Montag, 25. September 2017

13. Mai 2017 00:33 Uhr

Interview

Ein Schriftsteller erzählt in Bildern

Graphic Novels sind das große Thema der Branche. Bald legt der Schriftsteller Thomas von Steinaecker seinen ersten Lang-Comic vor. Der Unterschied zum literarischen Schreiben war für ihn groß

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Herr von Steinaecker, Sie treten schreibend ja nicht nur als Schriftsteller in Erscheinung, sondern gelegentlich auch als Rezensent von – nicht Comics, sondern Graphic Novels.

Da muss ich gleich einmal einhaken, weil das die Standardverwechslung ist. „Graphic Novels“ ist ein Begriff, der seit zehn, fünfzehn Jahren hilft, dem Comic eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Aber Sie sehen an meiner Formulierung, dass da ein Zusammenhang gegeben ist. Der Überbegriff ist Comic. Die Graphic Novel ist die Langform des Comics, und sie möchte ein anspruchsvolles Thema verhandeln. Wenn man ehrlich ist, ist die Graphic Novel ein Label, das aus Marketinggründen eingeführt wurde.

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Wie verhalten Sie sich als Comic-Leser? Greifen Sie nur zu den langen Comic-Geschichten mit hohem Anspruch oder lesen Sie auch die Kurzformen?

Ich finde, dass der Boom der Graphic Novels auch Nachteile mit sich gebracht hat. Die Erwartungshaltung an Comic-Zeichner und -Autoren geht dahin, dass sie eine Graphic Novel vorlegen müssen, um wahrgenommen und ernst genommen zu werden. Ein 200 bis 400 Seiten langer Comic benötigt aber unfassbar lange in der Produktion. Und dann kommt hinzu, dass es bei Comic-Zeichnern mit anderweitigen Förderungen und Finanzierungen anders aussieht als zum Beispiel in der Literatur.

Es gibt weniger Stipendien und Preise?

Weltweit gibt es sehr wenige. Wenn sich eine Graphic Novel über 10000-mal verkauft, ist das die absolute Ausnahme. Davon kann aber niemand leben, vor allem wenn man bedenkt, dass fünf oder sechs Jahre an einer Graphic Novel gearbeitet wird oder sogar noch länger. Ein Grund für diese langen Produktionszeiten ist, dass die Zeichner dadurch, dass sie ökonomisch nicht abgesichert sind, dauernd Auftragsarbeiten, vor allem aus der Werbung, annehmen müssen. Nebenher dann noch nachts an der eigenen Graphic Novel zu zeichnen, ist für die meisten Comic-Autoren, die ich getroffen habe, kaum darstellbar. Deshalb benötigen sie für die langen Erzählungen so viel Zeit.

Um noch einmal auf die Frage von eben zurückzukommen: Lesen Sie die kürzeren und die längeren Comic-Formen beide?

Ich habe Ihre Frage ein bisschen umgeformt, merke ich. Ich wollte eigentlich darauf kommen, dass das Tolle an Comics ist, dass sie auf der kurzen Strecke funktionieren, etwa auf der Minimallänge von zwei Bildern, wo es sich nicht mehr nur um einen Cartoon, sondern eine Bilderzählung handelt. Von dort bis zu Büchern mit mehreren hundert Seiten ist alles möglich. In dieser Bandbreite liegt für mich das Faszinierende. Ich schaue überall hin, wo etwas Interessantes ist, und mache das nicht von der Länge abhängig.

Als Schriftsteller haben Sie in Ihren Romanen schon öfters mit der Verschränkung von Bild und Text gearbeitet. Das Faszinierende an Comics muss für Sie ja sein, mit Bildern und Texten gleichzeitig eine Geschichte erzählen zu können?

Ich weiß nicht, ob Sie das jetzt schon wissen. Im Herbst wird meine erste Graphic Novel erscheinen.

Nein, das wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass Sie von dem Medium fasziniert sind. Zeichnen Sie auch selbst?

Nein. Ich erzähle Ihnen kurz die Geschichte. Im vergangenen Jahr erschien in 15 Folgen auf dem Blog des S.-Fischer-Verlags der Comic „Der Sommer ihres Lebens“. Ich habe den Comic zusammen mit der Zeichnerin Barbara Yelin gemacht. Ich hatte schon sehr lange den Wunsch, eine Graphic Novel zu machen, aber zeichnerisch bin ich völlig unbegabt. Deshalb war ich darauf angewiesen, einen Zeichner zu finden. Das ist nicht ohne.

Was bedeutet das?

Man ist dann Szenarist, das, was René Goscinny bei Asterix und Obelix war. Das heißt, man schreibt nicht nur die Texte, sondern ist für die ganze Geschichte zuständig und beschreibt Bild für Bild, was auf dem Bild idealerweise drauf sein soll und wie sich die Geschichte entwickelt. Und dann geht es wie in einem Pingpong-Spiel hin und her. Man ist in einem ständigen Austausch, was ist mit einem Bild darstellbar, wo braucht man noch ein zusätzliches Bild. Das Spannende ist, die Balance herzustellen zwischen Text und Bild, dass keines von beiden sich nur wiederholt, sondern dass es sich ergänzt.

Müssen Sie als Szenarist anders mit der Sprache umgehen wie als Schriftsteller?

Der Comic ist eine reduzierte Form, man muss eine Geschichte auf sehr wenig Bilder reduzieren können. Genauso muss ich als Texter mich sehr einschränken in dem, was ich als Text stehen lasse. In ein Bild passen ja nicht so viele Wörter wie in eine Geschichte. Ich muss die Sätze genau abklopfen auf das, was stehen bleiben kann, was ich sagen möchte und was notwendig ist, damit etwas zum Klingen gebracht wird im Zusammenspiel mit dem Bild. Mich hat das erinnert an das Schreiben eines Haikus. Wörter wie „aber“ und „dann“ erhalten plötzlich eine viel größere Bedeutung als in einem normalen belletristischen Text. Das ist so, als ob sich ein Scheinwerfer plötzlich auf die Wörter richtet.

Wie weit sind Sie mit Ihrer Graphic Novel?

Die Arbeit daran ist vor einer Woche abgeschlossen worden. Im September erscheint „Der Sommer ihres Lebens“ als Buch. Es geht um eine Frau in einem Altenheim, die sich darüber klar zu werden versucht, ob ihr Leben geglückt war, wo das Glück in ihrem Leben zu suchen war. Parallel arbeite ich seit längerem an einer Graphic Novel, die in zwei Jahren erscheinen wird, eine Biografie über den Komponisten Karlheinz Stockhausen. Interview: Richard Mayr

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