Lange liefen die Geschäfte bei Manroland gut. Doch seit drei Jahren kämpft das Unternehmen ums Überleben. Von Monika Schmich


Es wird ein schwarzer Tag in der Firmengeschichte von Manroland. Am Montag wird sich das Schicksal der 2400 Beschäftigten am Standort Augsburg klären. Der neue Eigentümer, die Unternehmensgruppe Possehl, wird künftig noch 1500 Mitarbeiter beschäftigen. Voraussichtlich 500 Menschen werden an diesem Tag ihre Kündigung erhalten. Für sie ist es das traurige Ende, für viele andere ein Neubeginn nach langer Zitterpartie. Ein Rückblick:
15. März 2006 Der MAN-Konzern erklärt überraschend, aus dem Druckmaschinen-Geschäft auszusteigen. Er verkauft die Mehrheit seiner Tochter mit damals 3100 Mitarbeitern an eine Beteiligungsgesellschaft der Allianz. Aus MAN Roland wird Manroland.
Oktober 2006 Der neue Eigentümer macht Druck, er will das Unternehmen an die Börse bringen. „Immer mehr Mitarbeiter klagen über Kostensenkungsprogramme und Rationalisierungsmaßnahmen“, erklärt der damalige Betriebsratsvorsitzende Hermann Regal.
März 2007 Ein Jahr nach dem Verkaufsschock scheint die Welt in Ordnung: Das Management meldet das beste Jahresergebnis in der Firmengeschichte. Die Belegschaft bekommt eine Jobsicherung bis 2011.
Dezember 2008 Die Konjunktur schwächelt. Das bekommen die Manroland-Mitarbeiter zu spüren: Zwangsurlaub über Weihnachten.
Januar 2009 Dabei bleibt es nicht: Das Management kündigt für März Kurzarbeit an. Außerdem sollen rund 100 Stellen in den nächsten zwei Jahren abgebaut werden.
1. März 2009 Kurzarbeit: 3000 Mitarbeiter bleiben vier Tage im Monat zu Hause – ein Schicksal, das in der Wirtschaftskrise viele trifft. Die Hoffnung, dass es sich nur um ein kurzes Tief handelt, ist groß. Zu diesem Zeitpunkt hat Manroland deutschlandweit 8656 Mitarbeiter. Der Abbau von 625 Arbeitsplätzen bis Mitte 2010 ist schon geplant.
Mai 2009 Die Aussichten trüben sich weiter ein. Weil die Aufträge um 60 Prozent eingebrochen sind, müssen rund 100 Arbeitsplätze abgebaut werden. 400 Leiharbeiter sind schon weg. Die Kurzarbeit wird ausgeweitet – auf zehn Tage im Monat. 150 Manager opfern freiwillig zehn Prozent ihrer Vergütung.
Dezember 2009 Viele Firmen kehren wieder zur Normalbeschäftigung zurück. Nicht so Manroland. In einzelnen Bereichen gilt jetzt sogar Kurzarbeit Null, es wird gar nicht mehr gearbeitet.
Mai 2010 Manroland kündigt die Streichung 300 weiterer Stellen an. Firmenchef Finkbeiner glaubt aber noch fest an eine Zukunft. Mit dem Projekt 2020 will er das Unternehmen fit machen.
Juli 2010 Die Stimmung unter den Manroland-Mitarbeitern wird immer schlechter, das Geld knapper. Das Gros arbeitet an nur noch acht Tagen im Monat. Facharbeiter werden an Firmen „verliehen“.
Herbst 2010 Übernahmegerüchte kursieren. Das Unternehmen gibt Entwarnung: Manroland will eigenständig durch die Krise gehen. Die schlechte Nachricht: In Augsburg sollen bis 2012 rund 800 Stellen wegfallen. Es gibt Kundgebungen.
Dezember 2010 41 Manroland-Lehrlingen droht die Arbeitslosigkeit. Mit einer Plakataktion machen sie auf ihre Situation aufmerksam. Fast alle finden später einen neuen Arbeitgeber in der Region.
Februar 2011 200 Mitarbeiter bekommen die Kündigung. Viele wechseln in eine Transfergesellschaft. Am Ende der Umstrukturierung sollen von vormals 2700 Stellen noch 2050 verbleiben.
Juli 2011 Neue Hoffnung keimt auf. Das Unternehmen ergattert mehrere Aufträge. In Augsburg sind zwischenzeitlich nur noch 900 Mitarbeiter in Kurzarbeit.
November 2011 Im Herbst muss Manroland die Kurzarbeit wieder ausweiten. Die Situation scheint dramatischer als je zuvor.
Mitte November 2011 Die Eigentümer haben endgültig den Geldhahn zugedreht. Ein neuer Investor scheint gefunden. Doch der springt in letzter Minute ab.
25. November 2011 Jetzt ist es traurige Gewissheit: Manroland ist pleite. Bei einer Betriebsversammlung informiert der Vorstand die Mitarbeiter. Ein schwarzer Freitag für die Region. Insolvenzverwalter Werner Schneider hat zwei Monate Zeit, einen Investor zu finden.
Dezember 2011 Die Politik bemüht sich um eine Lösung, Bayerns Wirtschaftsminister Zeil eilt nach Augsburg. Es gibt Kundgebungen und viele Solidaritätsbekundungen.
Januar 2012 Es gibt mehrere Interessenten für Manroland. Allianz und MAN erklären sich zudem bereit, 24 Millionen Euro für eine Auffanggesellschaft zu zahlen.
19. Januar 2012 Die Rettung für den Augsburger Standort: Der Gläubigerbeirat gibt der Lübecker Possehl-Gruppe den Zuschlag.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: