Über Jahre warten Asylbewerber in Deutschland in mitunter beengten und überfüllten Asylunterkünften auf ihre unklare Zukunft. Christine Kamm, Landesabgeordnete der Grünen, stellte nun ihre Alternative vor: das Europadorf in Augsburg-Hochzoll.
Im Laufe der Jahre hat sich die Wohnfläche durch Neubauten verdoppelt. Mittlerweile sind es 36 Wohnungen zwischen 40 und 90 Quadratmeter. Außerdem ist das Europadorf Vorbild für ökologischen Wohnungsbau. Sonnenkollektoren sorgen für Warmwasser und Heizung. Die Altbauten wurden energetisch saniert und der Neubau in Niedrigenergiebauweise erbaut. Im Innenhof der Anlage blieben die alten Bäume erhalten, um einen Ort der Begegnung für die Bewohner zu schaffen.
Daher achtet die ehrenamtliche Verwaltung darauf, dass die Nationalitätenverhältnisse innerhalb der Gemeinschaft ausgeglichen sind. Auch innerhalb der Generationen ist Jung und Alt gleichermaßen vertreten. Im Moment leben dort 36 Kinder.
Vor allem die Mädchen besuchen das Gymnasium. Christine Kamm freut sich darüber: „Kinder sollen angemessen und unbeschwert aufwachsen, damit sie sich auf die Schule und ihre Zukunft konzentrieren können.“
Heute ist das Europadorf in Augsburg die letzte Einrichtung, die im Sinn des Gründers betrieben wird. Der belgische Geistliche Pater Dominique Pire hatte 1957 die Idee zu dem Projekt. Gerade in der Nachkriegszeit boten die Europadörfer den internierten und entwurzelten Bewohnern eine Wohnung und eine Integrationsperspektive vor Ort.
Dafür erhielt Pater Pire den Friedensnobelpreis. 1999 übernahm der Verein Tür an Tür das Projekt. (jua)
Information: Im Rahmen der Interkulturellen Wochen gibt es mehrere Veranstaltungen mit dem Thema Flüchtlings- und Migrationsarbeit, zu denen der Verein Tür an Tür einlädt. www.tuerantuer.de