Manfred Gaudl ist nach seiner Mammut-Tour auf dem Rennrad wieder zurück in Augsburg. Dienstag vergangener Woche, Punkt 20.08 Uhr, lag Gaudl ausgestreckt wie ein Käfer auf dem Petersplatz. Auf dem Rücken spürte er den warmen Boden. "Herrlich, ist das schön", sagt der Ironman.
Hinter Gaudl liegen 1 150 Streckenkilometer, Herausforderung, Strapazen und Schmerzen auf dem Rennrad. So ungewöhnlich das klingt: Damit hat sich der Ingenieur seinen Traum verwirklicht. In 50 Stunden wollte er von Augsburg nach Rom radeln. Nach 60 Stunden erreichte er die italienische Metropole (AZ berichtete).
"Ein gigantisches Gefühl", sagt der Familienvater. Mit seiner Frau Carmen macht er ein Foto auf dem Petersplatz, dann geht er ins Bett - der Körper fordert seinen Tribut: Nur 6,5 Stunden hat der Sportler während seines Marathons geschlafen, zwei Nächte ist er durchgefahren. "Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, ziehe ich das durch", sagt er.
In der zweiten Nacht kommt der Tiefpunkt: "Ich bin in ein Hungerloch gefallen, dazu kam Müdigkeit", sagt Gaudl. Der Sportler muss auf Nebenstrecken ausweichen, durch die Umwege verliert er Zeit. Auf dem Sattel scheuert das Sitzfleisch wund. Zum ersten Mal denkt er ans Aufgeben. "Doch dann wurde mir klar: Ich komme an." Geholfen haben ihm die Unterstützung seiner Frau und eines Sportfreundes. Sie begleiteten und versorgten ihn.
Ende des Monats wird der 50-Jährige bereits wieder auf den Sattel steigen: Er macht beim Ötztaler Radmarathon mit. Andere Pläne hat er nicht. "Meine Frau hat mit Streik gedroht", sagt Gaudl. Er lacht: "Doch da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." (flora)
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