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Theater
04.05.2016

Ein liebenswerter Kerl mit Durchblick

Zum zweiten Mal arbeitet Regisseur Christian Weise in Augsburg.
Foto: Michael Hochgemuth

Was Regisseur Christian Weise an Anton Tschechows „Platonow“ interessiert. Heute Premiere im Großen Haus

Lange musste Regisseur Christian Weise nicht danach suchen, welche Relevanz er in Anton Tschechows „Platonow“ aus dem Jahr 1880 für die Gegenwart entdecken kann. „Wir leben in einer Blase, es geht uns gut, es bleibt uns überlassen, was wir damit anfangen.“ Und genau das ist der Haken an der Sache, jeder ist damit selbst verantwortlich für Glück und Erfolg. Anton Tschechow zeigt in seinem Stück, wie die Figuren gelähmt sind, wo Tatkraft erforderlich wäre.

„Platonow“ ist ein frühes Stück des russischen Autors – und das merkt man ihm auch an. Rund siebeneinhalb Stunden würde eine Aufführung des gesamten Textes dauern, in der Augsburger Aufführung, die heute Premiere im Großen Haus hat, sind es gute drei. Dramaturgisch sei das Stück mit seinen vielen Handlungssträngen und den zahlreichen Figuren nicht „glasklar geschliffen“, meint Weise. Konzentriert habe er sich auf die Titelfigur, einen liebenswerten Typen, den er weder als Menschenverachter noch als Zyniker sieht. In seinem Verhältnis zu den Frauen spiegle sich sein Verhältnis zur Welt. In dieser Gesellschaft der Gelangweilten und Übersättigten habe Platonow als einziger einen klaren Blick auf die prekären Verhältnisse, aber er sei eben auch Teil dieser Gesellschaft und könne sich nicht über sie hinwegsetzen, führt der Regisseur aus.

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