im Wert gesteigert. „Man kann sagen, dass sich mit einer Immobilie nach meinen Diensten deutlich mehr erwirtschaften lässt, als es sonst der Fall gewesen wäre“, sagt sie selbstbewusst.

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Der Kaufwunsch wird gefördert

Dass sie damit nicht übertreibt, bestätigt der Augsburger Immobilienmakler Helmut Klamt. Bei begehrten Immobilien, die sich auch ohne Home Staging, also Dekorierung, gut verkauft hätten, hält er eine Wertsteigerung von zehn bis 20 Prozent und sogar darüber hinaus durchaus für möglich. „Bei einer Besichtigung sind die ersten Minuten entscheidend. Der positive erste Eindruck durch das geschickte Arrangement von Home Staging erfreut das Auge und befördert den Kaufwunsch“, beschreibt Klamt. Besonders lohnenswert sei das Aufhübschen einer Immobilie, wenn sich diese als weniger attraktiv für Käufer erweist. „Ich habe bei einer von mir betreuten Wohnung erlebt, wie sich der zähe Verkauf durch die professionelle Aufbereitung überraschend schnell ankurbeln ließ“, erzählt der Makler. Das unterstreicht eine Umfrage der Gesellschaft für Home Staging und Redesign (DGHR): Zwei Drittel aller schwierigen Objekte seien nach Angaben der Verkäufer durch Home Staging innerhalb von maximal vier Wochen verkauft worden.

Familienfotos lenken ab

Bevor sich der Erfolg jedoch einstellt, muss der Verkäufer investieren. Wie viel hängt vom Aufwand und dem Preis der Immobilie ab. „Wenn ich in einer noch bewohnten Wohnung agiere und nur kleinere Veränderungen nötig sind, dann kommen wir auf einen Preis um die 600 Euro“, erläutert Cornelia Reichel. Bei Immobilien im Wert zwischen 300000 und 400000 Euro und etwas größerem Aufwand liege man bei etwa zwei Prozent der Verkaufssumme. Inklusive ist die Beratung vor Ort sowie die Umsetzung. Deko und eventuell nötige Möbel stellt Reichel aus ihrem Fundus oder kauft sie gegebenenfalls gezielt ein. Denn schließlich soll die neue Ausstattung auch zur Immobilie passen und den „Haben-Wollen-Effekt“ auslösen. Dafür ist es auch nötig, zu entpersonalisieren. „Familienfotos, religiöse oder politische Gegenstände lenken ab und erzeugen womöglich Emotionen, die einem Verkauf nicht dienlich sind“, beschreibt Cornelia Reichel. Deshalb schaffe sie eine neutrale Atmosphäre und Freiräume, die den Raumnutzen sofort erkennbar machen. Ist das Objekt entsprechend hergerichtet, werden Bilder gemacht, die für eine Onlineplattform oder für ein Exposé verwendet werden können.

Es gibt einen Ehrenkodex

„Anfangs war ich sehr skeptisch, ob ein optisches Verkaufstuning nicht den Zweck verfolgt, Mängel zu verbergen“, gibt Makler Klamt zu. Heute denkt er anders: „Ein gewissenhafter und fairer Makler wird seine Kunden auf nicht sichtbare Mängel ansprechen. Ich halte dies so seit über 25 Jahren. Darüber hinaus kann ich aber trotzdem durch einen positiven Gesamteindruck das Niveau einer Immobilie anheben und für Kunden interessant machen.“ Auch Cornelia Reichel, die eigenen Angaben nach die einzige Home Stagerin in Augsburg und Umgebung ist, will fair sein und hält sich an den entsprechenden Ehrenkodex ihres Berufsverbands. „Im Grunde ist es ähnlich, wie wenn man sein Auto vor dem Verkauf zur professionellen Aufbereitung gibt“, erklärt sie ihr Tun. Die dazugehörigen Vorteile hat offenbar auch der Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen erkannt. Er kooperiert seit Anfang des Jahres mit dem Berufsverband für Home Staging und setzt auf dessen Fachwissen.

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Ein Artikel von
Andrea Wenzel

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Ressort: Lokale Wirtschaft


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