Als Zuschauer bewundert man den perlenbesetzten Körper und die pergamentartige Textur der lockeren Haut an der Unterseite des überlebensgroßen Komodowarans. Halt! Darum soll es ja gar nicht gehen. Wichtig wäre gewesen, vom sicheren Kinosessel aus und mit leichtem Gruseln den Mut des Filmers zu würdigen, der sich so nah an die großen, eindrucksvollen Warane herangewagt hat.

Was hatte die Wahrnehmung des Betrachters bei diesem Filmbeitrag zu den 31. Bayerischen Filmfestspielen gelenkt? Die Jury (allesamt professionelle Filmemacher) erklärte es den Amateurfilmern anhand von Kriterien wie Kameraführung, Schnitt, Text und Vertonung. Auf diese Weise beleuchteten Christine Wilkerling, Adalbert Becker, Sigi Menzel, Helmut Seehuber und Antoni Skorniewski alle 28 in Bobingen vorgeführten Amateurfilme aus völlig unterschiedlichen Genres.
Das war für die Filmautoren interessant. "Die Beurteilung durch die Jury ist das Wichtigste, daraus lernen wir sehr viel", lautete ihr Tenor. Genauso konnten die Gäste nachvollziehen, warum ihnen etwas an den maximal 20 Minuten langen Streifen gefallen oder missfallen hatte: Hier der Schnitt zu krass, dort die Worte falsch; bei diesem war der Sound zu unpassend, bei jenem war der Film zu ruhig oder unruhig.
Man legt Wert auf handwerkliche Qualität
Auffallend war, dass es sich bei den Autoren fast ausschließlich um Herren im Pensionsalter handelte. Ein Grund dafür kann sein, dass der Nachwuchs bei den 26 Film- und Videoklubs mit insgesamt 500 Mitgliedern bayernweit ausbleibt, wie der Landesvorsitzende Leo Petzenhauser klagt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Filmen ein zeit- und geldintensives Hobby ist, das Jüngeren so nicht erschwinglich ist? Oder aber daran, dass die Jugend andere konzeptuelle und ästhetische Ansätze hat?
Bei den im Landesverband organisierten Amateurfilmern legt man Wert auf handwerkliche Qualität. Das ließ sich an den mit viel Liebe und Akribie gestalteten Filmen ablesen. Experimentiert wurde kaum, und wenn, dann mit digitalen Effekten. Man war bestrebt, professionelle Kriterien einzuhalten. Und mit dem Charme des Amateurhaften wurde nicht gespielt.
Aber ließ er sich ganz vermeiden? Beispielsweise wurde eine kletternde Begleiterin gefilmt. Während der Sprecher die Absturzgefahr durch rutschige Steine schildert, bangte der Zuschauer - je nach Naturell - mit dem Kameramann oder malte sich den Ernstfall aus angesichts des dazu gefilmten bildfüllenden Gesäßes der Dame.
Hochdramatische Themen wurden behandelt: der Unfalltod einer Ehefrau oder Gewalt im Drogenrausch. Im ersten Fall technisch wenig überzeugend, im zweiten nahezu "kinoreif" - dennoch baute sich keine Spannung auf.
Andere, vom Gegenstand sehr unterschiedliche Filme berührten und überzeugten durch die direkte und scheinbar leichte Art, ihr Thema anzugehen: etwa eine sehr behutsame Reportage über die Wirkung der Musiktherapie auf behinderte Schüler der Felsensteinschule in Königsbrunn oder die Dokumentation über das auf der Bamberger Altenburg lebende Künstleroriginal Edgar Stengele.
Der Amateurstatus eines Films währt aber nur so lange, bis alle Wertungsebenen durchlaufen sind. Im Anschluss kann es sein, dass der eine oder andere Streifen wegen der Qualität als Schulfilm oder gar im Fernsehen zu sehen ist.
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